Krefelder Club 10.000 Euro für den Jazzkeller

Krefeld · Der Club an der Lohstraße ist mit dem Spielstättenprogrammpreis des Landes NRW ausgezeichnet worden - weil er auch in der Pandemie Künstlern eine Bühne bietet. Wie erfindungsreich Betreiber Bosil dabei ist.

 „Das Preisgeld fließt komplett in die Kultur“: Bernard Bosil im Jazzkeller.

„Das Preisgeld fließt komplett in die Kultur“: Bernard Bosil im Jazzkeller.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

10.000 Euro sind eine Summe, mit der sich was anstellen lässt. „Das Geld geht komplett in den Kulturbetrieb“, sagt Bernard Bosil. Der Inhaber des Krefelder Jazzkellers hat jetzt den Spielstättenprogrammpreis des Landes NRW entgegengenommen, der vom nordrhein-westfälischen Landesmusikrat vergeben wird. Bosil gehört zu den 13 Clubbetreibern, die sich „mit großem Erfindungsreichtum der Herausforderung gestellt haben, Musikerinnen und Musikern auch während der Corona-Pandemie eine Bühne zu geben“, sagt der Parlamentarische Staatssekretär Klaus Kaiser.

Und das war in den vergangenen zwei Jahren kein Spaziergang. Deshalb ist für Bosil die Wertschätzung durch den Preis besonders wichtig: „Es ist ein ganz wichtiges Ding. Es  wird gesehen, dass man was gut gemacht hat. Das ist nicht immer so. In unserer Branche sind wir fast immer Einzelkämpfer und das ist katastrophal schwierig gewesen für alle“, findet er. Das hat er auch gesagt, als er am Mittwochabend bei der Preisübergabe für die Branche sprechen durfte. Der Preis sei „eine Auszeichnung, ein Bonbon“. Der Jazzkeller hat ihn nicht zum ersten Mal bekommen, etwa ein halbes Dutzend Mal wurde er als Spielstätte ausgezeichnet,  fast ebenso oft mit dem Applaus-Preis für sein Programm. Doch diesmal wird das Durchhalten unter Extrembedingungen anerkannt.

Seit dreieinhalb Monaten ist der Jazzkeller an der Lohstraße wieder geöffnet. Seit vergangenen Montag dürfen die 40 zugelassenen Personen sich nur noch mit Maske im Club bewegen. Aber damit kann sich Bosil abfinden. Sein Motto „Lang lebe Livemusik“ kann er immerhin umsetzen. „Hybrid“ ist das Wunderwort, dem er letztlich wohl auch den Preis verdankt. In Kooperation mit der Krefelder Livestream-Plattform „feedbeat“ bietet er ein Programm  an, das sich liest, als seien alle Umstände „normal“: drei Liveveranstaltungen gibt es allein in der kommenden Woche - auch mit internationalen Stars des Blues. Das gibt Bosil Kraft.

 Der Jazzkeller Krefeld ist zum wiederholten Mal mit einem Landespreis ausgezeichnet worden.

Der Jazzkeller Krefeld ist zum wiederholten Mal mit einem Landespreis ausgezeichnet worden.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Es dürfen zwar nur 40 statt der üblichen maximal 130  Leute in den Keller, aber per Stream erreicht das Kellerprogramm ein wesentlich größeres Publikum. „Bei der vergangenen GoMusic hatten wir 170 online-Zuschaltungen. Oft sitzen ja auch zwei Leute oder Familien vor dem Bildschirm, da gehe ich schon von 230 oder 250 Personen aus“, sagt Bosil. Der Keller erschließt sich einen neuen Publikumskreis. „Wir können an der Streamsoftware sehen, aus welchem Land sich jemand zuschaltet. Aus Nordamerika, Südamerika und Japan guckt man uns zu - Menschen, die sonst nie auf den Jazzkeller Krefeld gestoßen wären.“

Auch wenn Corona irgendwann die Luft ausgeht, will Bosil Online-Formate aus dem Keller anbieten: „Stichwort Inklusion. Es gibt viele Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, in den Jazzkeller zu kommen. Wie wollen wir einen Elektrorolli von 100 Kilo mit einem Menschen von vielleicht 80 Kilo die Treppe hinunter bringen? Das ist einfach nicht möglich.“ Aber per Stream sind viele dabei und können mitmachen. „Wir hören das vom HPZ und wollen auch in Kontakt mit Behindertenvereinen und -werkstätten treten.“

Dabei sein via Bildschirm ist einfach: Wer sich einloggt, wählt eine Avatar-Identität und kann dann auf das Bühnengeschehen reagieren. Applaus oder andere Reaktionen bekommen die Musiker mit - ohne Verzögerung. „Das funktioniert auch bei Comedy ganz hervorragend“, so Bosil. Gemeinsam mit Volker Diefes plant er ein entsprechendes Hybridformat für die Zukunft.

Die Teilnahme im Stream ist kostenlos. Genau das ist der Vorteil auch für den Veranstalter. Bosil: „Wir haben im  vergangenen Jahr viel experimentiert, auch mit Bezahlschranke. Aber die hält offenbar viele ab. Da haben wir mitunter nur 20 oder 25 Tickets verkauft. Jetzt ist die Spende freiwillig,  und wir   haben nicht nur wesentlich mehr Zuschauer, auch die Solidarität ist groß. 80 Prozent gehen auf den Spendenbutton.“  In die Technik hat der Club investiert: vier schwenkbare Kameras, Full HD und Topsound. „Und für alle Jazzklub-Veranstaltungen gibt es zum Einloggen das immer gleiche Codewort: jazzkeller.“ Das gilt auch für den Auftritt von Vanesa Harbek am Samstag. Da erwartet der Club auch Publikum aus deren Heimatland Argentinien.