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Krefelder Polizistin im Einsatz auf dem Jakobsweg

Von Krefeld nach Spanien : Polizistin auf dem Jakobsweg

Zwei Wochen lang war die Krefelder Polizeikommissarin Taïs Zabrocki in Santiago de Compostela im Einsatz. Im Rahmen des Austauschprogramms „Europäische Kommissariate“ unterstützte sie die Beamten der Guardia Civil.

Eigentlich war Málaga das Wunschziel gewesen, denn von dort stammen ihre Eltern. Dann aber wurde es Santiago de Compostela. Am Endpunkt des Jakobsweges verbrachte Taïs Zabrocki zwei Wochen, um die Beamten der Guardia Civil zu unterstützen. Für die 28-jährige Krefelder Polizeikommissarin war es bereits der zweite Einsatz in Spanien, der im Rahmen des Austauschprogramms „Europäische Kommissariate“ vom Bundesinnenministerium lief.

Im Jahr 2019 war sie in Santa Magalida auf Mallorca, um die Kollegen vor Ort zu unterstützen. Im vergangenen Jahr fiel das Programm aufgrund der Pandemie aus. Jetzt war es wieder möglich. Zabrocki bewarb sich Anfang des Jahres erneut, wobei das Sprechen der spanischen Sprache eine Voraussetzung ist. Für die gebürtige Krefelderin mit den spanischen Wurzeln kein Problem. Sie spricht fließend Spanisch. Es wurde dann zwar nicht der Wunschort, der einst die Heimat ihrer Eltern war, aber „ich bin froh, dass es Santiago de Compostela wurde. Es war fantastisch“, sagt Zabrocki.

 Ein Abschiedsgeschenk der Guardia Civil für die Kollegen aus dem Ausland.
Ein Abschiedsgeschenk der Guardia Civil für die Kollegen aus dem Ausland. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
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Am Freitag, 16. Juli, ging es los, am Sonntag, 1. August, stand die Heimreise an. Zusammen mit elf weiteren Kollegen aus Deutschland, Frankreich, Italien und England gehörte Zabrocki zu den Beamten, die am Endpunkt des Jakobswegs Ansprechpartner für Pilger sind. Aufgeteilt in zwei Gruppen und erkennbar an einer Armbinde mit der obligatorischen Jakobsmuschel, waren die Polizisten im Früh- und Spätdienst im Einsatz. Leute zu Fuß oder mit Eseln unterwegs, auf dem Pferd und dem Fahrrad – die Krefelderin lernte die unterschiedlichsten Menschen und ihre Beweggründe zum Pilgern kennen.

Eine Geschichte hat Zabrocki tief bewegt und sie noch Tage lang gedanklich begleitet. „Eine deutsche Pilgerin, die alleine unterwegs war, hat sich an uns gewandt, weil ihr ein Stick abhanden gekommen war. Auf dem Stick waren Erinnerungen an ihren vor sechs Wochen verstorbenen Mann gewesen. Sie war auf dem Jakobsweg unterwegs, um alles zu verarbeiten, und wusste nicht, ob sie den Stick verloren hatte oder ob er ihr entwendet wurde“, erzählt die 28-Jährige. Sie und ihre Kollegen halfen der Frau, den ganzen Ort abzusuchen, und sprachen die Bewohner an. Letztlich teilte eine Bewohnerin mit, dass sie einen Stick an einem Kabel auf den Stufen der Kirchentreppe gesehen hätte. Das Kabel lag noch dort, der Stick war weg.

 Die spanische Presse berichtet über den Einsatz der ausländischen Polizeibeamten in ihrem Land.
Die spanische Presse berichtet über den Einsatz der ausländischen Polizeibeamten in ihrem Land. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

„Wir hätten der Pilgerin so gerne geholfen. Letztendlich haben wir eine Anzeige aufgenommen, weil wir davon ausgegangenen sind, dass der Stick gestohlen wurde“, sagt Zabrocki. Das war übrigens die einzige Anzeige in der gesamten Zeit. Der Jakobsweg ist sicher. Etwas, was den Polizisten immer wieder von den Pilgern mitgeteilt wurde. Auch allein reisende Frauen sind mit einem guten Gefühl unterwegs. Ein Gefühl, zu dem die Präsenz der Polizei ein stückweit beiträgt.

Die Krefelder Polizistin spricht von einer unvergesslichen Zeit, die mit vielen Emotionen verbunden gewesen ist. „Die Stadt  ist magisch. Wenn Pilger über die Treppe der Kathedrale gehen, dann  begleitet sie Applaus, und die Menschen singen gemeinsam. Es ist einmalig“, schwärmt Zabrocki. Die 14 Tage vor Ort hätten die internationale Gruppe von Polizisten zusammengeschweißt. Beim Abschied sei das ein oder andere Tränchen geflossen. Über die eigens eingerichtete WhatsApp-Gruppe wird weiterhin der Kontakt gehalten. Sie habe Freunde fürs Leben gefunden, da ist sich Zabrocki sicher.

Und in einem ist sie sich ebenfalls ganz sicher. Sie möchte den Jakobsweg auch gerne einmal privat gehen. Einen ersten kleinen Vorgeschmack bekam sie schon. In ihrer Freizeit joggte sie zusammen mit mehreren Kollegen die letzte Etappe des französischen Jakobswegs. „Eine Kollegin brachte uns mit dem Auto zum Ausgangsort. Dann sind wir die 25 Kilometer zurück gelaufen. Danach ging es in den Spätdienst. Anstrengend, aber einmalig“, sagt Zabrocki. In Sachen Austauschprogramm möchte sie indes im kommenden Jahr ebenfalls wieder ihre Bewerbung auf den Weg bringen. Gerne wieder für Santiago de Compostela.