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Krefeld: Zoo-Brand - Spenden und Benefiz-Aktionen nach Feuer

Feuer im Krefelder Zoo : Diese Spenden-Aktionen und Benefiz-Veranstaltungen sind geplant

Zahlreiche Unternehmen, Vereine und Privatpersonen bieten dem Krefelder Zoo nach der Brand-Katastrophe Hilfe an. Viele haben den Wunsch, dass die Asche der toten Affen auf dem Gelände bestattet wird - daraus wird jedoch wohl nichts. Es soll aber eine Gedenkstätte geben.

Auch zwei Tage nach der Tragödie im Zoo stehen noch viele Menschen fassungslos vor der Gedenkstätte an der Uerdinger Straße und sind angesichts der unzähligen Kerzen, Plüschtiere und Beileidsbezeugungen in Gedanken bei den Bewohnern des Affentropenhauses, die in der Silvesternacht Opfer der Flammen wurden. Der Zoo hat an diesem Freitag zum ersten Mal nach der Katastrophe wieder geöffnet. Viele Besucher beschäftigt vor allem die Frage, wie sie helfen können. Eine Welle der Hilfsbereitschaft erreicht derzeit das Zoo-Team, das den Verlust der geliebten Tiere erst noch verarbeiten muss und in tiefer Trauer ist. Auch in den sozialen Medien ist der Großbrand das Thema Nummer eins.

Weltweite Anteilnahme

Das verheerende Feuer im Affentropenhaus, bei dem über 30 Tiere ihr Leben verloren, beschäftigt die Menschen weltweit. Bilder der Katastrophe waren nicht nur in ganz Deutschland und Europa, sondern weltweit zu sehen. In den USA beispielsweise berichtete neben CNN auch die New York Times. Krefelds Zoo-Sprecherin Petra Schwinn erklärte: „Die Anteilnahme ist riesig. Sogar aus Belgien und den Niederlanden sind Menschen gekommen, um Blumen niederzulegen.“ Viele Trauernde bieten auch Hilfe bei den Aufräumarbeiten an. Dazu sagt Zoodirektor Wolfgang Dreßen: „Zur Zeit ist eine tatkräftige Hilfe am Brandort nicht möglich, da das Haus einsturzgefährdet und als Tatort von Brandsachverständigen und der Kripo abgesperrt ist. Wir sind aber dankbar über Spenden in jeder Höhe.“

Reaktionen

Die europäische Zoovereinigung EAZA (European Association of Zoos and Aquaria) hat den Brand im Zoo Krefeld als „schrecklichen und erschütternden Vorfall“ bezeichnet. Zoos im In- und Ausland bieten den Krefeldern ihre Hilfe an und drückten in Mails ihre Anteilnahme aus.

Brandschutz

In vielen Zoos ist Brandschutz nun ein Thema. Gerade alte Tierhäuser sind gefährdet. Die gibt es in vielen Zoos, beispielsweise auch in Duisburg. Dort wird bisher ähnlich vorgegangen wie in Krefeld. Mitarbeiter gehen rund um die Uhr den Park ab, es gibt Notfallkonzepte und Meldeketten. Wenn jedoch die Ergebnisse der Untersuchung in Krefeld vorlägen, sagt ein Zoosprecher, müsse man schauen, ob eventuell weitere Maßnahmen ergriffen werden müssten.

Trauer

Der Leiter des Instituts für Theologische Zoologie der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) sagte gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Ich habe durch die Medien wahrgenommen, wie sehr diese Tiere von den Krefeldern offenbar als Mitbürger gewürdigt wurden. Dann ist so eine Art der Trauer völlig angemessen.“ Er riet dazu, einen Raum der Trauer zu schaffen, in dem der verstorbenen Tiere gedacht werden kann. Ein Ort des Gedenkens ist auch der Wunsch zahlreicher Zoo-Besucher. Viele hätten am liebsten die Brandopfer selbst oder ihre Asche in einer Urne im Zoo beigesetzt. Ein solches Vorgehen ist jedoch per Gesetz bei Wildtieren verboten. Zoodirektor Dreßen versprach aber, dass es eine Gedenkstätte geben wird, in welcher Form ist noch offen. Die Anregungen der Zoo-Fans reichen von einer Stele oder Gedenktafel über eine Art Kapelle bis hin zu einem begrünten Platz, auf dem ein Baum gepflanzt wird.

Spenden

Die Bereitschaft der Bevölkerung, Geld zu spenden, ist überwältigend. Neben zahlreichen Geschäftsleuten, die einen Teil der Einnahmen dem Zoo zukommen lassen wollen oder Spendenbüchsen in ihren Geschäften aufgestellt haben, sind es auch Verein und Organisationen, die zugunsten des Zoos tätig werden wollen. Hinzukommen etliche Privatpersonen, die anbieten, selbst gemalte Bilder oder auch Autogrammkarten zugunsten des Zoos zu versteigern.

Auch die großen Unternehmen schließen sich an. So hat die Krefelder Brauerei Königshof spontan 1000 Kästen Bier zur Verfügung gestellt. Gegen eine Spende für den Zoo können Kunden noch bis zum heutigen Samstag, 9 bis 12 Uhr, einen Kasten Bier bekommen. Die Spendenhöhe kann jeder selbst bestimmen.  Auch Leergut wird angenommen und die daraus resultierende Pfand-Summe dem Zoo gespendet.

Helfen möchte auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Oberbürgermeisterkandidatin in Düsseldorf. Sie will, dass Düsseldorf als Zeichen der Solidarität 50.000 Euro spendet und wird demnächst einen entsprechenden Antrag stellen. Der Grund: Der Krefelder Zoo sei auch ein beliebtes Ausflugsziel für viele Düsseldorfer. Unterstützung erhofft sie sich von ihren Partnern im Ampel-Bündnis mit SPD und Grünen. Sie selbst sei mit ihren Kindern oft in Krefeld gewesen. „Mit einer Spende sollten wir unserer nachbarschaftlichen Solidarität Ausdruck verleihen“, sagt Strack-Zimmermann.Mo Hanselmann von „Mos Biker-Treff“ an der Kleinewefersstraße 160 ruft dazu auf, am kommenden Freitag einen Parkobolus für den Zoo zu entrichten. Die Höhe sei jedem selbst überlassen. Motto der Aktion „Krefelder für den Krefelder Zoo – ein (Zoo-) Pinguin steht nie allein!“.

Benefiz-Veranstaltungen

Die Slam-Poeten und Kabarettisten Jean-Philippe Kindler und Johannes Floehr laden am Sonntag, 5. Januar, in die Kulturfabrik ein. Sie hatten angesichts der schrecklichen Ereignisse sofort gehandelt und ein Benefiz-Konzert organisiert. Weitere solche Veranstaltungen stellen sie in Aussicht. Da die Besucherzahl wohl weitaus größer  sein wird als gedacht, mussten Kindler und Floehr umdenken. Sie hatten zuerst geplant, das Konzert im „Blauen Engel“ stattfinden zu lassen, dessen Räumlichkeiten dafür jedoch zu begrenzt erschienen. Das Kufa-Team bot seine Hilfe an, so dass das Konzert nun dort stattfinden kann. Zum Programm sagen die Künstler: „Es gibt Texte, Scherze und Musik. Thematisiert werden sollen jedoch auch unsere moralischen Bedenken mit dem nicht unproblematischen Konstrukt Zoo.“ Die sei auch der Grund, warum nur  die eine Hälfte der Erlöse an die Zoofreunde Krefeld gespendet werde, die andere jedoch an den Tierschutzbund gehe. „Wir wissen um die Problematik, Tiere für die Belustigung des Menschen einzusperren, und hatten auch unsere moralischen Bedenken, das Konzept ,Zoo’ finanziell zu fördern. Wir finden es aber zu kurz gedacht, zoologische Einrichtungen einzig auf den Aspekt der Tierquälerei zu reduzieren. Darüber hinaus handelt es sich bei diesem Fall um eine – da herrscht hoffentlich Konsens – schreckliche Tragödie, bei der es uns ein Bedürfnis ist, zu helfen“, sagen die Kabarettisten. Einlass ist am Sonntag um 18 Uhr, die Veranstaltung ist gegen 20 Uhr.

Ein Benefiz-Fußballturnier veranstaltet der Hülser SV mit dem TSV Bockum am Sonntag, 12. Januar,  auf der Bezirkssportanlage Hölschen Dyk in Hüls. Um 11 Uhr beginnt die Veranstaltung mit einem F-Jugendturnier (zwölf Mannschaften), das voraussichtlich bis 14 Uhr gehen wird. Im Anschluss spielen dann zwölf E-Jugend-Mannschaften. Wichtig ist den Veranstaltern, dass es an diesem Tag nicht um Pokale geht, sondern um den guten Zweck. Deswegen wollen sie ein Startgeld von 50 Euro pro Team erheben, das komplett dem Zoo gespendet werden soll. Gespielt werden fünf Spiele à zwölf Minuten. Der Spielspaß steht im Vordergrund. Auch der Erlös aus Verkäufen am Rande des Turniers soll zu 100 Prozent gespendet werden.

 Haltung von Menschenaffen

Kritisch wird in vielen Medien und sozialen Foren die generelle Zoo-Haltung von Menschenaffen diskutiert. Der Deutsche Tierschutzbund hat sich eindeutig positioniert. Präsident Thomas Schröder kritisiert, dass sich der Krefelder Zoo um neue Tiere bemühen wolle und sagt: „Menschenaffen gehören in keine Zoogefangenschaft.“  Zoologen betonen derweil die enorme Bedeutung der Nachzucht bedrohter Tierarten in zoologischen Gärten für den Artenschutz. So sorgte der in der Silvesternacht verstorbene Silberrücken „Massa“ allein sieben Mal für Nachwuchs bei einer besonders bedrohten Unterart der Flachland-Gorillas. Entsprechend eindeutig ist die Haltung von Zoodirektor Wolfgang Dreßen: „Unsere gute Arbeit mit Menschenaffen wird weitergehen, auch wenn es ein großer Kraftakt werden wird“. Unterstützung bekommt er von Oberbürgermeister Frank Meyer, der in seiner Ansprache bei der Trauerfeier am Donnerstag ebenfalls betonte, dass die Haltung von Menschenaffen in Krefeld fortgesetzt werde.