Krefelder SPD fordert Transparenz beim Thema Legionellen

SPD stellt Antrag : Legionellen – die verheimlichte Gefahr

Für die Gefährlichkeit von Legionellen gibt es zahlreiche Beispiele. Darauf macht die SPD aufmerksam und verlangt vom städtischen Gesundheitsamt und der Bezirksregierung vollständige Transparenz für den Fall, dass erhöhte Legionellenwerte festgestellt werden. Ärzte, Krankenhäuser und Seniorenheime seien aktiv zu informieren, damit es zu keinen Todesfällen komme.

In den Kühlsystemen der Firmen Cargill und Compo im Rheinhafen sind im vergangenen Jahr erhöhte Legionellenwerte festgestellt worden. Die Öffentlichkeit und die Politik in Krefeld haben erst viel später davon erfahren. Das soll in Zukunft nach dem Willen der Krefelder Sozialdemokraten unbedingt anders werden. Legionellen in der Atemluft können Lungenentzündungen sowie Herz- und Nierenerkrankungen verursachen, die vor allem bei geschwächten Personen bis hin zum Tod führen können.

„Wir unterstützen die bisherige Praxis der Bezirksregierung, erhöhte Werte nicht zu kommunizieren, ausdrücklich nicht“, sagte Gisela Klaer, Sprecherin der SPD-Fraktion im Ausschuss für Soziales, Arbeit, Gesundheit, Integration und Senioren. Vielmehr müsse eine vollständige Transparenz im Sinne des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung gewährleistet sein.

Gisela Klaer ist Sprecherin der SPD im Gesundheitsausschuss. Foto: Spd

Die SPD rückt zum Teil dramatische Vorfälle im Kontext mit in die Atemluft freigesetzten Legionellen in Erinnerung. Die Legionellenfälle in Warstein und Jülich zum Beispiel hätten mehr als deutlich gemacht, dass Legionellenausträge aus Kühlsystemen sehr ernst zu nehmen seien, wenn die Kühlturmschwaden auf Siedlungen träfen, wie es in Gellep-Stratum offensichtlich der Fall sei. Zuletzt sei über einen Legionellose-Ausbruch in der belgischen Hafenstadt Gent berichtet worden, wo zwei Todesfälle und 32, zum Teil schwere Erkrankungen zu beklagen seien. Ursächlich sei das Kühlsystem einer im Hafen von Gent ansässigen Papierfabrik gewesen. Nach eigener Darstellung der Papierfabrik sei das Kühlsystem sehr gut überwacht; ein Ausbruch habe dennoch nicht verhindert werden können, berichtete Gisela Klaer.

Der aktuelle Fall in Gent verdeutliche umso mehr, dass gerade in der Gemengelage, wie sie am Krefelder Hafen herrsche, sehr genau geprüft werden müsse, ob die Anlagen so errichtet seien, dass Legionellen möglichst keine guten Wachstumsbedingungen fänden. Die Überprüfung schließe ein, dass möglichst nur sauberes Wasser zu Kühlzwecken genutzt werde, betonte die Sprecherin.

Der Fachbereich Gesundheit der Stadt Krefeld habe Fürsorgepflichten für die Krefelder Bevölkerung. Er müsse dabei darauf vertrauen, dass alle Gesundheitsrisiken weitgehend minimiert werden. Dies bedeute in der Konsequenz ein Drängen auf gegebenenfalls weitergehende Anforderungen an die Sicherheit, die der Nähe des Hafens zu den Wohngebieten in Gellep-Stratum Rechnung trage. Diese Notwendigkeit belegen auch Beispielfälle aus Düren, wo eine Papierfabrik ursächlich für die Nachrüstung der kommunalen Kläranlage mit einer UV-Anlage für mehr als vier Millionen Euro gewesen sei, um Legionellen in der Kläranlage zu dezimieren, oder aus Warstein, wo die Kosten für Nachrüstungen bei 7,5 Millionen Euro gelegen hätten.

Der Ausschuss für Gesundheit in Krefeld möge sich mit der Thematik befassen und im Sinne des SPD-Antrags beschließen, schreibt Gisela Klaer. Demnach soll der Fachbereich Gesundheit der Stadt Krefeld ab sofort sämtliche ihm bekannten Legionellenbefunde veröffentlichen, die so genannte Maßnahmenwerte überschreiten, und darüber hinaus aktiv Ärzte in Krefeld sowie Krankenhäuser und Seniorenheime im Wirkbereich der entsprechenden Anlagen informieren.

Auch das Robert-Koch-Institut halte das für wichtig. „Das klinische Bild allein lässt keine Rückschlüsse auf den ursächlichen Erreger zu, daher kann die Legionellen-Pneumonie nur durch eine spezifische Erregerdiagnostik festgestellt werden. Jedoch wird zu selten eine Labordiagnostik auf Legionellen durch den behandelnden Arzt veranlasst, so dass nur wenige Pneumonien als Legionärskrankheit identifiziert und gemeldet werden. Aus diesem Grund ist es trotz Meldepflicht schwierig, verlässliche Zahlen zur tatsächlichen Erkrankungshäufigkeit zu erhalten“, zitiert Gisela ­Klaer das Bundesinstitut für Infektionskrankheiten.

Diese Einschätzung sei nachvollziehbar. Wenn Ärzte nicht wüssten, dass im Umfeld des Patienten möglicherweise Legionellen ausgetreten seien, würden sie eher nicht prüfen, ob Legionellen für die Erkrankung ursächlich seien. Sie würden dann auch nicht entsprechend spezifisch den Patienten behandeln können, argumentieren die Sozialdemokraten. Ferner sollen die städtischen Behörden alle Informationen von Gefährdungsberichten bis hin zu Überprüfungskontrollen von der Bezirksregierung einholen, sie studieren, bewerten und den Politikern berichten.

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