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Krefeld: Krefeldern wachsen Schulden übern Kopf

Krefeld : Krefeldern wachsen Schulden übern Kopf

In der Innenstadt ist jeder dritte bis vierte Erwachsene nicht in der Lage, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Krefeld nimmt in Nordrhein-Westfalen im Schuldneratlas eine Spitzenposition ein.

In nur wenigen deutschen Städten hat die Überschuldung der Einwohner so deutlich zugenommen wie in Krefeld. Die Zahl der Männer und Frauen, die ihren Zahlungsverpflichtungen in absehbarer Zeit nicht mehr nachkommen können, wächst in der Samt- und Seidenstadt schneller als im Rest der Bundesrepublik. Krefeld befindet sich damit auf Platz sieben in Gesellschaft von Gelsenkirchen, Neumünster, Mönchengladbach und Kommunen aus dem Osten Deutschlands.

Auch absolut hat die Überschuldung der Krefelder einen Stand erreicht, der deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 9,65 Prozent liegt. In Krefeld ist im Mittel jeder Siebte inzwischen auffällig geworden, weil er seine Rechnungen nicht mehr bezahlt oder seine Darlehen nicht mehr bedient. Mit 13,59 Prozent weist die Creditreform-Wirtschaftsforschung für Krefeld den neuntschlechtesten Wert für die knapp 400 Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen aus.

"In die Statistik gehen unter anderem die Fälle ein, in denen Gerichte bereits Mahnverfahren eingeleitet, Vollstreckungstitel erlassen oder Insolvenzverfahren eröffnet haben", erklärt Günter Conrads, Abteilungsleiter der Creditreform in Krefeld.

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Die Dunkelziffer derer, die aus unterschiedlichen Gründen über ihre Verhältnisse leben, dürfte in der Realität noch höher sein. All die, die sich privat etwa bei Verwandten Geld geliehen hätten, und es nicht mehr zurückzahlen könnten, seien in der Statistik gar nicht erfasst. Anders als noch in der Vergangenheit, ist es heute tatsächlich das mit den Einkommensverhältnissen nicht mehr im Einklang befindliche Konsumverhalten, das immer öfter in die Überschuldung führe, berichtete Conrads. Die klassischen Gründe wie Verlust des Arbeitsplatzes, gescheiterte Selbstständigkeit, Krankheit und Scheidung geraten etwas ins Hintertreffen.

"Durch die Zahlungsausfälle der Privaten entsteht der Wirtschaft ein immenser Schaden", betonte Conrads. Die Entwicklung sei insbesondere deshalb besorgniserregend, weil die stabile Konjunktur eigentlich gewährleisten müsste, dass viele Beschäftigte durch Lohn und Gehalt finanziell zuverlässig ausgestattet seien. Gesellschaftlich bietet die Perspektive Sprengstoff. Einerseits ist der private Konsum (Binnennachfrage) sehr gewünscht, anderseits erfolgt er offenbar in großen Teilen auf Pump.

In Krefeld gibt es Stadtteile, in denen jeder Dritte bis Vierte offiziell und fast jeder Zweite inoffiziell seine Rechnungen nicht mehr begleichen kann. Rund um den Hauptbahnhof und in der Innenstadt betragen die aktuellen Schuldnerquoten für die Postleitzahlenbezirke 47798 nunmehr 27,82 Prozent und für 47799 exakt 22,44 Prozent. Auch für Dießem und Teile Fischelns sieht es mit 20,01 Prozent nicht gut aus.

Das andere Extrem in der Stadt befindet sich in Traar und Verberg: Mit einer Quote von 4,33 Prozent bewegen sich die Männer und Frauen im Nordosten der Stadt auf dem Niveau der besseren Wohnquartiere im benachbarten Meerbusch — der Stadt der Millionäre. Übrigens ist der Anteil der überschuldeten Menschen in Traar und Verberg rückläufig: von 4,47 im Vorjahr auf 4,33 Prozent. In Krefeld unterstreicht eine sinkende Kurve auch für Forstwald, Hüls, Teile Fischelns und Kliedbruch einen solchen positiven Verlauf. Diese Entwicklung ist eher selten und gegen den Bundestrend von plus drei Prozent.

"Die Schuldner sind zu rund zwei Dritteln Männer", informiert Conrads. Doch die Zahl der überschuldeten Frauen steigt mittlerweile erheblich um plus 14,8 Prozent. Das liege daran, dass sie im Rahmen veränderter Lebensformen und Rollenbilder immer mehr als Alleinerziehende oder gleichberechtigte Einkommenbezieherin für auflaufende Schulden geradestehen müssen.

(RP/rl)