Krefelder Visionen für die Mobilität der Zukunft

Mobilität der Zukunft : Ruf nach Ringsystem für Straßenbahnen

Gleich mehrfach ist bei den Bürgervorschlägen zur Mobilität der Zukunft der Ruf ertönt, die Straßenbahnlinien auf ein Ringsystem umzustellen. Wie realistisch ist das? Wir dokumentieren zudem weitere Vorschläge.

Die Internetseite, die die Stadt zur Sammlung von Ideen zum Thema Mobilität der Zukunft freigeschaltet hat, versammelt bereits eine ganze Reihe von Vorschlägen. Teils geht es um Spezialprobleme, teils um Grundsätzliches. Gleich dreimal wurde der Vorschlag gemacht, den öffentlichen Nahverkehr zu revolutionieren: Nicht mehr alle Linien durch die City zu führen, sondern ein Ringsystem zu etablieren, so dass auch die Stadtteile schneller und ohne Umweg über die City zu erreichen sind. Die Nachfrage bei den SWK Mobil ergab: Die Fachleute sind offen für die Idee, wollen aber die Vision und den darin formulierten Bedarf sorgfältig an der Realität abgleichen.

„Ob eine Voraussetzung für tangentiale oder ringförmige Verbindungen von einzelnen Ortsteilen gegeben ist, bedarf einer genaueren Analyse“, teilte eine SWK-Sprecherin mit, „dafür sind in der Regel Verkehrsstromzählungen erforderlich, bei denen Herkunft und Ziel der einzelnen Verkehrsteilnehmer ermittelt werden, dies ist allerdings eine sehr aufwändige Methode.“ Sollte ein Bedarf für Tangentiallinien oder ringförmige Verbindungen von Ortsteilen bestehen, sollte man dies bei der Entwicklung des Mobilitätskonzeptes der Stadt Krefeld natürlich nicht vernachlässigen.

Wir dokumentieren weitere Vorschläge aus der Bürgerschaft.

Radweg Marktstraße Die Marktstraße ist jetzt in einem Top-Zustand – wo ist der Radweg? Die Straße ist beidseitig mit Autos zugeparkt, der Anlieferverkehr parkt in der 2. Reihe, der Verkehr staut sich – wo bleibt der Radfahrer? Er schlängelt sich durch den Verkehr mit allen Risiken, die damit verbunden sind.

Ringsystem für den ÖPNV

Alle Linien führen ins Zentrum, was die Fahrtzeit deutlich erhöht, wenn man von Hüls nach St.Tönis will. Wir haben in Krefeld Straßenbahnlinien, die wie in einem Kreuz auf das Zentrum zulaufen. Wenn man dieses Kreuz wie ein Fadenkreuz durch Ringe verbinden würde, bestünden direkte Verbindungen zwischen Bahnlinien. Das Konzept, dass alle Linien in die Stadt fahren und wieder raus, ist ökonomischer und ökologischer Irrsinn.

Wenn ich von Hüls nach St.Tönis will, dann beginnt mit dem ÖPNV eine Odyssee. Bis in die Stadt, dann wieder raus Richtung St.Tönis, dauert eine Stunde. Das Konzept sieht es in den meisten Fällen vor, dass man ins Zentrum muss, dann wieder raus. Dass alle Linien ins Zentrum fahren, hat man mit Sicherheit zur Jahrhundertwende eingeführt, als die Menschen noch Zeit hatten und alle Arbeitsplätze im Zentrum von Krefeld lagen. Das Problem lässt sich relativ einfach einlösen, wenn man die Straßenbahnlinie durch Ringe verbindet, z.B von der St.Töniser Str über Horkesgath, die die Hülserstraße bei Knuffmann schneidet. Man hätte dann einen Umsteigeplatz in die 044 und die Ringstrecke, dann verlängert Richtung Uerdingerstraße mit einem erneuten Umsteigeplatz in die 042/043. Dann die Ringstrecke weiterführen bis zu 044 und auch bis zur 041 bei Königshof und dann weiter Richtung St.Töniser Straße wieder zur 041.

Wege für Lastenfahrräder Gerne erledige ich Einkäufe mit dem Lastenrad. Teilweise sind die Radwege für eine Fahrt mit einem zwei- oder dreirädrigen Lastenrad nicht geeignet. Es gibt zu viele Widrigkeiten: Schlaglöcher, Wurzeln, lose Gehwegplatten, Falschparker.

Dichtere Taktung beim ÖPNV

Konsequente Einführung dichter Takte. Beispielsweise verkehren sämtliche Straßenbahnlinien in Mannheim in einem 10-Minuten-Takt, der teilweise auf einen 5-Minuten-Takt verdichtet wird.

Fischeln Südwest  Vor der Bauphase des Baugebietes Südwest und Erweiterungen der Gewerbegebiete im Westen von Fischeln nachhaltige Verkehrswege schaffen, die den Verkehr verteilen. Bitte keinen zusätzlichen Verkehr auf den Straßen durch den Ort zulassen. Bitte auch an Fußgänger und Radfahrer denken.

Autoverkehr drastisch reduzieren Krefeld hat keine Berge, viel zu wenige Parkflächen und kilometerweite kaputte Straßen: Alles mehr als gute Gründe, den Autoverkehr drastisch und offensiv zu verringern (wie das in Utrecht hervorragend gelungen ist). In den Niederlanden gilt es auch bei wohlhabenden Familien als antisozial, mit dem Auto zu fahren, wenn man auch das Rad nehmen kann.

Immergün für Radfahrer

Bei roten Ampeln sollten Radfahrer einen permanenten Grünpfeil zum Rechtsabbiegen bekommen. Pilotprojekte dazu gibt es momentan in Berlin.

Radwegenetz ausbauen

Dieses Radwegenetz muss instand gesetzt und ausgebaut werden. Routen parallel zu den Hauptstraßen sollten Fahrradstraßen werden. Der Autoverkehr dort muss wirkungsvoll auf reinen Anliegerverkehr reduziert werden. Dabei denke ich an Einbahnstraßen mit abschnittsweise wechselnder Fahrtrichtung und Durchfahrtsperren an Kreuzungen für Autos. Aus meiner Fahrradpraxis wären die Johannsenaue, die Schönwasserstraße und die Germaniastraße gute Kandidaten.

ÖPNV regional ausbauen

Wenn wirklich eine Attraktivierung des ÖPNV und damit der Umstieg auf Bus und Bahn gewünscht ist, sind hier dringend Anpassungen erforderlich. Sie werden keinen finden, der z.B. im Übergang Krefeld – Duisburg (gerade im Duisburger Süden) gerne auf den ÖPNV umsteigt, wenn die Linie 941 über die Uerdinger Rheinbrücke als einzige Verbindung nur alle 60 Minuten verkehrt und hier sogar auf Duisburger Seite eine weitere Ausdünnung bis hin zur Einstellung der Linie diskutiert wird oder die Linie 927 Richtung Rheinhausen ebenfalls nur alle 60 Minuten verkehrt.

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