Krefelder gewinnt erneut Weltmeistertitel im Hip-Hop

Weltmeistertitel im HipHop : Die Besten der Welt tanzen für Krefeld

Bei der HipHop-WM feierten deutsche Tänzer einen Dreifacherfolg. Der Krefelder Can Berdermann ist erneut Solo-Weltmeister.

Bei den  HipHop-Heimweltmeisterschaften  in Bremerhaven des Welttanzverbandes IDO waren Krefelds Tänzer erneut überaus erfolgreich. In der Königsdisziplin, dem HipHop-Solo konnten deutsche Tänzer gar einen Dreifacherfolg feiern, das gelang bei einer WM des IDO noch keiner Nation: Der Deutsch-Türke Can Berdermann, 20, errang nach 2017 zum zweiten Mal Weltmeistertitel in dieser Kategorie. Zuvor hatte er sich in mehreren Tanzrunden gegen 63 Tänzer durchgesetzt. Insgesamt war es sein sechster WM-Titel bei den Erwachsenen. Im Finale habe  Can sich besonders wegen seiner Breakdance-Moves von den Konkurrenten abgesetzt, sagt Mutter Mine Berdermann, die Krefelds international bekannte Tanzschule Mine Sports betreibt: „Wenn er da seine Saltos zieht oder sich ein paar Sekunden auf dem Kopf dreht, beeindruckt das die Richter“, erklärt Mine. Can würde quasi HipHop mit Breakdance kombinieren und damit seine Anfänge und Erfolge aus dem Breakdance anteilig auf den HipHop-Tanzstil übertragen. Dabei musste Can als erster der sechs Finalteilnehmer performen, aber „hat die Messlatte dann gleich  ganz hoch gesetzt.“ Seine Darbietung beruhte dabei nicht auf einer zuvor eingeübten Choreographie, sondern Can und die meisten anderen Tänzer improvisieren und kombinieren verschiedene Tanzelemente, passend zur jeweiligen Musik, auch Freestylen genannt.

Platz zwei und drei belegten die beiden, ebenfalls über die Krefelder Tanzschule gestarteten Hannoveraner Sydney Amoo und Sidney Macauley, die zuletzt bei den Battles im Team mit Can als Crew TG Europameister und diesmal bei der WM in dieser Kategorie Vierter wurden. „Die drei sind seit Jahren befreundet, Sidney und Sydney identifizieren sich voll mit meiner Tanzschule“, sagt Mine Berdermann. Sie erhält Anfragen von Tänzern aus ganz Deutschland, die unter dem Namen der renommierten Tanzschule bei Wettbewerben starten möchten.

Insgesamt waren bei den jährlich stattfindenden IDO-Weltmeisterschaften für HipHop, Breakdance und Elektric Boogie zwischen dem 15. und 19. Oktober 3300 Tänzer aus 34 Nationen von vier Kontinenten vertreten, die in den Kategorien Solo, Duo, Gruppe und Formation und in den Altersklassen Mini Kids, Kids, Junioren und Erwachsene gegeneinander angetreten sind. 650 Tänzer des Verbandes TAF Germany haben Deutschland bei der Heim-WM vertreten.

Can Berdermann überzeugte die Jury im HipHop Solo-Finale mit seiner von Breakdance-Elementen gespickten Darbietung – sein zweiter Titel nach 2017. Foto: Mine Berdermann

Die WM sei „eine der am besten organisierten bei der ich je war“, betont Mine Berdermann. Die Stimmung sei „richtig toll“ gewesen, schließlich habe sie das repräsentiert, für was HipHop stehe: Ein bestimmtes Lebensgefühl sowie ein offenes Miteinander verschiedener Kulturen und Nationalitäten. Es gebe so gut wie keine Animositäten, und viele Zuschauer bejubeln nicht nur die Starter der eigenen Nation.  Ihr Sohn Can hat sich in der Szene bereits derart einen Namen gemacht, dass er von einer großen Gruppe Engländer auf der Tribüne frenetisch gefeiert wurde und sich Mutter Mine irgendwann in einer Traube umherspringender Briten wiederfand.

Für eines hat sich Can mittlerweile entschieden: Die IDO-WM 2019 wird seine letzte gewesen sein. Wie Mutter Mine ist er seit 13 Jahren dabei, ist in allen denkbaren Kategorien und Altersklassen angetreten und strebt nun nach Höherem. So sei es sein Wunsch bei noch renommierteren Tanzveranstaltungen anderer Verbände zu reüssieren, wie Just Debout in Paris oder die Weltmeisterschaften des Verbandes Hip Hop International HHI. Gerade in Amerika, China oder Korea ist der Sport um ein Vielfaches populärer, die Konkurrenz und die Einkünfte dementsprechend höher. Aber auch in Deutschland habe sich viel getan, sagt Mine Berdermann. „Vor 15 Jahren haben Tanzschulen nur traditionelle Tanzarten angeboten, das hat sich grundlegend geändert, HipHop-Tanz ist salonfähig geworden.“ Für ihren Sohn wünscht sich Berdermann, dass er seinen eigenen Weg gehe, frei sei, viel reise, vermutlich würde es den 20-Jährigen bald weg aus Krefeld in eine internationale Großstadt ziehen.

Gibt es auch nicht alle Tage: drei deutsche Flaggen auf der Videoleinwand. Foto: Mine Berdermann

Ein weiteres großes Talent wusste in der Junioren-Klasse zu brillieren. Der 15-jährige Deutsche Meister und Düsseldorfer Noah Sangu Pamba trainiert erst seit einem Jahr in der Tanzschule Mine Sports in Krefeld und wurde bei seinem ersten Start sogleich Vizeweltmeister im HipHop-Solo. Mit der von Can Berdermann trainierten vierköpfigen MSB-Crew, deren Mitglieder aus verschiedenen Ecken Deutschlands fünf Mal im Jahr zu einer Art Camp in Krefeld zusammen kommen und für die Tanzschule bei Wettkämpfen starten, war Pamba ebenfalls erfolgreich: Gemeinsam mit Got2Dance-Siegerin Leonie Brouwer Pohlenz (Bremerhaven), Curtis Brockmann (Dülmen) und Lias Christian (Freiburg) wurde Pamba bei den Team-Battles in der Juniorenklasse Dritter. Nur die Crews aus Holland und dem Vereinigten Königreich waren noch stärker. Mine Berdermann sieht in Pamba „großes Potenzial“, er sei ein „richtiges Naturtalent.“ Nächstes Jahr wird er erstmals bei den Erwachsenen mitmischen.

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