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Künstlerschmiede Krefeld: Die Malschule Ulrich Helbig wird 25 Jahre alt

Kultur in Krefeld : „Künstler zu sein lernt man nicht auf der Akademie“

Ulrich Helbig betreibt eine der ersten Krefelder Malschulen. Im August wird sie 25 Jahre alt. Er weiß auch um die Tiefpunkte im Künstlerleben, wenn die Energie der Jugend schwindet.

Es geht nicht um Musik. Aber die Geschichte beginnt trotzdem mit Mick Jagger: Der Sänger der Rolling Stones hat das Leben von Ulrich Helbig maßgeblich in die künstlerische Richtung gelenkt. Dass er gut zeichnen konnte, wusste Helbig. Dann bat eine Schulkameradin: „Mal mir doch mal den Mick Jagger vom Foto in der Bravo.“ Helbig, damals so um die 14 Jahre alt,  tat’s und hatte seine ersten fünf D-Mark verdient. Das Geschäft florierte: Andere wollten Janis Joplin haben, Jimi Hendrix oder auch Che Guevara. Und Helbig merkte, dass er Talent besaß und mit Plakafarben und Malkarton erfolgreich sein konnte.

Heute ist Helbig fast 65, hat die Höhen und Tiefen des Lebens als freier Künstler durchlebt und weiß: „Künstler sollte man nur werden, wenn man das für sich als Berufung wahrnimmt. Es ist kein leichter Weg. In jungen Jahren ist man beflügelt, hat mehr Energie und Zuspruch, als wenn man durch Erfahrungen gealtert ist. Du musst dich auch zufrieden geben, wenn jemand deine Bilder schön findet und dann geht, ohne etwas zu kaufen.“ Ein Rat, den er jungen Leuten häufig mit auf den Weg gibt. Seine Meinung ist oft gefragt: Seit 25 Jahren betreibt Helbig eine Malschule – eine der ersten in Krefeld. Am 12. August 1995 hat er sie eröffnet, das Jubiläum feiert er am Samstag, 8. August, ohne Ausstellung und Programm, nur mit einer offenen Tür.

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Die Gründung der Schule war für Helbig die richtige Entscheidung: Damals war er 40, hatte privat eine schwierige Zeit und stellte vieles in Frage. Er wollte sich ein regelmäßiges Einkommen schaffen, hatte als Dozent bei VHS, Werkhaus und Familienbildungsstätte Erfahrung gesammelt – und es lag ihm auch am Herzen, Menschen, die sich ernsthaft für Kunst interessieren, Anleitung zu geben. „Das muss nicht immer das angepeilte Kunststudium sein, obwohl viele meiner Schüler heute in kreativen Bereichen tätig sind: Architektur, Design, Kunsttherapie“, sagt Helbig. Auch für Hobbykünstler ist er Ansprechpartner: „Sich intensiv mit dem Malen zu befassen, kann therapeutische Effekte haben.“

 Alles azurblau: Ulrich Helbig hat den Kunstraum  in Himmelsfarbe gestrichen. Blau dominiert auch den Zyklus seiner reduzierten Stadtarchitektur-Bilder.
Alles azurblau: Ulrich Helbig hat den Kunstraum  in Himmelsfarbe gestrichen. Blau dominiert auch den Zyklus seiner reduzierten Stadtarchitektur-Bilder. Foto: Petra Diederichs

Aber Helbig hat auch Raubbau an den eigenen Kräften betrieben, hat nach dem Unterrichten die eigene Künstlerkarriere weiter vorangetrieben, ausgestellt, nach Weiterentwicklung gestrebt. Er ist einer, der seriell arbeitet, sich hineinkniet, bis ein Thema für ihn nichts mehr hergibt.

Die Malerei ist die Sprache, in der Helbig vieles mit sich und der Welt ausmacht. Und er bemüht sich immer um neue Ausdrucksformen. „Irgendwann hatte ich den Realismus so weit perfektioniert, dass ich mich nicht verbessern konnte. Dann muss man etwas anderes machen.“ Seine Schüler unterrichtet er akademisch in den klassischen Disziplinen: Porträt, Akt, Stillleben, Landschaft. Wer das Handwerk beherrscht, kann seinen Stil finden und sich immer wieder auch neu erfinden.  So wie Gerhard Richter. Kunststudenten, die diese kontrollierte Anleitung an den Akademien vermissten, nähmen bei ihm Unterricht. „Akademie heißt: ziemlich auf sich allein gestellt.“ Deshalb gibt es auch in jedem Jahr eine Schülerausstellung: „Auch das muss ein Künstler lernen.“

Der Weg ist wichtig.  Das gilt auch für das zweite große K in seinem Leben: Karate, das er seit 1987 intensiv betreibt und auch unterrichtet. Im vergangenen Jahr hat er sich einen Lebenswunsch erfüllt – eine sechswöchige Reise durch Japan. Dort hat er mit Karatemeistern Sport und Philosphie intensiviert – und fotografiert. 2500 Fotografien sind entstanden, eine kleine Auswahl hängt im Atelierraum der Malschule. Sie wirken intensiv und exotisch auf den strahlend blauen Wänden.

„Ich wollte alles blau streichen und habe viele damit überrascht.“ Azurblau ist der gesamte Raum, wie von der Sonne beleuchteter Himmel. Das Schönwetterblau kommt nicht von ungefähr. Es hat sich seit seiner Wolkenbilder-Serie  vor mehr als zehn Jahren abgezeichnet. Als das Bleu die Stimmung der meist weißen Wolken vorgab. Und es findet sich auf dem jüngsten Zyklus, in dem er Hülser und Krefelder Stadt-Architektur auf ihre  Konturen fokussiert malt. Kein Dekor, kein Detail, nur Farbflächen. Und doch ist alles Wesentliche getroffen.