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Kreuzweg von Marcel Dupré und Zeichnungen von Jan Kalff in St. Cyriakus Krefeld begeistern das Publikum

Konzerte in Krefeld : Mit Dupré vom Dunkel ans Licht

Ein beeindruckendes Passionskonzert und ein gezeichneter Kreuzweg bewegten das Publikum in der Hülser Kirche St. Cyriakus zutiefst.

Die Orgelmusik des Franzosen Marcel Dupré (1886-1971), namentlich sein „Chemin de la Croix“ (Kreuzweg), gehört nicht unbedingt zu den Werken, die unmittelbar ansprechen. Zu harsch, zu spröde, zu wenig zugänglich wirken sie häufig auf die Zuhörer. Selbst ausgewiesene Orgelmusikfreunde haben nicht selten Schwierigkeiten damit. Dass beim Passionskonzert mit Duprés „Kreuzweg“ in der im Mittelschiff ganz gefüllten St. Cyriakus-Kirche in Hüls ein völlig anderer Eindruck entstand, hatte mehrere Gründe.

Da ist zunächst die großartige Metzler-Orgel zu nennen, deren Farbenreichtum dem Interpreten ein Füllhorn an Klangmöglichkeiten bot, um jegliche Situations- oder Gefühlsschilderung im von Pfarrer Paul Jansen gelesenen „Kreuzweg“ von Paul Claudel hör- und erfahrbar zu machen. Doch das war in dieser Optimierung nur möglich, weil an der Orgel Heinz-Peter Kortmann saß, der die Klangvielfalt seines kostbaren Instrumentes bis in die Extreme ausreizte und die immensen Schwierigkeiten der rund einstündigen Komposition souverän und technisch makellos meisterte. Auch erleichterte der Kantor mit knappen, aber zielführenden Hinweisen im Programmheft dem bewundernswert disziplinierten Publikum das Zuhören. Beispielweise machte er aufmerksam auf die an Richard Wagner angelehnte Leitmotiv-Technik: Dupré bedient sich eines „Kreuzmotivs“ sowie eines „Leidensmotivs“, ein Motiv gilt Maria, der Mutter Jesu. Ein vom Oboenregister der Orgel vorgestelltes „Thema des Mitgefühls“ ist ebenso zu erkennen wie das „Thema des Erbarmens“, das zum ersten Mal bei der achten Station erklingt („Jesus tröstet die weinenden Frauen“). Als Jesus das dritte Mal stürzt (neunte Station), ist das „Verfolgungsmotiv“ erkennbar, schließlich wird das „Thema der Kreuzigung“ (dreifacher Quartensprung abwärts) von markerschütternden „Hammerschlägen“ der vollen Orgel begleitet. Auf diese Weise von Kortmann durch die vordergründig verwirrende Komposition geführt, war der erschütternde Kreuzweg Jesu für die Besucher unmittelbar erfahrbar.

Eine weitere Hilfe waren die Kreuzwegdarstellungen des in Krefeld aufgewachsenen Niederländers Jan Kalff. Die naturalistischen, teils dem Nazarenerstil nachempfundenen Graphitzeichnungen wurden auf eine große, im Altarraum positionierte Leinwand projiziert. Einige Darstellungen wirkten besonders eindringlich – beispielsweise die Szene, da Veronica Jesus das Schweißtuch reicht. Hier ist nur eine Hand zu sehen, die eher einen Lappen als ein großes Tuch übergibt. Oder der dritte Fall Jesu unter dem Kreuz – der geschundene Körper ist völlig ineinander verschachtelt. Das schwere, viel zu große Kreuz schließlich glänzt schwarz und ist wie das Symbol des Teufels verkehrt herum dargestellt. Mit Duprés Werk, zu dem alles sehr genau passt, muss Kalff sich intensiv beschäftigt haben.

Mit Bedacht hatte Heinz-Peter Kortmann bei seiner Begrüßung gebeten, wegen des ernsten Themas des Passionskonzertes auf Applaus zu verzichten. Die letzte Station „Jesus wird ins Grab gelegt“ endet mit einem hellen Flötenregister und einer lichten Melodie. Es öffnet sich das Tor zum Jenseits. Mit dieser Verheißung und ernsten wie tröstlichen Gedanken wurden die Besucher in die Karwoche entlassen.