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Krefelder Orgelsommer legt triumphalen Start mit großen Sinfonien hin

Musik in Krefeld : Triumphaler Start des Krefelder Orgelsommers in St. Cyriakus

Mit bombastischen Sinfonien begann der Krefelder Orgelsommer. Die Musikfans hatten die Konzertreihe heiß erwartet. Ihre Hoffnungen wurden nicht enttäuscht. Heinz-Peter Kortmann begeisterte mit stimmungsvollen Interpretationen.

Der Krefelder Orgelsommer findet trotz Coronabeschränkungen statt, das ist eine gute Nachricht für alle Freunde der Kirchenmusik. Die Nachfrage nach Karten zum ersten Orgelkonzert in St. Cyriakus Hüls war entsprechend groß. Ein Programm, das Kantor Heinz-Peter Kortmann eigentlich im April spielen wollte, bot er nun seinem aufmerksamen Publikum – von Charles Marie Widor (1844-1937)die Symphonie Nr.6 in g-Moll und von dessen Schüler Louis Vierne (1870-1937) die 2.Symphonie in e-Moll.

Die kostbare Metzler-Orgel mit ihren vielfarbigen, optimal intonierten 49 Registern lässt auch bei der Wiedergabe spätromantischer französischer Orgelmusik keine Wünsche offen. Ihr fehlt es weder an klanglicher Wucht noch an stimmungsvollen Registerfarben. Allerdings bedarf es eines Interpreten wie Kortmann, der wieder einmal technisch Anspruchsvollstes souverän meisterte und andererseits mit Ruhe und Ausgeglichenheit den lyrischen Momenten nachspürte.

Widor, Titularorganist an der Pariser Kirche St. Sulpice und Orgellehrer am Pariser Conservatoire, spielte die Uraufführung seiner sechsten Symphonie 1878 – im Beisein von Franz Liszt – zur Einweihung der Pariser Trocadéro-Orgel. Wuchtige Klangballungen eröffnen das eindrucksvolle Opus, dessen Kopfsatz – zum ersten Mal bei Widor – in der Sonatenhauptsatzform steht. Streicherfarben dominieren das graziöse Adagio, während der dritte Satz von peitschenden Arpeggien bestimmt ist. Auf ein lyrisches Cantabile folgt als jubelnder Schlusspunkt ein markant rhythmisiertes Rondo.

„Die Symphonie von Herrn Vierne zählt zu den Bemerkenswertesten; höchste Musikalität vereint sich hier mit genialer Erfindungskraft. Der alte J.S. Bach, unser aller Vater, wäre mit Herrn Vierne zufrieden gewesen“, urteilte Claude Debussy nach der Uraufführung von Viernes 2. Symphonie 1903. Louis Vierne, Titularorganist an Notre Dame in Paris, war Schüler von César Franck und Charles Widor, deren Einfluss in dem ebenfalls fünf Sätze umfassenden, stark von Chromatik bestimmten Werk nicht zu überhören ist. Es schließt mit einem triumphalen Finale – geschrieben  für den typisch gotischen Kathedralklang von Notre Dame. Kortmann, die Metzler-Orgel und die gute Akustik in St. Cyriakus boten auch hier eine gültige Wiedergabe: Das Publikum war begeistert.

Am Sonntag, 16.August, ist ab 18 Uhr der junge italienische Konzertorganist Nicolò Sari an der Rieger-Orgel in der Friedenskirche zu hören.