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Krefelds erster Pop-Up-Radweg war ein Erfolg

Umwelt in Krefeld : Lob für Krefelds ersten Pop-Up-Radweg

Organisatoren, Teilnehmer und Polizei stellten dem von Aktivisten eingerichteten Pop-Up-Radweg auf der St. Anton-Straße gute Noten aus. Staus habe es Samstag laut Polizei zwar gegeben, sie seien aber kaum länger gewesen als üblich.

Rund 250 Radfahrer haben sich am Samstag bei einer Fahrrad-Demonstration für mehr Platz für das Rad in der Stadt eingesetzt. Organisiert wurde die Veranstaltung von einem Bündnis aus ADFC, Fridays For Future (FFF) und Wirstadt.org. Sie trennten auf der St. Anton-Straße in beiden Fahrtrichtungen jeweils eine Fahrspur mit Pylonen und Blumenkübeln ab und befuhren die Straße in einer Schleife. Obwohl es sich um eine angemeldete Demonstration handelte, nahmen die Radfahrer keine Sonderrechte in Anspruch, da sie zeigen wollten, wie sich das Konzept in den Verkehr einfügen lässt.

 Simone Marner-Tepasse wünscht sich mehr Sicherheit für Radfahrer in der Stadt, um vom Auto vermehrt umsteigen zu können.
Simone Marner-Tepasse wünscht sich mehr Sicherheit für Radfahrer in der Stadt, um vom Auto vermehrt umsteigen zu können. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Das Experiment war aus Sicht aller Beteiligten erfolgreich. „Zwar ist in östlicher Fahrtrichtung ein Stau entstanden, dieser ist allerdings zu dieser Zeit am Samstag normal“, sagte der Einsatzleiter der Polizei, Erster Hauptkommissar Udo Pötters, in einer ersten Bilanz. Die Radfahrer hätten sich von einigen Einzelfällen abgesehen sehr vernünftig verhalten.

 Tim Rathaj bezeichnet das Fahrrad aufgrund geringen Platzbedarfs und fehlender Emissionen als Verkehrsmittel der Zukunft.
Tim Rathaj bezeichnet das Fahrrad aufgrund geringen Platzbedarfs und fehlender Emissionen als Verkehrsmittel der Zukunft. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Wie gut die Zusammenarbeit von Rad-Aktivisten und Polizei funktionierte, zeigte auch ein Beitrag, den FFF noch am Abend über Facebook verbreitete. Darin dankten die Aktivisten der Krefelder Polizei für die hervorragende und konstruktive Zusammenarbeit. Dieser wurde allein bis zum Sonntagmittag 13 Mal geteilt und erhielt dutzende positive Reaktionen.

 Antonia Leffers war eigens aus Neukirchen-Vluyn angereist. Sie sagt, für das 1,5-Grad-Ziel sei mehr Radverkehr unerlässlich.
Antonia Leffers war eigens aus Neukirchen-Vluyn angereist. Sie sagt, für das 1,5-Grad-Ziel sei mehr Radverkehr unerlässlich. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Zufrieden waren auch die Teilnehmer, die sich erhoffen, dass die Aktion dazu beiträgt, dass künftig dem Rad mehr Platz eingeräumt wird. „Wir müssen schauen, dass wir den Radverkehr voran bringen. Das Rad sollte Verkehrsmittel sein und nicht nur für den Freizeitverkehr dienen“, sagte der teilnehmende Grünen-Abgeordnete Guido Dietel. Auch deren Oberbürgermeisterkandidat Thorsten Hansen war dabei.

Doch längst nicht nur Politiker nahmen teil. „Wir sind schon länger bei FFF in Neukirchen-Vluyn aktiv und wollen, dass die Politiker endlich wirklich handeln. Da finden wir es toll, wenn hier wirklich etwas passiert. Das ist nötig, um das 1,5 Grad-Ziel noch zu erreichen“, sagte Antonia Leffers. Sie war gemeinsam mit Tim Rathaj angereist, der hinzufügte: „Das Fahrrad ist  das effizienteste Verkehrsmittel und nimmt wenig Platz ein. Oft ist man sogar schneller. Wir sollten uns ein Beispiel an den Niederlanden oder Dänemark nehmen.“ Simone Marner-Tepasse aus Krefeld erhofft sich bessere Bedingungen. „Ich fahre gern Rad, aber der Zustand der Straßen ist chaotisch. Ich würde das Auto gern häufiger stehen lassen“, sagte sie.

Bei den Autofahrern fiel die Reaktion erwartungsgemäß gemischt aus. Während es in sozialen Medien viel Kritik gab, die sich verbal hochschaukelte, gab es auch positive Stimmen. „Ich wurde stadtauswärts fahrend von der Aktion überrascht und fühlte mich als Autofahrer nicht gestört. Sonst nerven da eher die Drängler, die im Kamikaze-Slalom für sich versuchen, eine grüne Welle zu erzeugen und die Straßenbahn loszuwerden“, schrieb eine Userin auf Facebook.

Unter dem Strich soll es nicht die letzte Aktion dieser Art bleiben. Die Organisatoren kündigten bereits weitere Aktionen an. „Gerade in der Innenstadt gibt es viele Gefahrenstellen, die ich mit Stürzen verbinde. Ich habe darum gern am Mobilitätskonzept teilgenommen und verstehe es als Partizipationsangebot“, sagte Mit-Organisatorin Almuth McLeod. Hingucker an diesem Tag waren auf jeden Fall die Pflanzen zwischen den Pylonen. Verschiedene Krefelder Gärtnereien hatten sie zur Verfügung gestellt und so ein blühendes Zeichen gesetzt.