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Krefelder Stadtwerke investieren 77 Millionen Euro ins Straßenbahnnetz

Investition in Krefeld : 77 Millionen Euro für das Straßenbahnnetz

Möglichst bis ins Jahr 2031 wollen die Stadtwerke 77 Millionen Euro in ihr Straßenbahnnetz investieren. Das bedeutet Schmutz und Lärm sowie langwierige Verkehrsbehinderungen. Die ausführende SWK Mobil GmbH will damit offensiv umgehen und transparent informieren.

Die Ziele der Stadtwerke Krefeld (SWK) sind sportlich: „Ich weiß nicht, ob wir das schaffen werden“, sagte SWK-Vorstand Carsten Liedtke. Es geht um die Investition von 77 Millionen Euro in das Krefelder Straßenbahnnetz. 32 Millionen Euro Fördergelder habe das Land Nordrhein-Westfalen in Aussicht gestellt. Bedingung: Die Mittel müssten bis zum Jahr 2031 verbaut sein. Das sei in Anbetracht der Aufgabenfülle, fehlender Kapazitäten bei Fachfirmen und Planungsingenieuren eine echte Herausforderung, erklärte Liedtke bei der Vorstellung der Geschäftszahlen des Konzerns für das Jahr 2021 in der Unternehmenszentrale an der St. Töniser Straße.

Die Straßenbahn sei teuer, aber effizient. Sie biete dem Kunden Komfort, Barrierefreiheit und einiges mehr, und sie fahre mit Strom statt fossilen Kraftstoffen. Liedtke betonte, dass es vor Jahren und Jahrzehnten die richtige Entscheidung gewesen sei, in Krefeld weiterhin auf das Personentransportmittel Straßenbahn zu setzen. Mit dem Projekt „Zukunft(s)schiene“ solle der Öffentliche Personennahverkehr in der Seidenstadt noch einmal tüchtig Rückenwind erhalten. „Wo immer möglich, wollen wir Rasengleise bauen“, sagte Liedtke. Das sei auch gut fürs Mikro- sprich: Stadtklima.

 Dirk Sommerfeld (links) und Marcel Krins kümmern sich bei der SWK Mobil GmbH um den Ausbau des Krefelder Straßenbahnnetzes.
Dirk Sommerfeld (links) und Marcel Krins kümmern sich bei der SWK Mobil GmbH um den Ausbau des Krefelder Straßenbahnnetzes. Foto: SWK
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Dirk Sommerfeld ist Mitarbeiter des SWK-Teams Infrastruktur und verantwortlich für die Projektleitung. Darunter fällt beispielsweise der Umbau von Haltestellen zu barrierefreien Haltestellen, die das Fahrtangebot für noch mehr Kunden an noch mehr Stellen Krefelds ohne Hürden zugänglich machen. Aber auch weitere Rasengleise, die eine reibungslosere und damit auch pünktlichere Fahrt auf den Schienen ermöglichen, Fahrtgeräusche dämpfen und durch die Entsieglung der Fläche Regenwasser besser aufnehmen sowie Schadstoffe aus der Luft binden, sind geplant. Vielerorts werden alte Gleise gegen neue, moderne Gleise getauscht – auch das wirkt sich positiv auf den Fahrtkomfort aus und sichert große Fahrtsicherheit für die nächsten Jahrzehnte. Noch im Sommer 2022 sollen vier solcher „Zukunft(s)Schiene-Baustellen“ begonnen werden, kündigte die SWK an.

Die 100-prozentige städtische Tochter sieht sich als Motor der Mobilitätswende in Krefeld. Die Einführung von On Demand-Angeboten, der Ausbau der Ladeinfrastruktur und der CarSharing Flotte und einfache digitale Ticket-Angebote für ÖPNV-Neulinge zeugten von den Anstrengungen, die unternommen würden. Die Basis einer stabilen Mobilität bilde hingegen der schienengebundene Nahverkehr. Für eine solide und moderne Infrastruktur werde die SWK Mobil in Zukunft viel investieren, berichtete ein SWK-Sprecher.

Und dieser Job gehe bei der Abteilung Infrastruktur bei der SWK Mobil, anders als bei den Kollegen aus anderen Abteilungen, erst einmal mit Schmutz, Baugeräuschen und Verkehrseinschränkungen einher – das gefalle keinem. Darum sei es für Marcel Krins, den Leiter Infrastruktur bei der SWK Mobil, umso wichtiger, Aufklärung zu leisten und den gesamten Bauprozess jedes Projektes transparent und nachvollziehbar zu gestalten, so ein Sprecher.

Im Spätherbst 2021 habe das erste Leuchtturmprojekt der großen Modernisierungsoffensive „Zukunft(s)Schiene“ präsentiert werden können. Ein grünes Tor zur Stadt, ein topmodernes Rasengleis, auf der St. Töniser Straße sorge nun seit einigen Monaten für schnellere Bahnen und grünere Aussichten. Doch auch dort habe es von Mai bis Dezember erst einmal geheißen: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Die Fahrbahn auf der St. Töniser Straße wurde zwischen Obergplatz und Gutenbergstraße verengt, Busse fuhren als Ersatz für die ausfallende Straßenbahnlinie 041, großes Gerät und Gleisbauer machten sich über Wochen an den alten Gleisen, der Betondecke und der Installation der neuen Gleise lautstark zu schaffen. Was Bauingeneure und Instandhaltungsenthusiasten in schiere Freude versetzt, stößt bei Passanten, Anwohnern und Kunden zunächst auf weniger Begeisterung. Nachvollziehbar. Denn oft steht man wenig informiert und ratlos vor einem „Danke für Ihr Verständnis“-Schild, rätselt, wozu hier für Lärm und Dreck gesorgt wird, oder ärgert sich einfach über die Beeinträchtigungen, die mit dem Baugeschehen einhergehen.

Und genau da habe das Team um Krins beim Projekt Rasengleis angesetzt, um einen anderen Weg zu gehen. Einen, bei dem sich jeder abgeholt, informiert und mitgenommen fühlen sollte – ja sogar die Vorfreude auf das fertiggestellte Bauprojekt mit den Bauverantwortlichen teilen konnte, so der SWK Sprecher. „Beim Rasengleis auf der St. Töniser Straße haben wir ansässige Firmen, Anwohnende, Fahrgäste und Medien früh abgeholt, ihnen anhand von Skizzen erläutert, wie sich Verkehrsführung, Zufahrt zu den Firmengeländen und zu Mitarbeitenden- und Kundenparkplätzen ändern wird. Dabei haben wir gemerkt, wie wichtig es ist, auch zu erzählen, welche Vorzüge ein Rasengleis mit sich bringt. Wir sind überzeugt, dass ganzheitliche Information viel Baustellenfrust vermeiden kann.“

Diese Erkenntnis wolle das Team um Krins nun mit für die kommenden Projekte von „Zukunft(s)Schiene“ mitnehmen: Wir bauen gerade einen Bereich auf der Webseite der SWK auf, in dem man zu jedem Bauprojekt die wichtigsten Infos, Hintergründe anschaulich vermittelt bekommt. Und vor allem einen kleinen Blick in die Zukunft werfen kann. Auch an den Baustellen selbst wollen wir zeigen: So wird es hier bald aussehen, und das sind die Vorteile der jeweiligen Maßnahme.“

Zu den hervorstechenden Eigenschaften von Rasengleisen zähle, dass 100 Meter davon jährlich zwischen 240 und 330 Kubikmeter Wasser speichern könne – das seien acht bis zehn Seecontainer, informierte ein SWK-Sprecher. Das zurückgehaltene Wasser verdunste über die Pflanzen wieder. Ein Quadratmeter Rasengleis könne so pro Jahr durchschnittlich 80.000 Kubikmeter Luft um zehn Grad abkühlen.Schotter erhitze sich bei direkter Sonneneinstrahlung auf mehr als 50 Grad Celsius, Asphalt werde noch heißer. Grünflächen hingegen würden maximal 30 Grad warm. Damit komme es zu geringeren Temperaturschwankungen, was sich positiv auf Lebensdauer und Zustand der Schienen auswirke, so der Sprecher weiter.

Fährt eine Straßenbahn über ein Rasengleis, liege die Lautstärke bei etwa 75 Dezibel, das seien rund acht Dezibel weniger als bei einem Asphaltgleis. Zum Vergleich: Reduziere sich ein Geräusch um zehn Dezibel, empfänden Menschen es subjektiv als nur noch halb so laut.