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Krefeld: "Frau Holle" feierte Premiere im Kresch

Kresch-Theater Krefeld : Frau Holle schlichtet Streit der Schwestern

In der gelungenen Neufassung des bekannten Märchens geht es vor allem um Geschwister und ihre unterschiedlichen Talente. Das neu interpretierte Märchen feierte jetzt im Kresch Premiere.

Auf der Bühne ist ein riesengroßes Paket angekommen, und an der grünen Wohlfahrtsmarke für 20 Pfennig (1967) ist der Inhalt schon abzulesen: „Frau Holle“ hatte am jetzt Premiere im Kreschtheater. Für das Weihnachtsmärchen gab es viel Applaus, vor allem von den Erwachsenen.

Isolde Wabra hat das Märchen der Gebrüder Grimm umgeschrieben und ihre Fassung in Szene gesetzt. Die Geschichte geht hier ziemlich anders. Die beiden Schwestern sind Rosemarie (Christina Wouters) und Annemarie. Blond die eine und sehr fleißig. Sie kann den wechselnden Wünschen der zickigen Mutter (Michaela Christl) gar nicht schnell genug nachkommen. Annemarie (Kathrin Selakovic), das faule Stück, ist ziemlich  biestig und trotzdem Mamis Liebling. Auf die Schnelle lernt sie Walzer tanzen (Choreografie Michaela Christl) zur ‚Schönen Blauen Donau‘ und verbreitet verbesserte Laune.

Doch dann soll Annemarie das Spinnen lernen. Sie befreit sich schnellstens von dem Ansinnen und überläßt der Schwester die Aufgabe. Rosemarie wiederum sticht sich an der Spindel und versucht, das Blut im Brunnen auszuwaschen. Dabei fällt sie hinein und gelangt ins Märchenland.

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Dort begegnet sie dem grillenhaften grün gewandeten Willi (Tom C. Büning). Der soll eigentlich das Brot aus dem heißen Ofen herausnehmen und es zu Frau Holle bringen. Geschickt schiebt er den Job an das Mädchen ab. Erpressung: Denn sie sucht die Spindel und Willi mit dem goldenen Zylinder sagt ihr, wo’s langgeht, wenn sie das mit dem Brot erledigt.

Und dann tritt Frau Holle auf (Michaela Christl in einer Doppelrolle). Rüschen und Tüll und ein üppiger Kopfputz, alles in glitzerndem Weiß – sie ist zum Reinbeißen. Rosemarie tritt in Frau Holles Dienste, immer mit der Absicht, die Spindel wiederzufinden. Sie bekommt Verstärkung durch ihre Schwester, die auf dem gleichen Weg ins Märchenland purzelt. Und nicht etwa erst dann, als sie die reiche Belohnung der Schwester erkennt. Von Willi lässt Annemarie sich nichts vormachen und von Frau Holle lässt sie sich wenig sagen.

Die wiederum versucht zwischen den Temperamenten auszugleichen und legt dann mit den beiden Mädels einen flotten Cha-Cha-Cha aufs Parkett. Die beiden haben Heimweh und beschließen: „Dann können wir doch die Spindel zusammen suchen!“ Das gelingt ihnen auch und sie werden aus Frau Holles Diensten entlassen.

Die Fleißige wird mit Gold überschüttet und wird zur Goldmarie, Annemarie zur Pechmarie. Zurück bei der Mutter wenden sie sich gegen deren Ungerechtigkeit, denn sie macht die reiche Tochter zum aktuellen Liebling. Darauf wirft Rosemarie die Spindel in den Brunnen und die Mutter springt flugs hinterher ins Märchenland. Die Pech-Annemarie darf den wohlhabenden Prinzen heiraten, die Gold-Rosemarie kriegt den Diener Fritz, und die Mutter muss von Frau Holle geläutert werden.

Aus der Moral von der Geschicht – fleißig ist gut und wird belohnt und faul ist böse und wird bestraft – macht die Leiterin des Theaters eine Geschichte über Geschwister, deren Charaktere sich einander annähern und die sich von ihrer Mutter emanzipieren. Trotzdem steht am Ende bei beiden eine wenn auch nicht standesgemäße Ehe – da sind wir wieder bei dem Rollenverständnis der Grimms im frühen 19. Jahrhundert.

Sehr gelungen sind bei diesem Stück die märchenhafte Ausstattung und die Kostüme von Sabine Lindner. Der nächtliche Schinkel-Himmel, der wunderschöne Apfelbaum mit bunter Lichterkette, die Wetterkapriolen der Frau Holle mit Schnee und Eis, und die Drehbühne mit den verschiedenen Szenerien. Michaela Christl versteht es bestens, ihre beiden Figuren, auch im Tonfall, voneinander zu unterscheiden und tanzt eine kesse Sohle. Tom C. Büning tritt in dreierlei Gestalt auf, und die beiden Marien überzeugen mit geschwisterlichen Zankereien, mit Versöhnung und auch mit jugendlicher Lebensfreude.