Audienda-Chor Krefeld Klangbrücke zwischen Russland und Ukraine

Krefeld · Mit einem beeindruckenden Konzert sammelte der Audienda-Chor über 2000 Euro für „action medeor“: Er interpretierte Besinnliches und strahlendes Gotteslob.

 Der Audienda-Chor bewegte  mit geistlichen russischen Gesängen in deutscher Erstaufführung

Der Audienda-Chor bewegte mit geistlichen russischen Gesängen in deutscher Erstaufführung

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Mit viel Applaus und großer Spendenbereitschaft, die die beachtliche Summe von 2051 Euro für die Ukrainehilfe von „action medeor“ erbrachte, dankte das Publikum in der gut besuchten Schutzengelkirche in Krefeld-Oppum dem Audienda-Chor für ein beeindruckendes Konzert.

Das bereits für 2020 geplante Programm mit russischer geistlicher Chormusik (das wie berichtet pandemiebedingt mehrfach verschoben werden musste)  wurde angesichts der aktuellen Situation ergänzt um ukrainische Chorliteratur – was vermutlich vor allem dem Leiter des Chores, Pavel Brochin, als gebürtigem Ukrainer ein besonders Anliegen war.

Der 40 Stimmen starke Chor konnte diesmal – coronabedingt – lediglich mit 31 Sängerinnen und Sängern auftreten, was aber der Klangintensität keinen Abbruch tat. Brochin, nunmehr seit 20 Jahren Leiter des sowohl in A-cappella-Literatur als auch in orchesterbegleiteten Werken versierten Ensembles, hatte seine Vokalisten sorgfältig vorbereitet, leitete engagiert und präzise. Dank einer ausreichenden Zahl an Tenören und Bässen war der Chorklang immer ausgeglichen – nur selten störten im Forte einige Sopranschärfen.

Ein Markenzeichen von Audienda ist die facettenreiche Dynamik, sie machte die mal besinnlichen, dann wieder jubelndes Gotteslob verkündenden Gesänge von Dmitry Bortniansky, Alexey Lvov, Nikolay Rimsky- Korsakov - um nur einige der im 19. Jahrhundert wirkenden Komponisten zu nennen – allesamt zum eindringlichen Hörerlebnis. Voller Klangpracht und durchweg eingängig, gefielen auch die Chorsätze noch lebender Tonsetzer und - als Abschluss und  als Einziges in russischer Sprache gesungen – das Eucharistische Gebet aus der Liturgie des heiligen Chrysostomos in einem Chorsatz von Valery Kikta (geb.1942). Theo Pannen las zwischen den Vorträgen sorgfältig ausgewählte und optimal zur Intention des Konzertes passende „Texte zum Innehalten“.

Eine Auswahl der „Biblischen Lieder“ op.99 von Antonin Dvorak (deutsche Übertragung Bedrich Eben) und „Sieben Psalmen des Königs David“ (in der Übertragung ins Deutsche von Pavel Brochin) von Mikhail Ippolitov-Ivanov (1859-1935) waren der Altistin Eva Nesselrath anvertraut. Auf der Homepage der aus Aachen stammenden Altistin, die zunächst Musikwissenschaft und Klavier studierte und anschließend ihr Gesangsstudium an der Kölner Musikhochschule mit Auszeichnung absolvierte, steht der Leitgedanke: „In Dir muss brennen, was Du in Anderen entzünden willst“. Damit ist über die Interpretationskunst der sympathischen Sängerin mit der in allen Lagen ebenmäßigen und volumenreichen Stimme von erstaunlichem Umfang eigentlich schon alles gesagt. Ganz ruhig, ohne auf Außenwirkung zu setzen, vermittelte Nesselrath die mal um Hilfe flehenden oder Vertrauen erweckenden und manchmal auch fröhlichen Texte, denen sie stets die angemessenen Stimmfarben schenkte. Das alles mit vorbildlicher Textverständlichkeit.

Pavel Brochin begleitete am Klavier – sehr versiert und voller Temperament. Allerdings wäre bei Dvorak an manchen Stellen etwas mehr pianistische Zurückhaltung wünschenswert gewesen.

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