Ausstellung im Museum Burg Linn Fotografien zeigen das Verborgene

Krefeld · Eine Ausstellung im Museum Burg Linn zeigt Aufnahmen von Volker Döhne. Er zeigt die Vergleiche von 1993 und 2016. Seine Fotografien spiegeln Veränderungen und lassen erkennen, was nicht (mehr) ohne Weiteres zu sehen ist.

 Er war Schüler der ersten Fotoklasse von Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf: Volker Döhne. Seine Arbeiten sind im Museum Burg Linn zu sehen.

Er war Schüler der ersten Fotoklasse von Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf: Volker Döhne. Seine Arbeiten sind im Museum Burg Linn zu sehen.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Mit seinen Fotos lenkt der Künstler den „Blick auf das Verborgene“: Im Museum Burg Linn werden ab Donnerstag, 15. Juni, Volker Döhnes Fotografien des Limes am Niederrhein gezeigt. Und zwar im Vergleich von 1993 und 2016.

„Das ist eine schöne Ausstellung, die uns durch den Sommer begleiten wird“, sagt Museumsleiter Boris Burandt, der zudem ein umfangreiches Begleitprogramm zum Thema Fotografie für Kinder verspricht. Sein Stellvertreter Christoph Dautermann kennt Volker Döhne schon lange. Schon als Dautermann die Schriftleitung von „die Heimat“ innehatte, hat er Fotos von Döhne gezeigt. 

 Die Fotografie in Schwarz-Weiß zeigt das Jahr 1993.

Die Fotografie in Schwarz-Weiß zeigt das Jahr 1993.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Der aus Remscheid gebürtige Volker Döhne (*1953) ist ausgebildeter Schriftsetzer und studierte an der Kunstakademie Düsseldorf in der ersten Fotoklasse von Bernd Becher. Er war von 1980 bis 2018 als Grafiker, Fotograf und Kataloggestalter bei den Kunstmuseen Krefeld beschäftigt. Zu Beginn der 90er Jahre befasste Döhne sich mit dem Verlauf des römischen Limes und fotografierte 71 Stationen zwischen Bonn und Xanten. Die Strecke beträgt 140 Kilometer.

Vom selben Standpunkt aus fotografierte Volker Döhne 2016.

Vom selben Standpunkt aus fotografierte Volker Döhne 2016.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Damals residierte Bundeskanzler Kohl noch in Bonn, und Döhne folgte der einstigen Grenze fotografisch. Dafür hat er sehr genau recherchiert und Vergleiche dazu angestellt, wie der Wiederaufbau und die Nachwendezeit sich auf unterschiedliche Orte ausgewirkt haben. So war er etwa in Coventry, in dessen unmittelbarer Nähe ein römisches Fort gefunden wurde. „Dort war der Aufbau ganz anders“, erinnert sich Döhne. 

Auch dieses Paar zeigt den Wandel der Zeit: hier im Jahr 1993

Auch dieses Paar zeigt den Wandel der Zeit: hier im Jahr 1993

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Auf der Strecke von Bonn nach Xanten liegen Köln und Neuss, Düsseldorf, Duisburg und Moers – und im oberen Drittel Krefeld. Auf einer Karte zur Ausstellung ist deutlich zu sehen, wie sich das Bett des Rheines verschoben hat und die ursprüngliche Römerstraße mal links und mal rechts des jetzigen Flussbettes liegt. Aus der Fotoserie von 1993/94 ist das Buch „Limes. Grenzgänge eines Fotografen von Bonn bis Xanten“ hervorgegangen. Döhne hat damals mit der Großbildkamera Schwarz-Weiß-Fotos aufgenommen und die Abzüge im eigenen Labor hergestellt. Es waren mehr als 620 Motive; bei dieser hohen Zahl war aus Kostengründen an Farbbilder nicht zu denken. 

 Und dann die Ansicht aus dem Jahr 2016. Zu sehen sind die Bildpaare ab 15. Juni.

Und dann die Ansicht aus dem Jahr 2016. Zu sehen sind die Bildpaare ab 15. Juni.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Als einige Jahre später das Magazin seines Arbeitgebers KWM nach Uerdingen gelangte, fiel der Blick des Fotografen wieder auf die Landschaft in Gellep, vor knapp 2000 Jahren Gelduba benannt. Hier hatten die Römer an der Grenze ihres Reichs ein Kastell gebaut und sogar mehrfach wiederaufgebaut. Auch gab es ein Gräberfeld, das nicht nur die Römer, sondern auch die nachfolgenden Bewohner belegten: Viele Funde aus den mehr als 6000 freigelegten Gräbern sind im Museum Burg Linn zu sehen. An der Oberfläche ist allerdings nichts mehr zu erkennen. „Aber man konnte sich bei den Fotografien aus den 90er Jahren durchaus vorstellen, dass da etwas drunterliegen könnte“, sagt Döhne.

Doch seine jüngeren Aufnahmen zeigen – immer aus derselben Perspektive – dass nun fast alles überbaut ist. Die römische Geschichte liegt hier verborgen unter jüngster Zivilisation. Seit zwei Jahren ist der „Niedergermanische Limes“ Teil des Unesco-Weltkulturerbes. 

Döhnes Fotografien aus 2016 hat er digital aufgenommen und sie mit denen von 1993/94 zu acht Paaren zusammengeordnet. Letztere sind inzwischen auch digitalisiert, aber Döhne ist dem kleinen Format treu geblieben: „Man kann herantreten, man kann alles sehen und man kann die Fotografien vergleichen.“ Und das ist aufschlussreich. Landmarken sind Stromtürme, Schlote oder mal ein Kirchturm. Und oft ist der Weg erhalten, der schon vor knapp 2000 Jahre beschritten wurde. Ergänzend zeigt ein Beamer Fotos aus Döhnes Buch in ansprechender Anordnung und einige Texte informieren.

 Museum Burg Linn Ausstellung Volker Doehne, der Blick auf das verborgene, Bild Paar eins

Museum Burg Linn Ausstellung Volker Doehne, der Blick auf das verborgene, Bild Paar eins

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
 Museum Burg Linn Ausstellung Volker Doehne, der Blick auf das verborgene, Bild Paar zwei, vorher nachher

Museum Burg Linn Ausstellung Volker Doehne, der Blick auf das verborgene, Bild Paar zwei, vorher nachher

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Zur Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag, 15. Juni, 19 Uhr, in der Museumsscheune, wird die Kulturbeauftragte Gabriele König ein Gespräch mit dem Künstler Volker Döhne und Christoph Dautermann vom Museum Burg Linn führen. 

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