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Krefelder Stadthaus bekommt Konkurrenz

Frist läuft am 31. Januar 2019 ab : Politik plant neue Verwaltungsachse zwischen Rathaus und Theaterplatz

Sollte eine denkmalgerechte Sanierung des Stadthauses scheitern, will die Politik mit einem „Plan B“ weiterarbeiten. Hierfür hat sie Flächen der Wohnstätte und der Volksbank im Blick.

Ein von der Politik selbst auferlegtes Zeitfenster hierfür schließt am 31. Januar 2019. Dann soll ein Plan B für einen Neubau vorliegen und sofort in die Umsetzung gehen können. Als mögliche Standorte hierfür wird die Verwaltung den Willy-Brandt-Platz sowie den Theaterplatz untersuchen. Diesen jedoch mit einem neuen Ansatz: Das an den Theaterplatz angrenzende und bald leer stehende Verwaltungsgebäude der Wohnstätte Krefeld an der Königstraße sowie der ehemalige Volksbank-Komplex an der Friedrichstraße - in dem die Stadt bereits als Mieter untergebracht ist - sollen bei den Überlegungen berücksichtigt werden. Der Plan der Politik: eine neue Verwaltungsachse zwischen Rathaus- und Theaterplatz.

Die bisher angedachte Komponente, nach einem Abriss des Seidenweberhauses die Verwaltung ausschließlich in einen Neubau auf dem Theaterplatz zu integrieren, scheint inzwischen vom Tisch. „Machbar ist das“, erklärt Planungsdezernent Martin Linne. „Doch wir sprechen dann von einem etwa zehngeschossigen Gebäude, das dort errichtet werden müsste.“ Das belegt der Beigeordnete mit Zahlen: Rund 22.000 Quadratmeter Bürofläche stehen im zu sanierenden Stadthaus zur Verfügung. „Bei einem Neubau kommen wir durch einen optimaleren Zuschnitt mit etwa 19.000 Quadratmeter aus. In dieser Größenordnung würde auf dem Theaterplatz  ein Gebäude mit zehn Etagen erforderlich sein“, so der Dezernent.

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Ganz anders sieht das aus, wenn die angrenzenden Flächen der Wohnstätte Krefeld und der ehemaligen Volksbankverwaltung einbezogen werden. Linne: „Dann könnte man die Höhe der Bebauung auf dem Theaterplatz an die der umliegenden Gebäude anpassen und zusätzlich eine Sichtachse auf das Theater und die Mediothek herstellen.“ Auch der Handel in der City würde hierbei auf der Seite der Gewinner stehen. Wettingfeld: „Einschließlich des neu bezogenen Verwaltungsgebäudes des Kommunalbetriebs am Ostwall erreichen wir eine hohe Konzentration der Mitarbeiter in der Innenstadt.“

Trotzdem richtet der CDU-Politiker derzeit den Blick in erster Linie auf das Stadthaus. Das Problem: Die Kosten für das Projekt sind bisher nicht seriös kalkulierbar. „Wer ist bereit, das Risiko einzugehen, ein Fass ohne Boden aufzumachen, bei dem am Ende nicht 83 Millionen Euro, sondern 90 oder 100 Millionen Euro für die Renovierung zu zahlen sind? Wenn wir uns für das Stadthaus aussprechen, muss dieses Risiko beherrschbar sein.“

Wünschenswert ist die Sanierung des Gebäudes nach wie vor, es geht schließlich um ein Denkmal und ein bedeutendes Beispiel moderner Architektur. Dazu kommt: Den Bau links liegen zu lassen, wäre kein billiges Vergnügen. Die „Ewigkeitskosten“ für den puren Erhalt betrügen 350.000 Euro jährlich, sagt FDP-Ratsherr Paul Hoffmann. Krefeld wäre als Eigentümer verpflichtet, den Bau mindestens zu sichern. Allerdings lässt Linne keinen Zweifel, dass damit langsamer Verfall verbunden wäre. Es gebe viele Beispiele für Denkmäler, die nach dem Scheitern ihrer Sanierungspläne jahrzehntelang vor sich hin gammeln.

Der weitere Zeitplan ist für die Verwaltung abgesteckt: Der (neue) Antrag auf denkmalrechtliche Erlaubnis ist demnach bis zum 31. Juli bei der Unteren Denkmalbehörde (UDB) einzureichen. Liegt der begründete und abgewogene Entwurf einer durch die UDB zu erstellenden denkmalrechtlichen Erlaubnis „zur Benehmensherstellung“ nicht bis zum 28. September 2018 beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) vor, oder aber ist diese mit dem LVR nicht bis zum 31. Januar 2019 positiv abgeschlossen, so behält sich der Rat der Stadt vor, über die weitere Vorgehensweise neu zu entscheiden. Wettingfeld: „Dafür brauchen wir Plan B.“ Diesen soll die Verwaltung erarbeiten.