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Krefelder Polizist nimmt nach 22 Jahren Abschied von der Leitstelle

Abschied aus dem Polizeidienst :  Fritz Nauen verlässt nach 22 Jahren die Leitstelle

Als Fritz Nauen zum ersten Mal die Leitstelle betrat, zeichneten noch Tonbandgeräte die Gespräche auf. Heute, bei seinem Abschied nach 43 Jahren im Polizeidienst, gibt es dort modernste Technik. Ein Blick hinter die Kulissen.

Es gibt Sachen, die ändern sich nicht. Im Lageraum der Einsatzzentrale der Krefelder Polizei ist das eine unscheinbare Tisch-Glocke. Sie steht mitten zwischen den High-Tech-Monitoren. „Wenn eine wichtige Nachricht eintrifft, nimmt der Beamte, der sie bekommen hat, die Glocke in die Hand und bittet mit dem Läuten um Aufmerksamkeit“, erklärt Fritz Nauen. Der Erste Polizeihauptkommissar muss es wissen. Seit 43 Jahren ist er im Polizeidienst, 22 Jahre davon auf der Leitstelle.

Er erinnert sich noch gut an das erste Mal, als er die Leitstelle betrat. Das war 1985. An den Tischen saßen vier Polizeibeamte und schrieben die Informationen zu den Einsätzen auf Zettel, die sie mit einem Zeitstempel versahen. Ein reiner Männer-Club war das Team zu dieser Zeit. Frauen suchte man genauso vergebens wie Computer. Kollegin Lena Wörmer muss schmunzeln. Die Polizeikommissarin ist erst seit kurzem auf der Leitstelle.

Fritz Nauen erzählt: „An der einen Wand waren lauter Tonbandgeräte angebracht, die jedes eingehende Gespräch aufgezeichnet haben. Mit den Zetteln sind die Kollegen zu den Funkern gegangen.“ Die Funker erfuhren durch rot und grün leuchtende Knöpfe, welche Streifenwagenbesatzung zur Verfügung stand, und schickten diese dann zum Einsatzort.

Und heute? Heute sitzen die Beamten der Leitstelle gleich vor fünf Monitoren und haben zwei Telefone zur Verfügung. 24 Beamte arbeiten dort in drei Schichten und sorgen dafür, dass die Einsätze, 98.000 waren es 2017, bearbeitet werden. Über Headset sprechen die Polizisten mit den Anrufern, so dass sie die Hände frei haben, um schon während des Anrufes per Computer Informationen zu dem Einsatz abzurufen. So sehen sie die Lage des Einsatzortes auf einer Karte oder aus der Vogelperspektive, erfahren, wie viele Personen unter der Adresse gemeldet sind oder ob es zu einem der Genannten ein Vorstrafenregister gibt.

„Jeder besorgte Bürger soll sich bei uns melden. Keiner, der aus Sorge bei uns anruft, muss damit rechnen, etwas falsch zu machen. Ganz im Gegenteil. Wir sind dankbar für jeden Hinweis. Auch wenn sich die Bedenken vielleicht nachher als falsch herausstellen, ist es immer richtig, uns zu informieren“, betont Nauen. Nach 22 Jahren auf der Leitstelle kennt er viele der regelmäßigen Anrufer. Es sind oft ältere, einsame Menschen, die Kontakt suchen. „Da weiß man mit der Zeit schon sehr viel Privates und hat vielleicht auch schon mit einer Tochter oder einem Sohn gesprochen“, sagt Fritz Nauen. Gern erinnert er sich an Einsätze, die ein glückliches Ende fanden. So wie damals, als ein lebensmüder Anrufer berichtete, er stehe auf den Gleisen. Der Kollege, der mit ihm sprach, kämpfte selbst gerade gegen eine Krebserkrankung und schaffte es darüber, eine Verbindung zu dem Verzweifelten aufzubauen, so dass er Hilfe annahm und gerettet wurde.

„Mir wird die Arbeit fehlen. Vor allem das Team, die netten Gespräche und die gute Zusammenarbeit.“ Wehmut schwingt mit, wenn der Erste Polizeihauptkommissar an seinen Abschied denkt, der mit dem Abfeiern der unzähligen Überstunden schon begonnen hat. Nauen gibt den Stab nun weiter an Kollegin Lena Wörmer. Sie hat wie alle Beamten der Leitstelle bereits mehrere Jahre im Streifendienst hinter sich. Mit Computern kennt sie sich ebenfalls gut aus. Und freut sich darauf, bei einem Großeinsatz - ganz alte Schule - zur Glocke greifen zu können.