Neue Zooleitung in Krefeld Von der Zootierärztin zur Zoodirektorin

Krefeld · Stefanie Markowski wird künftig den Krefelder Zoo leiten. Die gebürtige Gelsenkirchenerin folgt auf Wolfgang Dreßen, der Ende des Jahres in den Ruhestand gehen wird.

 Stefanie Markowski in der ersten Tierarztpraxis des Krefelder Zoos, die sie nach ihrer Einstellung als Zootierärztin selbst aufgebaut hatte.

Stefanie Markowski in der ersten Tierarztpraxis des Krefelder Zoos, die sie nach ihrer Einstellung als Zootierärztin selbst aufgebaut hatte.

Foto: Strücken,Lothar/Strücken, Lothar (slo)

Sie liebt in der Tierwelt starke und interessante Charaktere. Am Krefelder Zoo mag sie die gute Zusammenarbeit der Kollegen. „Hier ziehen alle an einem Strang“, sagte Stefanie Markowski bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt als Zootierärztin. Das war 2012. Elf Jahre später ist sie immer noch in Krefeld, nun jedoch als designierte Nachfolgerin von Zoodirektor Wolfgang Dreßen.

 Gekonnt betäubt die gebürtige Gelsenkirchenerin kranke Tiere mit einem Pfeil, der aus einem Blasrohr kommt.

Gekonnt betäubt die gebürtige Gelsenkirchenerin kranke Tiere mit einem Pfeil, der aus einem Blasrohr kommt.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die künftige Direktorin war bislang als Zootierärztin und Kuratorin bei der Zoo Krefeld gGmbH beschäftigt. Am Donnerstag wählten sie die Mitglieder der Gesellschafterversammlung einstimmig zur neuen Geschäftsführerin. „Ich bedanke mich für das Vertrauen, das die Gesellschafter mir entgegenbringen, und schaue mit Respekt, aber auch mit riesiger Vorfreude auf die neue Aufgabe“, erklärt Stefanie Markowski, die 2013 an der Tierärztlichen Hochschule Hannover ihren Doktor erworben hat, und ergänzt: „Ich hatte seit mehr als zehn Jahren die Gelegenheit, als Mitglied des Leitungsteams die innovative Entwicklung des Zoos zu begleiten und traue mir zu, gemeinsam mit den engagierten Kolleginnen und Kollegen im Team den Zoo weiter zu modernisieren und zukunftsfähig aufzustellen.“

Ein Tapir genießt die Untersuchung als willkommene Kuscheleinheit.

Ein Tapir genießt die Untersuchung als willkommene Kuscheleinheit.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Damit der Start gut klappt, wird die gebürtige Gelsenkirchenerin ab Oktober die ersten drei Monate gemeinsam mit ihrem Vorgänger das Amt ausüben und quasi eine „Doppelspitze“ bilden, bevor Wolfgang Dreßen am 31. Dezember 2023 in den Ruhestand gehen wird. „Begeistert“ von der Wahl der neuen Zooleitung ist der „kleine“ Gesellschafter der gGmbH. Friedrich Berlemann, Vorsitzender der Krefelder Zoofreunde, sagt: „Stefanie Markowski steht für die Kontinuität unseres Zoos durch ihre umfassende Erfahrung bei Tierhaltung und -pflege und dem Management der Tierbestände, aber auch für die weitere Entwicklung der Bildungsprogramme, der Nachhaltigkeit und des Artenschutzes.“ Ihr gelinge es, lobt Berlemann, das Team des Zoos bei ihren Ideen mitzunehmen. Deshalb sagt der oberste Zoofreund: „Wir freuen uns, dass sie den Zoo als modernen und innovativen Ort weiter etablieren wird und somit auch für die zukünftigen Herausforderungen die richtige Geschäftsführerin ist.“

Als Vertreter des Hauptgesellschafters, der Stadt Krefeld, begleitete Oberbürgermeister Frank Meyer das Bewerbungsverfahren. Er ist überzeugt, dass sich am Ende die richtige Kandidatin durchgesetzt hat, und betont: „Unser Zoo braucht Kompetenz und Kontinuität. Dr. Stefanie Markowski hat an der jüngeren Erfolgsgeschichte bereits ausgiebig mitgeschrieben. Ich bin überzeugt, dass sie die Modernisierung vorantreiben und die Rolle als Bildungseinrichtung weiter stärken wird. Auch das zentrale Projekt des Artenschutzzentrums Affenpark ist bei ihr in guten Händen.“

Stefanie Markowski, Jahrgang 1975, lebt mit ihrer Familie in Krefeld, nachdem sie am Anfang täglich von Mülheim an der Ruhr zu ihren Tierarzt-Einsätzen gefahren war. Nach ihrem Studium der Veterinärmedizin in Gießen arbeitete sie ab 2001 als angestellte Tierärztin in verschiedenen Praxen, unter anderem in Bochum und Essen.

2004 folgte ihr erstes Engagement in einem Zoo, der „Zoom Erlebniswelt“ in ihrer Heimatstadt Gelsenkirchen. Nach einem Volontariat war sie dort bis 2012 im veterinärmedizinischen Team für die tiermedizinische Betreuung des gesamten Tierbestandes sowie im Tiermanagement für alle Säugetiere, Vögel und Reptilien tätig. Sie begleitete den Umbau des Ruhr-Zoos in die „Zoom Erlebniswelt“, darunter den Neubau zweier Anlagen für Menschenaffen.

Auch in Krefeld hat die beliebte Tierärztin schon viele Entwicklungen begleitet. So baute sie beispielsweise die erste Tierarztpraxis im Zoo auf, die 2014 eröffnet wurde. Die 38-Jährige freute sich damals sehr und sagte: „Jetzt kann ich die neue Praxis nach meinen Vorstellungen einrichten und gestalten.“ Behandelt werden können in der Praxis Tiere bis zur Größe eines Menschenaffen.

Beste Voraussetzungen also, den Tierbestand des Zoos medizinisch optimal zu versorgen. Daneben war Markowski bislang auch für das Tier- und Zuchtmanagement der Großtiere und des Vogelhauses zuständig. Sie beteiligte sich zudem an der Planung und Umsetzung von Projekten wie der Sanierung der Elefantenanlage, dem Bau des Nashorngeländes, der Pinguinanlage und des Antilopenstalls und suchte den wissenschaftlichen Austausch mit anderen Zoos im In- und Ausland, aber auch mit Forschungseinrichtungen und Naturschutzverbänden. Erfahrungen konnte sie auch bei der Personal- und Budgetplanung sowie in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sammeln und übernahm vertretungsweise bereits Leitungsfunktionen.

Die promovierte Zootierärztin gilt unter Kollegen als national wie international hervorragend vernetzt. Sie ist unter anderem Mitglied im Verband der Zootierärzte, im Verband der Europäischen Zoo- und Wildtierärzte und in der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz. 2016 organisierte sie mit großer Resonanz in Krefeld die jährliche Arbeitstagung der Zootierärzte im deutschsprachigen Raum.

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