Theater Krefeld und Mönchengladbach Die neue Theaterspielzeit 2022/23

Krefeld/Mönchengladbach · Der neue Schauspielchef Christoph Roos geht in die Vollen. So groß war der Spielplan des Theater Krefeld und Mönchengladbach selten – er spiegelt großen Nachholbedarf.

 Michael Grosse ist Generalintendant des Theaters Krefeld/Mönchengladbach.

Michael Grosse ist Generalintendant des Theaters Krefeld/Mönchengladbach.

Foto: Stutte, Matthias

„Wir sind alle sehr froh, dass wir nach zwei Jahren Pandemie wieder einen kompletten Spielplan vorstellen können“, gestand Marketing-Chef Philipp Peters am Donnerstag bei der Vorstellung des neuen Theaterspielplans. Wer das fast 200 Seiten starke neue Spielplanheft (von Theaterdesigner Matthias Stutte gestaltet) durchblättert, wird Verblüffung nicht abweisen können. Eine so umfangreiche Jahresplanung hat es am Gemeinschaftstheater lange nicht gegeben. Allein in der Sparte Schauspiel mit dem neuen Direktor Christoph Roos (52) sind 19 Produktionen angesetzt. Dazu kommen fünf Ballett-Choreografien und neun Stücke aus dem Bereich Musiktheater. Dazu Kindertheater, Jugendclubprojekte, Konzertreihen und vieles mehr. Und so dürfte Generalintendant Michael Grosse untertrieben haben, als er feststellte: „Die nächste Spielzeit steht ein bisschen unter dem Motto: Den Faden wieder aufnehmen.“ Allgemeiner Hunger nach lange unterbrochener Bühnenpräsenz will gestillt sein.

Dass dies nicht leicht fallen wird, räumt Grosse bereitwillig ein: „Corona saß und sitzt uns leider noch im Nacken, und nun sitzt uns auch die Situation in der Ukraine im Nacken.“ Das Theater, in dem Menschen aus 34 Nationen friedlich zusammenarbeiten, hat jüngst einen ukrainischen Tänzer und eine ukrainische Schauspielerin ins Ensemble aufgenommen. Es gibt weitere Personalnachrichten: Kapellmeister Michael Preiser übernimmt die Nachfolge der aus Russland stammenden Chordirektorin Maria Benyumova, die das Theater verlässt, und Giovanni Conti nimmt als neuer Kapellmeister seine Arbeit auf.

Die Spielzeit eröffnen wird in Krefeld am 3. September die Premiere von Martin Crimps Bearbeitung „Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino“ nach der Tragödie „Die Phönizierinnen“ des Euripides. „Mich interessiert daran vor allem die Frage: Was kann das Recht gegen die Ausübung absoluter Macht ausrichten?“, äußert sich Regisseur Roos zu dem politisch brisanten Drama. Der neue Schauspieldirektor, der Matthias Gehrt ablöst, wird außerdem „(R)evolution“ der israelischen Autorin Yael Ronen inszenieren (ab 3. Februar in Mönchengladbach). Weitere Highlights der Sparte Schauspiel sind „Queen’s Last Night“ (in MG), „Der Herzerlfresser“ von Ferdinand Schmalz (MG), Tschechows „Drei Schwestern“ (Krefeld) und das Musical „Cabaret“ (Krefeld).

Die Spielzeit in Mönchengladbach startet am 4. September mit Wagners Oper „Der fliegende Holländer“ mit Johannes Schwärsky in der Titelrolle. Für die Rolle der Senta habe man in Norwegen eine Sopranistin angefragt, berichtet Operndirektor Andreas Wendholz. Die Leitung hat Musikdirektor Mihkel Kütson, für die Inszenierung sorgt Roman Hovenbitzer. Der neue Kapellmeister Giovanni Conti wird sein Dirigier-Debüt am 24. September in Krefeld geben, mit der Musical Comedy „Liebe, Mord und Adelspflichten“ von Robert L. Freedman, die auf dem Roman „Israel Rank“ von Roy Horniman fußt. Weitere Schwergewichte sind „Sunset Boulevard“ von Andrew Lloyd Webber (ab 23. Oktober in MG), „Rigoletto“ (MG), „Madama Butterfly“, die Donizetti-Ausgrabung „Die Regimentstochter“ (Krefeld) sowie die Belcanto-Oper „Die Nachtwandlerin“ (La Sonnambula) von Vincenzo Bellini. Letztere Inszenierung wird die am hiesigen Theater als psychoanalytisch sezierende bekannte Regisseurin Helen Malkowsky realisieren.

Ballettchef Robert North startet als Choreograf mit der Uraufführung „Beethoven!“ in die neue Spielzeit, darin werden der Tänzer Alessandro Borghesani, Intendant Michael Grosse und Pianist André Parfenov unterschiedliche Züge des Bonner Titanen umsetzen. Weitere Tanzprojekte sind „Mata Hari“, das „Bandoneon-Projekt (zur 650-Jahr-Feier der Stadt Krefeld) und das Kinderballett „Peter und der Wolf“.

Die Preise für Abos und Tickets bleiben stabil, verkündete Geschäftsführer Frank Baumann. Ob dies bis Sommer 2023 so gelten wird, ließ er angesichts der „ungewissen allgemeinen Preisentwicklung“ allerdings offen.

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