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Krefeld: Zoo-Aid bringt 20.000 Euro für den Affenpark im Zoo ein

Krefelder Zoo : Zoo-Aid spendet 20.000 Euro für den Affenpark

Das Musikfestival, das im Januar nach dem Affenhaus-Brand zu Gunsten des Zoos stattfand, erwirtschaftete eine große Spende. Die wurde nun an den Zoo übergeben. Mit dabei war auch Blind-Guardian Sänger Hansi Kürsch.

Als in der Neujahrsnacht das Affenhaus des Krefelder Zoos abbrannte und 50 Tiere den Tod fanden – darunter mehrere Menschenaffen –, da war die Bestürzung groß. Doch schnell fanden sich auch Bürger, die sich engagieren wollten. Und wie so oft vorn dabei war die Musikszene der Stadt. „Wir haben uns gleich am 2. Januar zusammengesetzt und gesagt: Wir wollen etwas tun“, erinnert sich Jörg Enger, einer der Organisatoren. Umgehend wurden Bands kontaktiert und ein Fahrplan ausgearbeitet. „Ich bin noch heute überrascht, wie gut es gelaufen ist. Wir hatten nach drei Wochen ein großes Festival über zwei Tage zusammengestellt und mehr als 20.000 Euro eingenommen. Großes Lob an alle Künstler, Helfer und die Kufa“, fährt Enger fort. Den Erlös, insgesamt 20.748,25 Euro übergaben die Organisatoren gemeinsam mit Vertretern der Kulturfabrik am Dienstag an den Zoo.

Mit dabei war aber auch einer der Stars des Events: Hansi Kürsch, Leadsänger der weltweit bekannten Band Blind Guardian. „Ich kann nur unterschreiben, was Jörg sagt. Es war alles sehr professionell. Bei Fragen war immer sofort jemand erreichbar. Wir haben mehrfach in der Kufa gespielt. Damals war der Vorlauf wesentlich größer. Trotzdem war kein Unterschied zu bemerken. Das war schon eine großartige Sache“, erinnert sich der Künstler, der sonst vor zigtausend Fans in großen Hallen und Stadien überall auf der Welt spielt.

Hansi Kürsch, Sänger von Blind Guardian, bei seinem Auftritt auf dem Konzert. Auch die Übergabe der Spendensumme an den Zoo ließ sich der international bekannte Musiker nicht nehmen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Blind Guardian war entsprechend der Anker der Veranstaltung und fraglos mitverantwortlich für den großen Erfolg des Zoo-Aid-Festivals. Dass die Band dabei sein konnte, war auch einem Zufall zu verdanken. „Einerseits ist der Januar bei uns traditionell ein ruhiger Monat. Außerdem hatten wir kurz zuvor unseren Akustik-Auftritt auf Burg Linn. Darum hatten wir ein Set ausgearbeitet, das wir spielen konnten. Damit war es keine Frage, dass wir dabei sind“, sagt Kürsch, der gemeinsam mit seinen Bandkollegen mit 2,5 Millionen verkauften Tonträgern und ungezählten ausverkauften Konzerten zu den ganz großen der internationalen Musikszene im Metal-Genre gehört.

Begeistert zeigt sich auch Zoodirektor Wolfgang Dreßen. „Die Krefelder Musikzene ist wirklich überragend. Als die Musiker damals ihre Hilfe anboten, gehörten sie zu den allerersten, und ich fühlte mich sofort an „Kangooroo-Aid“ erinnert. Als seinerzeit 2003 jemand eine Gepardin freigelassen hatte und diese dann unsere grauen Riesenkängurus getötet hatte, waren die Krefelder Musiker auch sofort zur Stelle und halfen“, erinnert er sich.

Viele der Musiker verbinden Erinnerungen mit dem Zoo und dem Affenhaus. „Ich war schon als Kind mit meinem Vater dort, später auch mit meinem Sohn. Ich muss sagen: In den 80ern fand ich den Zoo nicht so toll, aber seitdem ist gerade in der Qualität der Gehege unglaublich viel passiert und ich komme heute wieder gern hier her“, befindet Kürsch.

Dabei war zunächst gar nicht klar, ob das Geld für den neuen Affenpark bestimmt sein sollte. „Wir haben das zunächst bewusst offen gelassen, wollten aber projektbezogen spenden“, erläutert Mitorganisator Philip Lethen. Drei Projekte standen zur Auswahl: Das neue Zebragehege, die Renovierung der Stachelschweinanlage und eben der neue Affenpark. „Wir haben das ganz demokratisch gemacht alle Musiker und Veranstalter hatten je eine Stimme. Es fiel mit zwei Dritteln der Stimmen die Entscheidung für den Affenpark“, sagt er.

Die große Hilfsbereitschaft sorgt bei den Verantwortlichen des Zoos für Rührung, aber auch beinahe für Nachdenklichkeit. „Seinerzeit waren es die Künstler, die uns helfen wollten. Heute bräuchten sie eigentlich selbst Hilfe. In der Corona-Zeit ist eine solche Veranstaltung ja kaum noch vorstellbar. Viele Künstler und Veranstalter kommen selbst nicht mehr über die Runden. Finanziell können wir leider nicht helfen, aber uns ist gerade in der jetzigen Lage bewusst, was diese Spende bedeutet“, sagt Zoo-Sprecherin Petra Schwinn.

„Es ist eine absolute Katastrophe, was in der Kultur derzeit passiert. Heute wirkt eine Veranstaltung wie damals mit einer ausverkauften Kulturfabrik ein Stück weit surreal. Wenn wir heute etwas Ähnliches machen wollten, dürften wir gerade einmal 100 Leute da haben. Insofern war es noch Glück, dass die Krankheit erst später nach Deutschland schwappte und wir die Hilfsbereitschaft der Künstler auf diese Art noch etwas bündeln konnten. Wir haben direkt am 1. Januar den Zoo kontaktiert und unsere Hilfe angeboten“, erzählt Kufa-Vorstand Robin Lotze.

„Insgesamt geht es um Empathie und um gesellschaftliche Verantwortung. Vielleicht schlägt die Bereitschaft zu solcher Hilfe ja auch irgendwie auf die Kulturschaffenden zurück“, hofft Till Menzer, selbst Musiker in mehreren Bands und Mitorganisator von Zoo-Aid. Übrigens: Die Künstler sind mit ihrem Engagement in Vorleistung getreten.