Kresch-Gründerin Inge Brand im Alter von 78 Jahren gestorben

Krefeld : Kresch-Gründerin Inge Brand im Alter von 78 Jahren gestorben

1986 startete sie einen Aufruf zur Gründung eines Schülertheaters. Der Erfolg war umwerfend, das Kresch ist heute eine Institution in Krefeld.

Die Gründerin und langjährige Leiterin des Kresch-Theaters, Inge Brand, ist am vergangenen Donnerstag im Alter von 78 Jahren gestorben. Die gebürtige Frankfurterin lebte seit rund 50 Jahren in Krefeld. Sie hat die hiesige Theaterszene geprägt, zunächst noch selbst als Schauspielerin am Stadttheater, später in fast zwei Jahrzehnten am Kinder- und Jugendtheater in der Fabrik Heeder. „Ohne Inge Brand hätte es das Kresch nicht gegeben – sie war der Kopf und das Herz dieses Theaters“, sagte Oberbürgermeister Frank Meyer.

Inge Brand wurde am 3. Januar 1941 in Frankfurt geboren und besuchte dort die Schauspielschule. Mit ihrem Mann Rudolf Brand kam sie 1966 erstmals nach Krefeld und spielte unter Generalintendant Fontheim am Theater Krefeld-Mönchengladbach. Sie gehörte dort zu den „jungen Wilden“, deren Protagonist der Regisseur Hans Neuenfels war. Nach Engagements in anderen Städten, zum Beispiel am Düsseldorfer Schauspielhaus, kehrte sie 1971 nach Krefeld zurück. Ein Jahr später wurde ihre Tochter Hanna geboren.

In den 1970er-Jahren ließ sich Inge Brand zur Theaterpädagogin ausbilden und absolvierte in Duisburg ein Lehramts-Studium mit den Fächern Germanistik und Sozialwissenschaften. Seit 1983 war sie Lehrerin am Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium. Doch das Theater ließ sie nicht los: Am 9. September 1986 startete sie einen Aufruf und suchte Jugendliche für das Projekt eines Stadtschultheaters. Prompt meldeten sich 60 junge Menschen, mit denen sie die Musik-Revue „Zicke-Zacke“ erarbeitete. Bereits im Oktober wurde der Verein Krefelder Schul- und Jugendtheaterzentrum (Kresch) gegründet. Im Sommer 1987 spielte das Kresch in einem Theaterzelt vor der sanierungsreifen Fabrik Heeder. Angeblich soll Inge Brand damals vor dem Gebäude ausgerufen haben: „Da muss ich rein!“ Genauso kam es: Ab 1988 waren Produktionen des Kresch in der ehemaligen Tapetenfabrik zu sehen.

Im Juli 1991 wurde das Kresch zu einer kommunalen Einrichtung. 1997 wurde das Kresch-Theater erstmals zum Kinder- und Jugendtheatertreffen nach Berlin eingeladen. Ihre Schwerpunkte im Kresch hat Brand im Jahr 2000 so beschrieben: „Kinder und Jugendliche brauchen ein Theater, das Fantasie und Verstand provoziert, das Probleme, Träume, Ängste darstellt; ein Theater der Freundlichkeit und des Vergnügens, der Aufmüpfigkeit und des Zorns; ein Theater das Toleranz vorführen kann und Neugierde auf das Leben weckt; ein Theater, das Anstoß zu einem spielerischen Umgang mit der Wirklichkeit gibt.“

 2005 wurde Inge Brand in den Ruhestand verabschiedet. Als Fotografin bereiste sie danach die halbe Welt, arbeitete für Foto-Magazine und zeigte ihre Bilder aus Libyen, Indien, Syrien, der Mongolei oder China in mehreren Ausstellungen. Sie übernahm auch den Vorsitz des Fördervereins für das Kulturbüro. Ihrem „Kind“, dem Kresch, blieb sie jederzeit treu und verfolgte den weiteren Weg des Theaters sehr intensiv.

(RP)
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