Krefelder Bunker will Bunker kaufen

Krefeld : Krefelder Tafel will Bunker „kaufen“

Der Verein will kein Immobilienbesitzer werden; bei dem Kauf mit sofortigem Weiterverkauf geht es um ein Modell des Besitzerwechsels, der der Tafel ein Bleiberecht sichern soll. Die Krefelder Politik unterstützt den Plan.

Es ist ein verblüffendes Modell, das der Krefelder Tafel ein dauerhaftes Bleiberecht im Bunker an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße/ Schönwasserstraße sichern könnte. Die Krefelder Politik ist damit einverstanden und hat den Weg gestern Abend im Finanzausschuss mit großer Mehrheit freigemacht. Nun hängt es noch an der   Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und einem Investor, ob das ganze Manöver glückt.  Der Vorsitzende der Krefelder Tafel, Hansgeorg Rehbein, lässt keinen Zweifel, wie wichtig das Gelingen für die Tafel wäre: „Der Standort ist für die Tafel wegen seiner Lage und der guten Lagerungsmöglichkeiten existenziell wichtig“, sagte er auf Anfrage unserer Redaktion. Allein die Nachbarschaft zum Mittagstisch in der Herz-Jesu-Kirche sei ein Glücksfall.

Die Ausgangslage ist nicht ganz einfach. Das Grundstück, auf dem der Bunker steht, gehört der Stadt Krefeld und der BImA; der Plan ist, den Bunker an die Tafel zu verkaufen und dann sofort an einen Investor weiterzuverkaufen. Ziel: Die Tafel könnte als Zwischenhändler und Kurzzeit-Besitzer vertraglich ein langfristiges Bleiberecht erhalten. „Keinesfalls wollen wir Immobilienbesitzer werden“, betont Rehbein; das ließe sich auch finanziell gar nicht darstellen.

Die Krefelder Politik trägt das Modell mit und hat gestern Abend im Finanzausschuss für den Verkauf an die Tafel gestimmt. Rehbein ist nun noch in Gesprächen mit der BImA, die als Miteigentümer des Grundstücks auch zustimmen muss, und dem Investor. Der Vorsitzende der Tafel hofft, dass alles zu einem guten Ende kommt.

Die  Krefelder Tafel hat eine vergleichsweise turbulente Zeit hinter sich.  Bekanntlich wurde das Dach des Bunkers im Januar 2018  vom Wintersturm Burglind in Mitleidenschaft gezogen. Auf dem Betonklotz wurde beim Bau ein Spitzdach montiert - zur Tarnung, um das Gebäude von oben wie ein normales Wohnhaus aussehen zu lassen. Dieses Dach wurde durch den Sturm beschädigt, so dass die Stadt den  Bereich um den Bunker inklusive eines Teils der Schönwasserstraße sowie die Zufahrt zum Kindergarten Herz-Jesu und zu einigen Wohngebäuden zeitweise sperren musste. Das Gebäude war nur noch eingeschränkt nutzbar, die Akteure der Krefelder Tafel mussten improvisieren. Es gab im Verlauf von 2018 eine provisorische  Essensausgabe auf dem Schulhof der Gesamtschule Kaiserplatz und einen Teil-Umzug an den Westwall in das Haus des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM).

Der Verkauf des Bunkers über die Tafel an einen Investor würde die Arbeit der Tafel verstetigen. Die Räume dort sind die Logistikzentrale; dort werden die Lebensmittel mit den Transportern der Tafel angeliefert, sortiert und zum Abtransport an die Ausgabestellen vorbereitet. „Auf Grund seiner gleichbleibend niedrigen Temperaturen und seiner großen Lagerfläche ist der Bunker als Lager- und Umschlagplatz für die Krefelder Tafel unverzichtbar“, heißt es auf der Internetseite der Tafel.

Seit 2007 unterhält der Verein auch eine Kindertafel, die Schulen, soziale Einrichtungen und Kindertagesstätten finanziell unterstützt. Die Kindertafel finanziert die Versorgung bedürftiger Kinder mit. Sie übernimmt den Elternanteil für eine warme Mahlzeit, unterstützt die Einrichtungen beim Kauf von Obst und Gemüse, besorgt fürs Frühstück Milch oder Kakao und für die Ganztagsbetreuung Snacks. Damit Kinder den Umgang mit Lebensmitteln kennen lernen, unterstützt die Kindertafel besonders den Kochunterricht an Schulen.

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