Krefeld: "Kritiker kennen Struktur nicht"

Krefeld: "Kritiker kennen Struktur nicht"

Interview Currenta-Betriebsratschef Detlef Rennings über das Kraftwerk

Mehr als 70 Prozent der Arbeitnehmer im Chempark haben sich an den Betriebsratswahlen beteiligt. Was schließen Sie daraus?

Rennings Bei Bayer ist die Wahlbeteiligung um zehn auf 76 Prozent gestiegen, bei Currenta liegt sie konstant bei 77 Prozent. Das macht deutlich, wie wichtig die Vertretung der Arbeitnehmerinteressen für die Kolleginnen und Kollegen durch den Betriebsrat ist. Es zeigt auch: Die Arbeitnehmer gehen zur Wahl, weil sie einen sicheren Arbeitsplatz haben wollen. Wir haben uns als IGBCE immer für Steinkohlekraftwerk und CO-Pipeline ausgesprochen – deshalb wurden wir gewählt.

Das Kraftwerk wird nicht überall mit offenen Armen empfangen.

Rennings Mit den Kritikern sind auch wir als Gewerkschaft im Dialog. Viele Argumente kann man sich anhören. Aber wir wurden auch schon als "bayer-verseuchte hauseigene Gewerkschaft" beschimpft. Wer so etwas sagt, hat in der Schule nicht richtig aufgepasst und kennt nicht die Strukturen unseres Chemieparks. Die Kritiker denken offenbar, wir fordern hier ein Schutzgehege für Dinosaurier, sie missachten aber die Qualität und Wertschöpfung von Industriearbeitsplätzen.

Arbeiten denn im Chempark ausschließlich Kraftwerksbefürworter?

Rennings Schwer zu sagen, wir sind ja im Betriebsrat Spiegel der Nachbarschaft, all der Anwohner. Natürlich beteiligen wir uns auch an der Debatte um die CO2-Einsparung. Aber was hilft es, wenn das Kraftwerk und die CO-Pipeline verhindert werden, und wir am Ende ohne Arbeitsplatz dastehen? Das Kraftwerk hilft, Co2 einzusparen.

Es mehrten sich zuletzt Stimmen, die den Bayer-Standort Uerdingen bedroht sehen.

Rennings Wir sehen das mit Sorge, sagen aber auch, dass die Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren auf vieles verzichtet haben, um den Standort zu sichern: Wir haben Arbeitszeitverlängerungen und –verkürzungen in Kauf genommen, wir haben uns von sozialen Rahmenvereinbarungen verabschiedet, wir haben Lohneinbußen in Kauf genommen. Jetzt sind die Arbeitgeber und die Politik am Zug.

Sebastian Peters führte das Interview.

(RP)