Krefeld: Wirbel um beschlagnahmten Hund

Ohne Erlaubnis zurück bei Besitzerin: Wirbel um beschlagnahmten Hund aus Krefeld

Mit Hilfe einer Mittelsperson ist ein vor zwei Jahren bei einer Oppumer Tier-Hoarderin beschlagnahmter Hund nun unerlaubt wieder zurück bei der ehemaligen Besitzerin. Der Frau waren damals 26 Hunde entzogen worden.

Mit Hilfe einer Mittelsperson ist ein vor zwei Jahren bei einer Krefelder Tierhorterin beschlagnahmter Hund nun unerlaubt wieder zurück bei der ehemaligen Besitzerin. Der Frau waren damals 26 Hunde entzogen worden.

Auf dubiosen Wegen ist der eigentlich beschlagnahmte Hund aus dem Tierheim Moers wieder bei seiner ehemaligen Besitzerin in Krefeld-Oppum gelandet. Nach bisherigen Erkenntnissen liegt die Vermutung nahe, dass die Halterin den Rüden "Danilo" über eine Mittelsperson unerlaubterweise zurück nach Krefeld geholt hat. Das bestätigt das Tierheim auf Nachfrage unserer Redaktion.

"Danilo" kam im Tierheim Moers unter - und ist jetzt wieder in Oppum. Foto: TM

Der Fall ist brisant. Wie seinerzeit ausführlich berichtet, waren vor rund zwei Jahren auf dem völlig verwahrlosten und mit Kot übersäten Grundstück der Halterin 26 Hunde, darunter etliche neugeborene Welpen, beschlagnahmt und in den Tierheimen Moers und Krefeld untergebracht worden. Die Tierhorterin wurde damals vorübergehend in Haft genommen. Später wurde ihr zugebilligt, wieder Hunde halten zu dürfen, jedoch nicht mehr als zwei.

Seit kurzem sind es nun drei. Das hatten Nachbarn festgestellt, die den Rüden "Danilo" sofort wiedererkannt haben. "Leider gebärdet sich der Rüde hinter dem Zaun wieder genauso aggressiv gegen vorübergehende Menschen, wie er es bereits in der Vergangenheit getan hat", schreibt eine Anwohnerin, die das Tierheim Moers per Mail über die Rückkehr des Hundes nach Krefeld informiert hat.

Timo Franzen, Schriftführer des Tierschutzvereins, bestätigt den Sachverhalt und berichtet von einem Fall, wie er ihn noch nie erlebt habt: "Dass bewusst eine Mittelsperson vorgeschickt wurde, die sich dann auch noch unheimlich viel Mühe gegeben hat, um den Hund adoptieren zu können, um ihn dann unerlaubterweise an eine Tier-Hoarderin weiterzugeben, das ist wirklich einmalig."

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Die Interessentin sei über einen langen Zeitraum mehrmals wöchentlich ins Tierheim gekommen, um Vertrauen zu dem sehr ängstlichen Danilo aufzubauen. "Wir führten eine Vorkontrolle durch, die auch positiv zu bewerten war und vermittelten Danilo im September 2017 an sie. Nach der Vermittlung war diese Person für uns plötzlich nicht mehr erreichbar. Der Versuch einer Nachkontrolle, wie sie von uns standardmäßig durchgeführt wird, schlug mehrmals fehl", berichtet Franzen.

Bei Vermittlungen von Tieren besteht für sechs Monate ein "Eigentumsvorbehalt", eine Art Probezeit für die neuen Halter, in der die Tierschützer sich vor Ort überzeugen, dass es dem Tier im neuen Umfeld wirklich gut geht. Inzwischen habe man die Frau erreicht, sagt Franzen, sie habe auf intensive Nachfrage schließlich zugegeben, Danilo "in Pflege" gegeben zu haben.

Franzen berichtet, man habe das zuständige Veterinäramt in Krefeld telefonisch informiert: "Dort sah man jedoch keinen Handlungsbedarf." Auch die Nachbarn der Tier-Hoarderin haben inzwischen das Veterinäramt per E-Mail angeschrieben. Eine Nachfrage unserer Redaktion ans Amt blieb am Montag unbeantwortet. Ein Stadtsprecher teilte mit, es läge keine Anzeige zu dem Thema vor, der Kommunale Ordnungsdienst wolle sich des Themas jedoch kurzfristig annehmen. 2016 hatte die Stadt angekündigt, man werde "die Situation und die Entwicklung unter Kontrolle behalten und gegebenenfalls anlassbezogen reagieren."

Die Moerser Tierschützer haben nun die Rechtsabteilung des Dachverbands "Deutscher Tierschutzbund" eingeschaltet und lassen prüfen, welche weiteren Schritte in Sachen "Danilo" möglich sind. Franzen berichtet auch, dass die meisten der im Februar 2016 von der Tier-Hoarderin aufgenommenen Hunde sehr ängstlich und menschenscheu gewesen seien und im Tierheim nur mit großem Einsatz der "Gassigeher" langsam sozialisiert und dann einer nach dem anderen vermittelt werden konnten.

An der kleinen Straße in Oppum herrscht unterdessen Alarmstimmung. Die Nachbarn fürchten, dass die massenhafte Hundevermehrung nun erneut losgeht - verbunden mit unerfreulichen Erscheinungen wie Lärm sowie Gestank unzähliger Hundehaufen. Danilo, berichtet Franzen, sei mit einem Chip kastriert - eine Verhütungsmaßnahme, die nur dann wirksam ist, wenn sie in regelmäßigen Abständen erneuert wird.

(RP)