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Krefeld Beuys singt eine Single ein und Museum Burg Linn zeigt sie

Ausstellung in Krefeld : Als Beuys eine Single aufnahm

Popsänger und niederrheinischer Jong: Die kleine Ausstellung „Beuys don’t cry“ im Linner Jagdschloss zeigt andere Facetten des Künstlers - und was er mit Musik und Klang am Hut hatte.

Es gibt keine Belege dafür, dass Joseph Beuys „The Cure“ gehört hätte. Deren 80er-Jahre-Hit „Boys don’t cry“ wird ihm zumindest im Radio um die Ohren geströmt sein. Es war das Wortspiel, das Jennifer Morscheiser, Leiterin des Museums Burg Linn, reizte. Und so stand der Titel der Ausstellung „Beuys don’t cry“ schon vor dem Konzept fest.

Und doch passt beides zusammen: Als gebürtiger Krefelder und durch seine lange Verbundenheit zu den Kunstmuseen und viele Krefelder Kontakte ist der Künstler ein Teil der Stadtgeschichte, die nun im Jagdschloss von Burg Linn ausgestellt ist („Wir hoffen, bald öffnen zu können“, sagt  Morscheiser). Ins Jagdschloss, das seit geraumer Zeit Spielort für Themen rund um Musik und Klang ist, passt Beuys auch schon deshalb, weil er in den 80ern auch eine eigene Platte aufgenommen hat - wenngleich auch nicht so erfolgreich wie das Cure-Album, das immerhin in Großbritannien Platin eingespielt hat. 

1982 erschien die Single „Sonne statt Reagan“, auf der Beuys gegen die Aufrüstung ansingt. Na, es ist mehr ein dringliches Shouten: „Wir wollen Sonne statt Reagan. Ohne Rüstung leben. Ob West, ob Ost auf Raketen muss Rost“ heißt es im Mitklatsch-Pop-Sound. Laut. Rhythmisch. Einprägsam. Ein Rufer für den Frieden. Es war das Jahr, in dem Beuys bei der documenta 7 in Kassel seine 7000-Eichen-Idee „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ in die Tat umsetzte und den Dalai Lama traf, um ihn für eine Kooperation zu gewinnen.

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Die große Weltpolitik will die vielleicht kleinste Ausstellung, die den Künstler zu seinem 100. Geburtstag feiert, im Linner Schlösschen nicht abbilden. Sie reflektiert vielmehr auf Krefeld und den Niederrhein. Jennifer Morscheiser und der Historiker Dirk Senger haben Zeitzeugnisse zusammengetragen, die auch einen Blick auf einen humorvollen Menschen erlauben - wie den nicht gerade hitverdächtigen, aber friedensbewegten und hemmungslosen Seitensprung ins Popgeschäft. „So prägte Beuys den Zeitgeist“, findet die Museumsleiterin.

Schon das Plakat zur Schau ist ganz in Beuys’schem Geist entstanden. Grundlage ist ein Objekt, das die Archäologin Morscheiser kreiert hat in der Materialsprache des Künstlers. Aus Filz in von Beuys bevorzugtem Braunton und Fett (in diesem Fall Butter) hat sie Titel und Dauer der Ausstellung geformt. „Wir wollen auch denjenigen einen Zugang zu Beuys vermitteln, die vielleicht bisher noch nicht viel über ihn wissen“, sagt Senger. Niemand müsse hier die Scheu haben, den umfassenden Kosmos des Künstlers nicht durchdringen zu können: „Es sind  sind viele Facetten zu sehen, die neugierig machen sollen, Beuys näher kennenzulernen“, so Senger. Der Künstler im Spiegel der zeitgenössischen Presse, Plakte und Flyer zu Ausstellungen sind zu sehen, aber es gibt auch abenteuerliche Geschichten über gefälschte Beuys-Werke und gestohlene Zeichnungen sowie interessante Weggefährten.

Eine Performance der A-Gang-Künstler zu Beuys’ 100. Geburtstag, die auf die Ausstellung einstimmt, ist online zu sehen auf der Museums-Homepage
www.museumburglinn.de