Hoppegarten feiert 150-Jähriges: Krefelder rettet Traditionsrennbahn

Hoppegarten feiert 150-Jähriges: Krefelder rettet Traditionsrennbahn

Gerhard Schöningh ist in Krefeld geboren und nur einen Steinwurf weit von der Galopprennbahn im Stadtwald aufgewachsen. Dass er 2008 im Alter von 46 Jahren einmal Deutschlands traditionsreichste und älteste Galopprennbahn in Berlin Hoppegarten kaufen würde, war damals noch nicht abzusehen.

Gestern vor 150 Jahren läutete auf der Galopprennbahn Hoppegarten in Brandenburg östlich von Berlin in Anwesenheit von König Wilhelm I. von Preußen und Reichskanzler Otto von Bismarck zum ersten Mal offiziell die Rennglocke. Die Geschichte der Sportstätte ist bunt und lang. 2007 schien sie vor dem Ende zu stehen. Insolvenz. Der Retter kam aus Krefeld. Gerhard Schöningh kaufte das 207 Hektar große Gelände mit den historischen Gebäuden in naturnaher Umgebung. Drei Millionen Euro überwies der Fondsmanager, der seine Geschäfte inzwischen in London erledigte.

Seitdem schießt er jährliche siebenstellige Beträge in die Rennbahn Hoppegarten GmbH & Co KG hinein. Sehr zur Freude der Berliner Gesellschaft, Politik und auch Medien. Die feiern den zurückhaltenden Wessi als einen, der Wort hält und eigenes Kapital einsetzt. Inzwischen ist das große Kleinod ins "Pflegeprogramm für national wertvolle Kulturdenkmäler" aufgenommen. Beim Ausbau und Erhalt der Substanz hilft nun auch das Land Brandenburg und die Stadt Berlin.

In der Nähe der Krefelder Galopprennbahn im Stadtwald (Foto) ist der Eigentümer der Rennbahn Hoppegarten, Gerhard Schöningh, aufgewachsen. Foto: Brefort

Die Galopprennbahn Hoppegarten hat den deutschen Kaiser, zwei verheerende Kriege und mehrere politische System erlebt. Am Donnerstag feiert die altehrwürdige Galopprennbahn Hoppegarten ihren 150. Geburtstag. Drei Tage später findet auf einer der führenden deutschen Pferdesport-Anlagen der erste Saisonhöhepunkt statt: Das mit 100 000 Euro dotierte 47. Oleander-Rennen. Der Namensgeber Oleander war eines der besten je vor Ort trainierten Rennpferde.

Die Eröffnung der Galopprennbahn fand am Sonntag, 17. Mai 1868, um 16 Uhr statt. In Anwesenheit des preußischen Königs und des Bundeskanzlers des Norddeutschen Bundes, Otto von Bismarck, fanden vier Hindernisrennen statt. Unter Führung des am 15. Dezember 1867 gegründeten Union Clubs als oberste Zentrale und Behörde des deutschen Rennsportes nahm die Rennbahn Hoppegarten eine rasante Entwicklung. An den großen Renntagen strömten bis zu 40.000 Besucher ins Märkische. Super-Trainingsbedingungen lockten deutsche Gestüte.

Ein Krefelder hat die Galopprennbahn Hoppegarten wieder auf Kurs gebracht. Gestern wurde die älteste ihrer Art in Deutschland 150 Jahre alt. Foto: Marc Rühl

Ein Meilenstein in der Geschichte war der Neubau der imposanten Backstein-Tribünen in den Jahren 1918 bis 1922, die in dieser Form bis heute existieren. Im selben Jahr 1922 wurde übrigens auch die Tribüne der ebenfalls denkmalgeschützten Krefelder Galopprennbahn in Betrieb genommen. Hervorragende Trainingsbedingungen sowie die hohen Rennpreise führten dazu, dass die Mehrzahl der großen deutschen Gestüte ihre Pferde für das Training nach Hoppegarten gaben. Klassepferde wie Herold, Alchimist, Oleander, Schwarzgold, Nereide und Ticino begeisterten die Zuschauer und brachten der deutschen Vollblutzucht auch international hohe Anerkennung.

Die glanzvolle Ära von Hoppegarten endete am 28. Oktober 1944. Doch bereits am 14. Juli 1946 sorgten engagierte Männer für den ersten Renntag nach dem Zweiten Weltkrieg. In den vier Jahrzehnten des DDR-Rennsportes erfreute sich Hoppegarten unverändert großer Beliebtheit.

Nach der politischen Wende und jenem unvergessenen deutsch-deutschen Renntag am 31. März 1990 durchlebte die Rennbahn wechselvolle Jahre. Als 2008 der aus Krefeld stammende Fondsmanager Gerhard Schöningh die 207 Hektar umfassende Anlage kaufte, vollzog sich ein positiver Wandel.

Nach dem Abitur 1980 absolvierte Schöningh seinen Dienst als Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Dabei machte er auch in der Botschaft des Militärattachés in London Station. Nach der Entlassung studierte er in Bristol "Economics und Politics" und absolvierte danach ein Traineeprogramm zum Aktien-Analyst und Fondsverwalter bei Robert Fleming & Co in London. Nach einigen Jahren Berufserfahrung gründete er eine eigene Gesellschaft mit. In Krefeld kümmerte er sich sieben Jahre lang um die Rennleitung im Stadtwald und war Vorstandsmitglied im Krefelder Rennverein.

(RP)
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