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Krefeld Digitaler Museumsführer leitet durch die Häuser Esters und Lange

Krefelder Museen : Das Smartphone erklärt die Kunst

Mit neuen Mediaguides können Besucher die Museen Haus Esters und Haus Lange auf eigene Faust erkunden - ohne Hinweise auf Architektur, Künstler und Besonderheiten zu verpassen. Wir haben den Praxistest gemacht.

Die Museen Haus Esters und Haus Lange sind in zweifacher Hinsicht besuchenswert. Einerseits dienen sie als Ausstellungsfläche für Kunstwerke und Ausstellungen, andererseits sind sie aber auch selbst Kunst - Zeugnisse des Bauhausarchitekten Ludwig Mies van der Rohe. „Wir haben generell zwei Arten von Besuchern, diejenigen, die die Kunst sehen wollen, die ausgestellt wird, aber auch die, die die Gebäude bestaunen. So sind beispielsweise regelmäßig Gruppen von Architekturstudenten hier, um die Bauhaus-Architektur selbst in Augenschein zu nehmen“, erläutert Katja Baudin, Leiterin der Kunstmuseen Krefeld.

Dafür schaffte das Museum nun Audioguides an, die den Besuchern Informationen zu 27 Stationen in den Gebäuden liefern. Auch historische Bilder sind an einigen Stellen zu sehen. „Die Guides können entweder auf Geräten abgerufen werden, die wir verleihen. Jeder Besucher kann sie aber auch auf dem eigenen Smartphone aufrufen“, erläutert Thomas Janzen, der für die Umsetzung verantwortlich zeichnet. „Die Einrichtung wäre ohne die Bundesmittel aus dem „Neustart“-Fördertopf nicht denkbar gewesen. Auf diese Art konnten wir – oder eigentlich die Krefelder Bürger – sogar ein Stückchen von Corona profitieren“, sagt Baudin.

 Der Mediaguide weiß Bescheid: Eine angenehme Stimme aus dem Smartphone erklärt die Skulptur „Epoca eroica“ von Berto Lardera im Garten von Haus Lange.
Der Mediaguide weiß Bescheid: Eine angenehme Stimme aus dem Smartphone erklärt die Skulptur „Epoca eroica“ von Berto Lardera im Garten von Haus Lange. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
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Die Guides funktionieren im Selbstversuch sehr einfach. Mit einem Klick auf die Homepage des Museums werden sie aufgerufen. Eine Ausleihe der Hardware ist für jeden Inhaber eines Smartphones eigentlich unnötig. Eine Übersichtskarte zeigt, welche Erläuterung zu welchem Raum oder welcher Stelle gehört. Aufrufen muss sie der Nutzer dann selbst. Es handelt sich nicht um eine automatische Auswahl nach Aufenthaltsort, wie sie bei einigen anderen Audioguide-Systemen in anderen Häusern besteht. Das aber ist kein Problem. Das Menü ist übersichtlich gestaltet.

Im Selbstversuch schlendere ich durch die Räume und höre Erläuterungen. Ich erfahre, dass die schmale Stahlstütze, die den Balkon im Garten des Hauses Lange trägt, nicht einfach ein gewöhnlicher Träger ist, sondern seine Positionierung auch ein künstlerisches Highlight darstellt, da er eben nicht am Rand, sondern weit eingerückt angebracht wurde.

 Der digitale Museumsführer funktioniert auch mit eigenem Smartphone.
Der digitale Museumsführer funktioniert auch mit eigenem Smartphone. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Im Esszimmer erfahre ich, dass es durch eine Wand begrenzt wird, die aus Holzpaneelen zusammengesetzt und herausnehmbar ist. So kann nach eigenem Gutdünken entweder ein großer oder zwei kleine Räume geschaffen werden. „Als die Langes noch hier lebten, wurde die Wand herausgenommen, wenn große Feste ins Haus standen. Dann bildeten Esszimmer und Halle einen großen Raum“, erläutert die ruhige Stimme im Guide.

Was mir erst nach einigen Stationen auffällt: Es lohnt, auf die Bilder zu tippen, denn erst dann sehe ich die Anzeige, wenn weitere, meist historische, Aufnahmen vorhanden sind, durch die ich mich durch einen kurzen Wisch über das Display bewegen kann.

Die Sprache des Guides ist klar und strukturiert, gut verständlich. Er ist in Deutsch und Englisch verfügbar. Wichtig: Es ist weder zu seicht, noch unverständliches Fachchinesisch. „Das war uns ganz wichtig. Wir haben Besucher, die relativ wenig Vorwissen mitbringen, und solche, die sich hervorragend in der Architektur auskennen. Wir haben versucht, für beide Gruppen einen Mehrwert zu erreichen und weder zu seicht, noch zu hochtrabend zu werden“, erläutert Janzen.

Die Guides enthalten ausschließlich Informationen zum Gebäude und zu den ständig gezeigten Kunstwerken. Um Werke der wechselnden Ausstellungen zu integrieren wäre der Aufwand an Programmierung und Bearbeitung zu groß. Doch auch so stellen sie eine große Unterstützung beim Museumsbesuch dar.

Die Ansagen pro Station dauern zumeist zwischen zwei und vier Minuten. Wer alle Erläuterungen hören will, der sollte inklusive der Wege zwischen den Stationen mindestens eineinhalb, eher zwei Stunden für den Besuch einplanen. Wer das tut, der erhält viele interessante Informationen und erfährt, dass auch einfache Backsteinmauern oder eben Stahlstützen durchaus Besonderes enthalten. Dinge, an denen ich ohne die Erläuterungen wohl vorbei gelaufen wäre, ohne sie zu beachten.

Übrigens: Sind viele Menschen mit Mediaguides unterwegs, so kann es recht laut werden. Somit empfiehlt es sich, Kopfhörer mitzunehmen.