Azubi-Wettbewerb in Krefeld Tischler-Talente überzeugen im Praxis-Test

Krefeld · Die Azubis durften nach langer Corona-Pause endlich wieder Stücke planen und bauen, die sie ihren Mitschülern und Lehrern präsentieren. Verborgene Talente hatten dabei vor allem die Möbelstücke des Nachwuchses: Versteckte Schubladen und Elemente überzeugten allen voran.

Das Projekt der Auszubildenden im Tischlerhandwerk hatten ein besonderes Motto: „Auf den zweiten Blick“.

Das Projekt der Auszubildenden im Tischlerhandwerk hatten ein besonderes Motto: „Auf den zweiten Blick“.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Zwei Jahre lang mussten die Tisch­ler-Lehrlinge in Krefeld auf den traditionsreichen Praxis-Wettbewerb verzichten. Vor allem die Ab­schlusspräsentation, bei der alle zusammenkommen und die Werkstücke einerseits von den Mit-Azubis, an­dererseits aber auch von Lehrern bewertet werden, wäre unter den Co­rona-Beschränkungen nicht möglich gewesen. In diesem Jahr nun ist es wieder so weit. „Am Freitag bekamen die Auszubildenden in der letzten Schulstunde das Thema. Es sorgte für einiges Stirnrunzeln“, erzählt Klassenleiter Stephan Moeres grin­send. Dieses war bewusst offen ge­halten und lautete „Auf den zweiten Blick“.

„Das sagt natürlich erst einmal we­nig. Wir hatten aber in der Vergan­genheit schon ähnliche Mottos wie ,Top Secret‘. Es ist also nicht au­ßergewöhnlich“, fährt der Berufs­schullehrer fort. Eine Woche hatten die angehenden Tischler – darunter auch zwei junge Frauen – Zeit für Planung und Umsetzung. „Ich habe schon ein paar Überstun­den gemacht. Der Bau selbst hat gut 20 Stunden benötigt. Montag und Dienstag habe ich für die Planung und Zeichnung benötigt“, erzählt Tim Bader, der Sieger des Design-Wettbewerbs. Er konstruierte eine kleine Bar mit versteckter Schubla­de für Gläser. „Ich hab das für mich gebaut. Es passt super in mei­ne Wohnung“, sagt der 18-Jährige aus Sankt Tönis. Der Sieg freue ihn. „Aber ich denke, andere hatten auch tolle Stücke und hätten es verdient gehabt“, äußert er bescheiden.

Den Sieg für die saubere Fertigung errang Henri Martens. „Ich denke, ich habe das Thema ganz gut getrof­fen“, sagt er. Sein Werkstück ist ein Beistelltisch mit einer ver­deckten Schublade. „Dass die Ande­ren mir die meisten Stimmen gegeben haben, macht mich schon stolz. Ich denke, ich habe gewonnen, weil ich viele unterschiedliche Verbindungen verbaut habe: Schlitz und Zapfen, Schlitz und Zapfen auf Gärung und Überlappung. Ich habe am zweiten Tag eine Überstunde machen müssen, auch, weil ich eine Seitenwand noch einmal machen musste. Ich hab die Teile verwechselt und die Führungs­nut in die falsch Wand gefräst“, erzählt er grinsend. Was er mit dem Tisch machen wird, sei noch nicht klar. „Entweder kommt er in meine Wohnung oder ich schenke ihn meiner Freundin“, erzählt der 18-Jährige. Der Beruf als Tischler sei für ihn die Zukunft. „Ich war auf der Mon­tessori-Schule und da haben wir auch mit Holz gearbeitet. Das hat mir da schon Spaß gemacht. Mein Ziel ist, als Tischler zu arbeiten und den Meister zu machen. Ich mag den Beruf sehr“, betont der Oppu­mer.

 Philippe Adelmann kreierte ein Brillengestell und belegte damit Platz 3 in der Kategorie Design.

Philippe Adelmann kreierte ein Brillengestell und belegte damit Platz 3 in der Kategorie Design.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Lona Jähnichen ist eine von zwei jungen Frauen im Lehrjahr. Mit ihrer Schmuckschatulle erreicht sie keine Top-Drei-Platzierung. „Die Schatulle enthält noch eine zweite Ebene und besteht außen aus Holz. Die Einlagen sind aus Co­rian gefertigt. Das ist ein Kunst­stoff, der so schwer ist, dass er wie Stein wirkt“, erzählt sie. Als Frau in einem von Männern dominier­ten Beruf sei es für sie nicht be­sonders schwierig. „Klar, es gibt mal einen Spruch. Da muss man drüber ste­hen. Ich komme aus einer Handwer­kerfamilie und kenne das. Ich habe auch ein Studium angefangen, aber festgestellt, dass das nichts für mich ist“, sagt die 21-Jährige, die weniger Erfahrung hat als ihre Mitstreiter. „Ich habe erst im Som­mer angefangen und nun zum Halbjahr ein Lehrjahr übersprungen. Dafür bin ich wirklich zufrieden“, sagt die junge Frau.

Zufrieden ist auch Robert Rickers mit seinem zweiten Platz in der Ka­tegorie Design. Der 22 Jahre alte Krefelder hat einen Kubus gebaut, der mit schwarz gebeizten Elementen verblendet ist und eine verdeckte Schublade enthält. „Ich bin gerade mit meiner Freundin zusammengezo­gen und da passt es super rein“, sagt er. Die Verbindung von Holzop­tik mit Schwarz gefalle ihm. „Und die Juroren fanden es ja wohl auch ganz okay“, sagt er grinsend. Nach Fachabitur und einem Jahr Jobben sei Tischlerei für ihn der Beruf, in dem er bleiben will. „Ich habe Spaß an der Arbeit mit Holz. Ich möchte nach der Lehre ein, zwei Jahre Be­rufserfahrung sammeln und dann den Meister machen. Ich bin sicher, ich werde diesem Beruf erhalten blei­ben“, erklärt er.

Tim Bader wurde der Sieger des Design-Wettbewerbs mit einer Bar.

Tim Bader wurde der Sieger des Design-Wettbewerbs mit einer Bar.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
 Robert Rickers schaffte es auf Platz 2 in der Kategorie Design mit einem Kubus mit versteckter Schublade.

Robert Rickers schaffte es auf Platz 2 in der Kategorie Design mit einem Kubus mit versteckter Schublade.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
 Christoph Kaluza ist der Drittplatzierte in der Kategorie Fertigstellung.

Christoph Kaluza ist der Drittplatzierte in der Kategorie Fertigstellung.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Das Niveau des Jahrgangs sei sehr gut, sagt Lehrer Moeres. „Es wird ja immer gesagt, dass das Niveau in vielen Bereichen rückläufig sei. Das kann ich hier aber nicht bestä­tigen. Im Vergleich zur Vergangen­heit ist das hier sogar ein sehr guter Jahrgang mit hohem Niveau“, analysiert er. Wie alle Handwerks­bereiche hat die Tischlerei quanti­tativ ein Nachwuchsproblem – Quali­tativ aber stehe der Bereich gut da.