Krefeld: Krefelder Kabarett Komplott: Gags aus drei "Generationen" zünden

Krefeld : Krefelder Kabarett Komplott: Gags aus drei "Generationen" zünden

Im Podio bekam das Publikum Lachanfälle: Rüdiger Höfken als Mann im besten Mittelalter, Volker Diefes als schlafloser Vater und David Werker als digital Vernetzter zeigten beste Krefelder Comedy.

Sie gehören drei unterschiedlichen Bühnengenerationen an, erzählen unterschiedliche Geschichten, doch sie harmonieren perfekt: David Werker, Volker Diefes und Rüdiger Höfken bilden das Krefelder Kabarett Komplott.

Am Sonntag spielten sie "nach gefühlten 30 Jahren" endlich wieder zusammen, im ausverkauften Podio-Theater. "Sagt mal, gab es heute keinen Tatort im Fernsehen? Oder was macht ihr sonst hier?" "Nur nen schlechten", rief ein Zuschauer zurück. In der Tat, der Fernseh-Krimi sollte schlechte Kritiken bekommen, dennoch dürfte das bei der Wahl der Abendgestaltung für die meisten Zuschauer kaum eine Rolle gespielt haben. Vielleicht hätten sie es sich noch einmal überlegt, wenn sie gewusst hätten, wie schwierig das Podio derzeit zu erreichen ist.

"Die legen uns keine Steine in den Weg, sondern leere Bierflaschen", kommentierte Höfken den mit Leergut von der Brauerei Königshof zugestellten Innenhof der Spielstätte. Im Sommer ist an der Untergath 60 Schluss mit Theater, doch "das Podio wird es immer geben", sagte Höfken. Und erntete dafür reichlich Applaus.

David Werker überlegte unterdessen, wie es wohl ausschauen wird, wenn die Schweizer ihre Grenze dichtmachen. "Die schmeißen dann erst mal Toblerone in XXL auf die Autobahn — da kommt keiner drüber. Und wenn es doch einer schafft, dann gibt es 'ne Schotterpiste aus Ricola-Bonbons und direkt dahinter einen zehn Meter breiten Streifen aus Käsefondue."

Jeder der drei Kabarettisten brachte die für seine Altersklasse typischen Probleme auf die Bühne: Diefes erzählte von Vater-Freuden, die er gerade erlebt, und stürzte sich auf die Facebook-Kritik. "Denkt doch mal nach, wer hat denn Facebook gegründet? Das waren die Außenseiter auf dem Schulhof, die ihr immer geärgert habt. Und denen vertraut ihr nun Eure persönlichen Daten an?" Rüdiger Höfken stürzte sich auf das Älterwerden, unerreichbare Ideale, Geburtstage, angemessene und unangebrachte Geschenke und natürlich den Klassiker: Ein Mann berichtet von seinen Erlebnissen bei einer Check-up-Untersuchung, die an Nahtod-Erfahrungen erinnern. "Es gibt einfach zwei Dinge, die ein Mann nicht tut. Nach dem Weg fragen und zum Arzt gehen."

David Werker, der Jüngste im Bund und "Digital Native", erzählte von den Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, von der anstrengenden Fünf-Stunden-Woche beim Germanistik-Studium und seinen Eltern "die nun aus dem Gröbsten raus sind, weil sie schon selbstständig skypen können." Die Mischung funktionierte perfekt — die Zuschauer hatten ihren Spaß beim Generationen-Kabarett. Eine Zuschauerin konnte mit dem Lachen gar nicht mehr aufhören. "Waren da noch Worte dazwischen oder war das jetzt nur noch Schnappatmung", fragte Werker, der sich selbst das Lachen kaum noch verkneifen konnte, als er die Tränen lachende Frau in Reihe drei erspähte.

Auch Höfken und Diefes hatten sichtlich ihren Spaß auf der Bühne, und so wurde es für alle im Podio Wohnzimmertheater ein gelungener Abend.

(RP)
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