Krefeld: Zwei Vierjährige unbemerkt aus einer Kita verschwunden

Vater informierte Erzieherinnen : Vierjährige verschwinden unbemerkt aus Krefelder Kita

Zwei Vierjährige sind unbemerkt aus einer Kindertagesstätte verschwunden. Die Eltern sind nun in Sorge. Denn erst durch den Anruf eines Vaters fiel das Fehlen der Kinder auf.

Unbemerkt haben sich zwei Vierjährige am Montag vom Gelände der Kindertagesstätte am Kempschen Weg entfernt. Die Jungen liefen rund 500 Meter weit zur Wohnung des einen Kindes und überquerten dabei eine verkehrsberuhigte Straße. Zufällig war der Vater des Jungen zu Hause und öffnete den beiden die Tür. Er informierte sofort die Erzieherinnen, die das Verschwinden der Vierjährigen noch gar nicht bemerkt hatten.

Die Eltern sind in Sorge. „Die beiden Jungen hatten sehr viel Glück, dass nichts passiert ist und sie den Vater angetroffen haben. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was alles hätte geschehen können“, sagt Natalia Ni, Mutter des einen Ausreißers. Sie kann nicht verstehen, wie zwei Kinder unbemerkt vom gesicherten Kindergarten-Gelände verschwinden können.

„Die beiden Jungen waren alleine im Außenbereich, als ihnen langweilig wurde und sie auf die Idee kamen, lieber zu Hause im Garten spielen zu wollen“, erzählt die Mutter. Zuvor hatten die Vierjährigen in der Gruppe Laternen gebastelt. Weil sie schnell damit fertig waren, schickten die Erzieherinnen sie alleine zum Spielen in den Außenbereich. Als sie ins Gebäude zurückkommen sollten, entschieden sich die Kleinen, nach Hause zu gehen. Sie kletterten über den gut 1,70 Meter hohen Zaun und liefen davon. Als Erklärung für ihr Verhalten sagten sie später, im Kindergarten sei es langweilig.

„Eine Erzieherin hat mich auf der Arbeit angerufen und erzählt, was passiert ist. Ich konnte es gar nicht glauben. Sicher ist, der Vorfall muss Konsequenzen haben. So etwas darf nicht noch mal passieren“, sagt Natalia Ni. Denn schon lange gebe es Beschwerden über das aus Elternsicht unzureichende Angebot der Kindertagesstätte. „Die Erzieherinnen schreiben Dokumentationen über Dokumentationen. Sie sollen sich mehr um unsere Kinder kümmern. Es gibt kaum mal Ausflüge oder andere Unternehmungen. Da ist es ja kein Wunder, wenn den Kindern langweilig wird und sie auf dumme Gedanken kommen“, kritisiert sie.

Eine Erklärung für das unentdeckte Verschwinden der Vierjährigen haben die Erzieherinnen ihr nicht genannt. „Sie waren fassungslos und sagten, sie hätten den Kindern vertraut. Sie wären immer zuverlässig gewesen. Das ist aber doch nicht professionell. Man kann doch keinen Vierjährigen vertrauen“, sagt die empörte Mutter. „Ich vertraue mein Kind den Erzieherinnen an. Und dieses Vertrauen ist nun erschüttert.“ Sie hat deswegen um ein Gespräch gebeten, an dem neben den Eltern und Erzieherinnen auch ein Verantwortlicher der Stadt teilnehmen soll. Ob es dazu kommen wird, ist noch nicht bekannt. „Wir warten jetzt ab, was passiert und hoffen, dass es eine Lösung im Sinne der Kinder geben wird. Sie brauchen Abwechslung und Ansprache. Neben allen Dokumentationen muss dafür Zeit bleiben, sonst wird die Einrichtung ihrem Auftrag nicht gerecht“, sagt Natalia Ni.

Auf Anfrage erklärte die Stadt: „Die Kinder befanden sich zum Zeitpunkt des Entweichens unter Aufsicht in einem mit den Kindern abgesprochenen und festgelegtem Bereich. Sie waren in einem intensiven Spiel vertieft, und Langeweile war nicht erkennbar. Beide Kinder galten bislang als überprüft vertrauenswürdig, was die Einhaltung von Regeln betrifft. Es stellte sich heraus, dass die Kinder in einem unbeobachteten Moment den Zaun überwunden haben.“ Umgehend würden nun entsprechende Maßnahmen ergriffen, und die Sachlage werde unter Einbindung der betroffenen Eltern derzeit überprüft. Doch auch wenn die Kita Am Kempschen Weg betroffen vom Fachkräftemangel sei, sei ein direkter Zusammenhang mit der personellen Situation derzeit nicht erkennbar.

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