Krefeld: Zwei Prominente lasen bei der "Nacht der Kirchen"

Lena Bröder und Mola Adebisi : Prominente bei der „Nacht der Kirchen“

Mit prominenter Besetzung erhofften die Veranstalter der Nacht der offenen Kirchen viele Besucher in die Gemeinden zu locken. Doch weder Miss Germany Lena Bröder noch Moderator Mola Adebisi schafften es, die Reihen zu füllen.

Sie vereint zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Als Religionslehrerin verdient Lena Bröder ihren Unterhalt, als Miss Germany wurde sie 2016 bekannt und tritt noch heute regelmäßig in das Rampenlicht. Bei ihrer Lesung in der Klinikskapelle Königshof, anlässlich der 8.Nacht der offenen Kirchen, vereint sie beide Rollen: Im Kleid und mit hochhackigen Schuhen sitzt sie hinter einem Tisch, ihre „Miss Germany 2016“-Schärpe hängt über der Rückenlehne des Stuhls, ihr Blick fällt in die Sitzreihen. Sie liest selbstbewusst und klar verständlich drei Kapitel aus ihrem Buch „Das Schöne in mir: Mit Glaube zum Erfolg“. In dem autobiographischen Werk thematisiert sie verschiedene Aspekte: Es geht um den Tag der Wahl und wie sie sich beim sechsten Anlauf endlich den Traum erfüllte, für den sie fast alles getan habe. Es geht um ihre Entscheidung, Religionslehrerin zu werden, und wie sie das Lehramtsstudium antrat, obwohl sie selbst keine fokussierte Schülerin gewesen sei. Es geht um die Parallelen und Unterschiede zwischen dem Auftritt bei einer Miss-Wahl und dem vor einer Klasse. Es geht um ihre Oma Eva, die sie lehrte, wie wichtig es ist, zu geben und sich für etwas einzusetzen.

Die Besetzung in den Reihen ist eher dünn – nur knapp 20 Leute lauschen der Schönheitskönigin, keiner jünger als 25, die meisten weit älter. In der offenen Fragerunde thematisiert Bröder ihren Wunsch an die Kirche: Das Angebot müsse frischer werden, um auch ein jüngeres Publikum anzulocken, zum Beispiel durch zunehmende Präsenz in den sozialen Medien. „Ich hatte Schüler, die noch nie in der Kirche waren“, berichtet die Religionslehrerin. Viele Kinder wüssten nicht, was die Kirche zu bieten habe, und so gehe sie oft mit ihren Schülern in ein Gotteshaus. Sie wolle allerdings nicht missionieren, erläutert Bröder. Als Pädagogin wolle sie die Kinder zum Denken anregen, ihnen Werte vermitteln. Die 29-Jährige hat kürzlich ihr Referendariat beendet und ist erstmalig auch Klassenlehrerin. Ihren Schülern versuche sie, eine „tolle Schulzeit“ zu ermöglichen, berichtet sie. Besonders wichtig sei für Bröder das Gemeinschaftsgefühl, welches sie selbst in der Schule und der Kirche erfahren konnte.

Mit ihrem Leben ist Bröder zufrieden. Die Schönheitskönigin hat sich von dem Glamourleben distanziert. Ihr Sieg mit 26 Jahren, damals als älteste Miss Germany der Geschichte, war eine Momentaufnahme, in der sie schon reif genug gewesen sei, um zu wissen, was im Leben zähle. Sie sei froh, sich ihren Traum erfüllt zu haben, und doch war sie sich sicher, als Lehrerin arbeiten zu wollen. „Religion ist mein Herzensfach“, erklärt Bröder. Heute blickt sie entspannt auf den vermeintlichen Zwiespalt ihrer Person: Sie schlüpfe in eine Art Rolle, die Rolle, die von ihr abverlangt würde. Als Miss Germany besucht sie Shows nur noch dann, wenn sie es wirklich wolle, nicht weil sie es müsse. Authentizität sei für sie das Wichtigste. Ihren Glauben verstecke sie nicht, auch nicht in der Rolle der Schönheitskönigin. Es sei schön zu wissen: „Montagmorgen heißt es wieder Religionsunterricht bei Frau Bröder.“

Adebisi erzählt über Erfahrungen mit Rassismus

In der Mennonitenkirche hält zeitgleich Mola Adebisi ebenfalls eine Lesung und leitet die Podiumsdiskussion. Der deutsche Moderator nigerianischer Abstammung war zehn Jahre lang Teil des Fernsehsenders Viva und schrieb 2013 ein Buch über seine Erlebnisse. Er schildert darin seine Erfahrungen mit Rassismus und Ausgrenzung. Seine Popularität habe Adebisi sehr genossen. „Mein Leben war nicht schlecht, nur sehr extrem“, sagt er. Wenn man ihn fragt, woher er komme, antworte er immer: „Aus Uelzen. Ich bin Rheinländer.“ Doch einige Vorfälle warfen bei dem Moderator die Frage auf, wie ein Schwarzer in Deutschland aufwächst. Auf der einen Seite lebte Adebisi seinen Traum bei großen Live-Auftritten, auf der anderen Seite wurde er mit Morddrohungen konfrontiert. „Deutschland war von diesem Moment an für mich anders geworden“, erklärt Adebisi, der es liebte, in der Öffentlichkeit zu sprechen und die Energie der Massen zu spüren. Eingeordnet in „Risikostufe 3“ war der Moderator verpflichtet, 24-Stunden-Sicherheitspersonal um sich herum zu haben. Ihm bliebe nichts anderes übrig, erzählt er. Von diesem Tag an war er drei Mal so aufmerksam wie sonst. Man entwickle eine Angst und vermute plötzlich an jeder Ecke Rassismus, sagt er.  Es folgten Beleidigungen, auch öffentlich, die Mola Adebisi immer mehr mit dem Hass einer Neonazi-Szene konfrontierten. Seine Bekanntheit brachte ein hohes Risiko mit sich, doch Aufgeben kam für ihn nie infrage.

Mit emotionalen Erzählungen aus seinem Buch, das er nie in den Handel brachte, rührte Mola Adebisi die Zuhörer, fand jedoch immer wieder witzige Anekdoten, die die Stimmung lockerten und das Thema Alltagsrassismus greifbar machten. Seine Erlebnisse niederzuschreiben und sich mit dem eigenen Leben auseinanderzusetzen war wie eine Therapie für den heute 46-Jährigen.

Moderator Mola Adebisi leitete in der Mennonitenkirche eine Podiumsdiskussion zum Thema „Rassismus im Altag“. Foto: Lothar Strücken

In einer Podiumsdiskussion, moderiert von Jochen Weiler, der Adebisi als „offen, freundlich und gesellig“ beschreibt, ging es vor allem um die Frage, wie Menschen handeln, die sich nicht in einer so privilegierten Situation wie der ehemalige Viva-Moderator befinden. „Man muss seine Angst kompensieren können, und wenn man das nicht kann, hat man ein Problem“, sagt Adebisi. Man ende dann in völliger Hilflosigkeit. Besonders problematisch werde das Thema Rassismus jedoch, wenn es die eigene Kultur ist, die die Anpassung erschwert. „Man muss Integration schaffen, sonst funktioniert das nicht“, erklärt er. Mit ehrlichen und dennoch oft humorvollen Aussagen beantwortet Adebisi die Fragen der Zuhörer, die sich in der „Nacht der offenen Kirchen“ auch untereinander ihre Erfahrungen schildern.