Krefelder unter Mordverdacht: Reagierte Polizei zu spät?

Kritik am Ermittlungstempo : Mordverdacht: Reagierte Polizei zu spät?

Die heißeste Spur nach dem Verschwinden der 35 Jahre alten Anna S. aus Gelsenkirchen im Juni führte recht schnell nach Krefeld. Dort lebt ihr Ex-Freund, ein 46-Jähriger mit verdächtiger Biografie. Seit voriger Woche sitzt der Mann wegen Mordverdachts in U-Haft. Zu spät, orakelt der „Express“. Die Polizei habe zu schwerfällig ermittelt.

Ein 46-jähriger Krefelder wird von der Staatsanwaltschaft Essen und der Polizei in Gelsenkirchen des Mordes verdächtigt. Der Mann wurde von einem Richter in Untersuchungshaft geschickt. Der Tatverdächtige soll die seit Juni verschwundene Anna S. umgebracht haben. Zu den Details und dem Verbleib der Leiche ist bislang nichts bekannt. Der Düsseldorfer Express, der seit langem offenbar in engem Kontakt zu den Angehörigen der verschwundenen 35-Jährigen aus Gelsenkirchen steht, kritisiert die Arbeit der Ermittler und stellt Fragen wie „Wann starb Anna S.?“, „Wo war sie ab dem 23. Juni 2019?“ und „Hätte sie noch gerettet werden können?“

Anlass für Fragen und Spekulationen liefert offenbar das Vorleben des Ex-Freundes der wahrscheinlich toten Frau. Auf sichergestelltem Datenmaterial soll die Polizei ein Video entdeckt haben, das die Tote zeigt. Der Festgenommene sei zu spät ins Visier der Fahnder geraten. Von erheblichen Lücken und Zeitverzögerung ist die Rede. Der 46-jährige Krefelder soll demnach wegen Totschlags in den 1980-er Jahren vorbestraft und auch sonst kein unbeschriebenes Blatt sein. Im September 2018 soll er laut Express die Wohnung von Anna S. in Brand gesetzt haben. In einem anderen Fall habe er seiner Freundin mit einem gefälschten Scheck imponieren wollen. Der Beleg der Düsseldorfer Privatbank Merck und Finck sei über einen Betrag in Höhe von 754.000 Euro ausgestellt gewesen.

Schlussendlich hätten sich die Ermittler auch bei der Beschlagnahme des Autos des Tatverdächtigen und der Spurensuche viel Zeit gelassen. Der Wagen, der sowohl bei der Brandstiftung als auch bei dem wahrscheinlichen Mord eine Rolle gespielt haben könnte, sei erst vier Monate nach dem Verschwinden der 35-Jährigen in einer Garage in Krefeld entdeckt worden. Das Auto – ein schwarzer BMW – habe anschließend mit ausgebautem Navigationsgerät frei zugänglich für jedermann auf dem Hof eines Krefelder Vertragshändlers gestanden, berichtet der Express, der schon im September den Verdacht geäußert hatte, dass der Ex-Freund der Frau aus Gelsenkirchen mit deren Verschwinden zu tun haben könnte. mehr als zwei Monate später erfolgte in Krefeld die Festnahme des Mannes.

Dr. Sonja Hüppe von der Staatsanwaltschaft in Essen erklärte gestern auf Anfrage unserer Redaktion, dass sie zu den beschriebenen Vorwürfen keine Stellungnahme abgebe. Die Ermittlungen dauerten an. Es könne noch Wochen und Monate dauern, bis sie zum Abschluss kämen, sagte sie. Die Staatsanwaltschaft und die Polizei habe ihre Gründe, warum sie die Öffentlichkeit nicht umfassender mit Informationen versorge. „Das ist zum Schutz aller Beteiligten“, sagte die Staatsanwältin. Die Fragen, wo der Krefelder derzeit einsitze, und ob er schon zur Sache verhört worden sei, blieben unbeantwortet.

Schon im August schauten sich die Ermittler im Stadtteil Linn um. „Wir haben dabei Amtshilfe geleistet“, sagte eine Sprecherin der Krefelder Polizei. Damals wurden Müllberge aus einer bestimmten Abfallcharge in einer Halle der Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN) nach Kleidungsstücken, Rucksack oder anderen Besitztümern – wie Dokumente der verschwunden Frau – durchsucht. Auch Leichenspürhunde kamen zum Einsatz. Fündig wurden sie nicht. Der Leichnam der Frau ist bis heute unauffindbar.

Der derzeit inhaftierte Mann soll in Krefeld im Wohnquartier Vereins-, Schwert- und Philadelphiastraße gelebt haben. Darüber hinaus übernachtete er bisweilen im Zimmer eines Hauses in der Nähe des Krefelder Polizeipräsidiums am Nordwall. Staatsanwaltschaft und Polizei hatten die Bevölkerung im Juni dieses Jahres um Mithilfe bei der Suche nach der vermissten Anna S. gebeten. Die 35-jährige hatte offensichtlich ohne erkennbaren Grund ihr gewohntes Lebensumfeld verlassen. Die Gelsenkirchenerin wurde wie folgt beschrieben: Circa 1,55 Meter groß, schulterlanges mittelblondes Haar, bunte lange Fingernägel, Bekleidung in der Regel auffallend farbig grell.