Krefeld: Künstler zeigt Bundeswehr-Alltag in Afghanistan

Krefeld: Künstler zeigt Bundeswehr-Alltag in Afghanistan

Das ehemalige Verseidag-Gebäude an der Girmesgath ist im Ausnahmezustand. Ein Tarnnetz ist das erste, was der Besucher sieht. Davor eine Holzbank, die Christoph Tölke vom Verein Kunst und Krefeld einer Bank aus einem Bundeswehrlager in Afghanistan detailgetreu nachgebaut hat.

"Dort halten die Soldaten Zigarettenpause, vielleicht schreiben sie auch einen Brief nach Hause", sagt Roland A. O. Köhler. Der Fotograf, der seit zehn Jahren in Kooperation mit der Bundeswehr in die Krisengebiete der Welt fährt, um künstlerisch zu arbeiten, hat die Räume, die sonst meist Rückblicke auf Lebenswerke geben, zum hochaktuellen Aktionsraum gemacht. Am Sonntag, 11.30 bis 14.30 Uhr, wird dort eine Ausstellung mit Fotografien aus Afghanistan eröffnet: "Was bleibt ... Stille".

Es ist das erste Mal, dass der Wahl-Kölner, der in Krefeld studiert und lange gelebt hat, die Fotografien der zivilen Öffentlichkeit zeigt. "Wir verstehen uns nicht als historischer Verein, deshalb ist es uns wichtig, uns aktuell zu positioniren", sagt Tölke. Und auch Köhler liegt daran, "den Brückenschlag zwischen Bundeswehr, Zivilwelt und Kunst" zu schaffen.

Und so hat Köhler die Weite und Stille der Landschaft eingefangen. Die Schau ist nicht didaktisch geordnet, sondern wirkt wie ein Album, in dem sich das Foto eines Soldatenstiefels, der erstmals afghanischen Boden betritt, neben der unendlich wirkenden Wüste findet. Köhler kann zu jedem Bild Geschichten erzählen – wie er die Spitze eines Weihnachtsbaums hinter einer Sandsack-Barriere entdeckt hat oder den Friedhof der russischen Panzer, die von einem Sandmeer verschluckt werden. Aber lieber lässt er die Betrachter suchen. Wer sich auf die bettelnden und dösenden alten Männer vor einer bröckelnden Wand einlässt, darf stutzen, wenn sein Blick auf ein Plakat fällt, das Computerkurse bewirbt. Oder in einem zerfallenen Hauseingang einen Glaskasten mit Pommes frites entdeckt.

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Die Fotografien in Farbe und Schwarz-Weiß sind unterschiedlich groß, nie lässt Köhler dem Auge Gewöhnung durchgehen. In Glasvitrinen wirken die postkarten-großen Schwarz-Weiß-Aufnahmen wie ein Familienalbum. Sie zeigen Szenen aus Lazaretten, in denen Bundeswehrärzte regelmäßig behandeln, und Einsichten in die medizinische Ausstattung der Flugzeuge – auch das ist Alltag. Per Beamer erscheinen an der Wand weitere 200 Fotografien in stetigem Wechsel.

Immer wieder finden sich Drudensterne, die Köhler als Stele jeweils mit in die Krisengebiete nimmt – als Kompositionselement für die Fotoarbeiten. Sie sind vorchristliches Symbol des Schutzes. Und Sinnbild des Friedens. Der noch nicht Alltag ist.

(RP)