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Krefeld: Krefelder saniert Karl-Marx-Haus

Krefeld : Krefelder saniert Karl-Marx-Haus

Der Architekt Justus Hauenherm hat das Karl-Marx-Geburtshaus in Trier saniert - es war eine bautechnische und denkmalschützerische Herausforderung. Am 5. Mai - dem 200. Geburtstag von Marx - wird das Haus wiedereröffnet.

Bei den Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Karl Marx spielt Krefeld eine besondere Rolle: Marx' Geburtshaus in Trier wird unter Leitung des Krefelder Architekten Justus Hauenherm saniert. Wenn die Gedenkstätte am 5. Mai - dem Geburtstag von Marx - wieder eröffnet wird, wird die Welt ein Haus betreten, das unter Hauenherms Federführung technisch und denkmalschützerisch auf den letzten Stand gebracht worden ist.

Hauenherm arbeitet schon lange mit der Friedrich-Ebert-Stiftung zusammen. Sie ist Besitzer des Geburtshauses an der Brückenstraße 10 in Trier. So fielen ihm auch die Arbeiten an diesem Gebäude zu, das - ohne Übertreibung - welthistorische Bedeutung hat. Die Arbeiten haben im September 2017 begonnen. Bautechnisch stand Hauenherm vor Herausforderungen, vor denen man nun mal steht, wenn es um ein Gebäude geht, dessen Anfänge ins Jahr 1550 zurückreichen.

 Marx ist auch Pop Art: Architekt Hauenherm neben einer modernen Variante des Karl-Marx-Bildnisses.
Marx ist auch Pop Art: Architekt Hauenherm neben einer modernen Variante des Karl-Marx-Bildnisses. Foto: Hauenherm

Denkmalschützerisch galt es einiges wiedergutzumachen. Die jüngsten großen Umbauarbeiten in dem Haus reichen ins Jahr 1983 zurück. Damals war das Museum zum 100. Todestag von Karl Marx nach einjähriger Umgestaltung mit neuem Ausstellungskonzept wiedereröffnet worden. Zuletzt wurde 2005 eine neue Ausstellung in dem Gebäude installiert. "Man hat mir erzählt, dass die Denkmalschützer, als sie die Ausstellung gesehen haben, geweint haben", berichtet Hauenherm lächelnd. Hintergrund: In die Räume des historischen Gebäudes waren Ausstellungsmodule eingebaut worden, die farblich und optisch keinerlei Rücksicht auf den Charakter des Hauses nahmen. Ein Alptraum für Denkmalschützer.

Hauenherms Aufgabe war es, die Räume wieder zur Geltung zu bringen. Was mindestens so anspruchsvoll war wie die bautechnische Erneuerung. "Bei jedem Loch, das wir gebohrt haben, sind wir auf neue Elektroleitungen gestoßen", berichtet Hauenherm, wiederum lächelnd. "Wir haben die komplette Installation der letzten 60,70 Jahre überarbeitet."

 So sah die alte Ausstellung aus; Denkmalschützer waren entsetzt; alles wurde entfernt.
So sah die alte Ausstellung aus; Denkmalschützer waren entsetzt; alles wurde entfernt. Foto: Hauenherm

Das Haus hat eine verwickelte Geschichte. 1550 gebaut, 1727 erweitert - Karl Marx wurde dort am 5. Mai 1818 geboren, in einem erhaltenen Geburtsalkoven. Gemeint ist eine Raumnische, in der ein Bett gestanden hat. Die Familie lebte in dem Haus zur Miete, zog aber schon im Oktober 1818 dort aus.

1875 wurde es um ein Stockwerk erhöht, im Erdgeschoss ein Laden eingerichtet - dass dort eine geschichtlich bedeutende Gestalt geboren worden war, geriert schlicht in Vergessenheit, zumal sich Marx' überragende historische Bedeutung erst noch herausschälen musste. Das dauerte bis zur Jahrhundertwende. Erst 1904, als die Welt mit der Gründung der SPD, der Erfindung des Kommunismus und der Etablierung der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegungen in Amerika und Europa eine andere geworden war, wurde die Bedeutung des Gebäudes wiederentdeckt. 1928 kaufte die SPD das Haus und restaurierte es. Das hinzugekommene Obergeschoss wurde abgetragen, das Dach in seine ursprüngliche Form gebracht. Das Haus sollte Museum, Gedenk- und Forschungsstätte werden.

 Baustellenbild: Ein Ziel der Sanierung war es, die Räume wieder in ihrer ursprünglichen Anmutung zur Geltung zu bringen.
Baustellenbild: Ein Ziel der Sanierung war es, die Räume wieder in ihrer ursprünglichen Anmutung zur Geltung zu bringen. Foto: Hauenherm

1933 enteigneten die Nazis das Gebäude und installierten dort eine Druckerei für eine NS-Parteizeitung - ausgerechnet. Spannend ist: Aus der NS-Zeit stammt ein Tunnel, der offenbar als Fluchtweg gedacht war - so ganz genau weiß man das nicht mehr, berichtet Hauenherm. Der Tunnel wurde während der Sanierungsarbeiten quasi wiederentdeckt und ist heute sichtbar gemacht. Nach dem Krieg fiel das Haus zurück an die SPD und wurde am 5. Mai 1947 als Museum wiedereröffnet. 1968 ging es an die Friedrichs-Ebert-Stiftung. Nun also steht die nächste Wiedereröffnung an: Das Haus ist technisch ertüchtigt, denkmalschützerisch aufgearbeitet und erfüllt nun alle Brandschutzbestimmungen. Hauenherm sagt, er habe sich über die Arbeiten mit Marx beschäftigt, sei darüber aber nicht zum Marxisten geworden. Und lacht. Wie es mit der Beurteilung von Marx' Lebenswerks zu halten ist, kann man ab dem 5. Mai in dessen Geburtshaus für sich überprüfen.

(RP)