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Digital-Boxen und Performance im Parkhaus bei Perspektivwechsel Krefeld

Projekt Perspektivwechsel Krefeld : Parkdeck wird zum Performance-Ort

Fünf Projekte für den Perspektivwechsel Stadtkultur werden in diesem Jahr umgesetzt. Wir sagen, wo man digital Boxen lernt, wie Ritterrüstungen auf die Straße kommen und wie Einkaufen zu einem Gedicht werden kann.

Drei P kennt man gemeinhin als Public Private Partnership - eine Kooperation von öffentlicher und privater Hand. In Krefeld steht PPP in diesem Sommer auch für ParkPlatzPerformance - ebenfalls eine Kooperation ganz unterschiedlicher Partner. Improvisierte Theater- und Konzertelemente in Parkhäusern und auf Parkplätzen sind Projekte zum  Perspektivwechsel „Stadtkultur“, die in der zweiten Jahreshälfte die Stadtteilzentren und die Innenstadt beleben sollen.

Kultur, Sport, Industrie, Handel und Bürgerschaft sollten dafür ungewöhnliche Partnerschaften eingehen. Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung und Chempark hatten zum Ideenwettbewerb aufgerufen. Am Mittwoch präsentierte  Stadtmarketingleiterin Claire Neidhardt gemeinsam mit Wirtschaftsdezernent Eckart Preen und Mario Bernards (Chempark) fünf  Projekte, die in diesem Jahr mit einem Gesamtbudget von 30.000 Euro umgesetzt werden. Es gibt noch nicht für alle Projekte Termine, aber in den nächsten Wochen soll es losgehen, sagt Claire Neidhardt.

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ParkPlatzPerformance Mit dem Theatermann Franz Mestre und dem Veranstaltungstechniker Gregor Ilbertz haben sich zwei Branchen zusammengetan, die von Corona besonders gebeutelt  sind, um eine dritte Sparte in Not in den Blick zu nehmen: den lokalen Einzelhandel. Ihr Ziel ist es, die Stadt in audiovisuellen Momentaufnahmen erlebbar zu mach. Sprich: Sie wollen Krefelder an unterschiedlichen Orten interviewen. Bürger können Geräusche der Stadt als Videoclips sammeln und hochladen. Daraus entstehen dann Collagen, die Schauspieler, Tänzer, Musiker, Lichtkünstler  in Liveauftritten auf Parkplätzen in Szene setzen, ergänzt durch Aktionen der Händler.

Crossover Burg Linn Die Großveranstaltung von Sportbund und Museum Burg Linn hatte 2018 ihre Premiere. Als Stadtkultur-Projekt soll sie am Wochenende 28. und 29. August mit Hilfe des „Perspektivwechsels“ um eine neue, digitale Ebene erweitert werden. So könne es passieren, dass museale Schätze virtuell in die Linner Straßen getragen werden, eine Ritterrüstung mitten im Park auftauche. In diesem Jahr gibt es einen „Fantasy“-Schwerpunkt, Workshops und Autorenlesungen werden per Stream in andere Räume gebracht, Interessierte können digital ein Boxtraining absolvieren und zahlreiche Kultur- und Fitnessangebote erleben. Höhepunkt ist die Verleihung des ersten Krefelder Fantasypreises.

Lyrik macht Stadt Wenn plötzlich in der Innenstadt aus einem Lautsprecher Verse erklingen oder Texte in Leuchtschrift auf dem Pflaster auftauchen, dann steckt Thomas Hoeps mit dem Niederrheinischen Literaturhaus dahinter. Gedichte von zeitgenössischen Autoren zu so alltäglichen Themen wie Radfahrer in der City, rote Ampeln oder lärmende Einwürfe in Altglascontainer sollen vom 10. bis 14. November Lyrik im Vorbeigehen erlebbar machen. Das Festival entsteht in Kooperation mit dem Verein Literatur in Krefeld und den Hochschulen Niederrhein und Düsseldorf.

Eine künstlerische Reise Die Malerin Mauga Houba-Hausherr hat sich von Stadtbildern inspirieren lassen, die die Künstlerin Agnes Kaiser vor 100 Jahren von Krefelder Straßen und Häusern gemalt hat und aus gleicher Perspektive die heutigen Ansichten neu interpretiert. Für das Projekt werden Stationen in Linn ausgewählt und von Urgestein Hubert Jeck, 35 Jahre lang Wirt der Szenekneipe Café Konkurs, mit Anekdoten und Zukunftsvisionen angereichert. Mit einer App bietet sich so ein etwas anderer Spaziergang voller Lokalkolorit. Der Bürgerverein Linn und „Formkultur“ sind daran beteiligt.

Kunstraum Zur Klausur Das Atelier von Georg Zimmermann fällt zurzeit durch eine Setzkasten-Ausstellung im Fenster auf. Das Haus will sich als Ort künstlerischen und geistigen Austausches etablieren und sich für Gesprächskreise zu philosophischen Fragen, Lesungen unbekannter Autoren und Kleinveranstaltungen öffnen, die auch hinaus auf die Straße und als Stream wirken sollen. Die Bürgerinitiative Lebenswertes Hüls ist mit im Boot.

„Es ist genau das, was wir mit diesem Projekt wollen: eine Öffnung in die Stadtteilzentren und die Innenstadt hinein, und daran soll die Bürgergemeinschaft sich beteiligen können“, betont die Leiterin des Stadtmarketings. Corona habe den Aspekt der digitalen Elemente in den Projekten vorgegeben. „Wir wissen nicht, wie der Herbst aussieht“, meint Eckart Preen. Aber es sei Zeit, nicht nur Streams zu produzieren, die jeder im eigenen Wohnzimmer anschaut, sondern die digitalen Möglichkeiten für interaktive Projekte zu nutzen. „Überhaupt richtet dieser Perspektivwechsel sehr den Blick in die Zukunft“, findet Mario Bernards. 15 Projektevorschläge habe man intensiv diskutiert. Einige werden in anderer Form weiter unterstützt, etwa einige Start-Up-Ideen und die App zur Nachhaltigkeit, die eine Klasse der Marienschule, wie berichtet, entwickeln möchte.