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Kultur in Krefeld: Düsseldorfer Fotoschule im Krefelder Museum

Kultur in Krefeld : Düsseldorfer Fotoschule im Krefelder Museum

1976 wurde in Düsseldorf die erste Fotoklasse überhaupt an einer deutschen Kunstakademie eingerichtet. Die Arbeiten vieler Absolventen sind jetzt in der Krefelder Museums-Reihe „Sammlung in Bewegung“ zu sehen.

Drei Kabinette im Kaiser-Wilhelm-Museum (KWM) sind neu gestaltet: „Sammlung in Bewegung“ ist wie ein Schatzkästchen mit Wohlbekanntem und auch lauter Überraschungen. Die eingewechselten Inszenierungen befassen sich mit der Düsseldorfer Fotoschule, mit „Plastischen Lebensvisionen“ und mit „Reflektion und Durchblick“. Wir wollen hier zunächst auf die Fotografien eingehen und in Folge die beiden anderen Themen behandeln.

„Die drei neuen Räume sind alle mit einer besonderen Geschichte zu der Arbeit hinter den Kulissen verbunden“, sagte Museumsleiterin Katia Baudin zur Einführung. Für jedes der drei Kabinette zeichnet diesmal ein Mitarbeiter aus dem Team verantwortlich. Die wissenschaftliche Referentin und Assistenzkuratorin Juliane Duft, Restaurator Sebastian Köhler und Museumspädagoge Thomas Janzen haben jeweils eines kuratiert.

Im großen Entree der ersten Etage zeigt das KWM Fotografien aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Museumspädagoge Thomas Janzen arbeitet mit Schülern zusammen: Die „Düsseldorfer Fotoschule“ ist Thema in den Kunstkursen so mancher Oberstufe. Daher seine Idee, anhand des eigenen Bestandes diese Fotoschule und ihre Entwicklungen im Kontext zu zeigen.

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„1976 wurde in Düsseldorf die erste Fotoklasse überhaupt an einer deutschen Kunstakademie eingerichtet“, sagt Thomas Janzen, „Fotografie wurde ganz neu als Kunst wahrgenommen.“ Arbeiten der Begründer Bernd und Hilla Becher und ihrer Schüler Candida Höfer, Andreas Gusky, Volker Döhne, Thomas Ruff und Thomas Struth gehören dem Museum und sind hier zu sehen. Von Bernd und Hilla Becher hängen eher kleine Aufnahmen von Industriebauten in dieser Ausstellung. „Die Bechers erstellen mit ihren festgelegten Kamerastandpunkten – frontal, von der Seite, von der Rückseite – eine Typologie der Bauten“, sagt Janzen. Dieses serielle Verfahren haben sie auf Fachwerkhäuser oder Getreidesilos, auf Fördertürme oder Industriebauten angewendet. Mit ihren Arbeiten in Schwarz-Weiß erneuerten sie die Sachliche Fotografie.

Candida Höfer wandert mit ihren Serien in Innenräume: Hier hängen ihre beeindruckenden Bibliotheken. Quasi eine Innenarchitektur der Gelehrsamkeit. Menschen gibt es in diesen von Menschen geschaffenen Räumen nicht.

Anders bei Becher-Schüler Andreas Gursky, von dem hier die Rurtalbrücke wieder einmal zu sehen ist. Gursky selber bezeichnet diese Arbeiten als „Sonntagsbilder“. Beton in einer Kulturlandschaft und darin ein einzelner Angler. „Natur und Urbanität, Industrie und Landschaft sind seine Themen“, sagt Janzen. Gursky bildet in seinen Fotos einen Menschen in seiner Umwelt zu einer bestimmten Zeit ab, während die menschenlosen Serien der Lehrer Bernd und Hilla Becher einen viel längeren Zeitraum umfassen, da man ihre Motive immer wieder so antreffen kann.

An der angrenzenden Wand neben Gurskys riesigem Sonntagsbild schauen drei Frauen auf großformatigen Porträts den Betrachter an. Thomas Ruff hat sie 1985 und 1987 gefertigt. Sie sind minimalistisch, denn auf den Gesichtern ist keine Regung zu erkennen, kein Lächeln. „Man sieht die Bedingungen des Mediums mit“, sagt Janzen. 

Und was die drei Damen noch auszeichnet: Wie bei Alten Meistern schauen sie dem Betrachter immer in die Augen, denn ihr Blick wandert mit. Von dem ehemaligen Mitarbeiter Volker Döhne sind Landschaften zu sehen.

An der Präsentation sind Ausgangspunkt und Entwicklung der Düsseldorfer Fotoschule gut abzulesen. Aus Schwarz-Weiß wird Farbe, aus kleinen Formaten werden große, aus analoger Fotografie wird digitale. Das große Format und auch die digitale Bildbearbeitung sind zu zentralen Bestandteilen der Fotoklasse geworden, und bei fast allen bleibt die Serie.