Krefeld: Zirkus Flic Flac zu Gast am Sprödeltalplatz

Zu Gast am Sprödentalplatz : Ein Adrenalinrausch in der Donnerkuppel des Zirkus Flic Flac

Die 1400 Besucher waren von der Premierenshow der Artisten in ihrem Zelt auf dem Sprödentalplatz begeistert.

Tosender Applaus und Standing Ovations verabschieden die Artisten und Darsteller des Zirkus Flic Flac nach der Premiere ihrer Show in Krefeld. Zum ersten Mal seit 14 Jahren gastiert der seit seiner Gründung komplett ohne Tiere arbeitende Zirkus in der Seidenstadt und die gut 1400 Besucher der Premierenshow auf dem Sprödentalplatz dürften sich einig ein sein: Das war eine viel zu lange Zeit. Was sie in den vorangegangen mehr als zwei Stunden geboten bekamen ließ sie staunen, lachen, mit den Artisten mitfiebern oder ob der beeindruckenden Darbietungen begeistert applaudieren.

Dabei hat die Show von der Kostümierung und einigen Showelementen her eine Anmutung des Kino-Endzeit-Klassikers „Mad Max“. „Wir wollten zurück zu dieser Art der Kostümierung. Mit Jeans und etwas rebellischer Art. In den vergangenen Jahren war die Show etwas düsterer aufgemacht. Das aktuelle Programm ist in dieser Hinsicht so ein bisschen eine Rückbesinnung auf die Wurzeln“, sagt Larissa Medved-Kastein, eine der Eigentümerinnen des Zirkus. Und schon in den ersten Minuten der Aufführung bekommt das Gefühl, in die Endzeitwelt des Kinos geworfen zu werden, weitere Nahrung, denn unvermittelt fliegen Motorräder unter dem Zirkuszelt quer über die Bühne und landen dort auf einer gut verborgenen Rampe. Die Besucher reiben sich verwundert die Augen. Wo kamen die Motorräder her? Beim zweiten und dritten Durchlauf wird dann klar: Eine Rampe im Eingangsbereich, die kurzfristig aufgebaut worden war, dient als Sprungschanze.

Weiter geht es in einem wilden Reigen aus beeindruckenden Darbietungen. Als Alex Michael sich in 16 Meter Höhe ziehen lässt und ohne jede Sicherung seine Trapeznummer zeigt, stockt den Besuchern der Atem. Besonders, als er an Schlaufen von einem Trapez zum anderen hangelt – mit dem Kopf nach unten und nur mit den Füßen. „Er liebt einfach den Adrenalin-Kick“, sagt Tatjana Kastein, die zweite Besitzerin. Übrigens: Einen besonderen Stellenwert habe ein Artist, der in dieser Art sein Leben riskiert, in der Zirkuswelt nicht. „Nein, jeder weiß, dass andere genauso hart oder noch mehr arbeiten. Zdenek Polach zum Beispiel, der mit sieben Bällen jongliert, trainiert mehr als Alex. Der aber riskiert sein Leben. So hat jede Darbietung etwas besonders“, fährt die Zirkusbesitzerin fort.

Die Zuschauer jedenfalls quittieren jede der Darbietungen mit immer weiter zunehmendem Applaus. Dabei spricht jedes einzelne Element eine andere Seite an. Als nach der Pause die zirka sechs Meter breite Stahlkugel auf die Bühne gerollt wird, in der acht Motorradfahrer, darunter eine Frau, in einem wilden Wirbel aus Körpern, Lärm und Abgasen umherrasen, ist das Gefühl der Donnerkuppel zurück. Es hat etwas von Gladiatoren, wie die Fahrer mit ihren wilden Verkleidungen, Teils mit bunten Federbüschen an den Helmen, umeinander rasen.

Doch nicht nur Testosteron bietet der Flic Flac. Auch Erotik kommt nicht zu kurz. Dafür sorgt nicht zuletzt Olha, die im künstlichen Regen an einer Pole-Stange tanzt und dabei nicht nur sinnlich, sondern auch akrobatisch auf höchstem Niveau agiert. Als dann Coperlin die Bühne betritt, sieht es zunächst nach einer Zaubershow aus. In Wahrheit aber verbirgt sich hinter der Show eine Comedynummer der Extraklasse. Auch ein Besucher ist eingebunden und wird durch geschickte Täuschungen so verwirrt, dass der Künstler das Publikum zur Raserei treibt. Fast jeder im Zelt lacht Tränen, als er seine Tricks und Späße zeigt.

Zum Abschluss kommen dann noch die Chinesen der „Holy Warriors“. Sie springen durch Reifen, die in der Spitze fast vier Meter hoch hängen und begeistern so ihr Publikum. Viel ließe sich noch über diesen Abend der Superlative sagen. Aber es empfiehlt sich einfach, das Gesamtkunstwerk selbst in Augenschein zu nehmen. Am Ende soll auch nicht zu viel der Show verraten sein. Frenetischer Applaus.

Die Tickets zum Preis zwischen 24 und 54 Euro (Ermäßigungen nicht eingerechnet) sind online oder unter 0800 06060611, sowie an der Kasse des Zirkus‘ auf dem Sprödentalplatz erhältlich.

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