Fußball-Europameisterschaft 2024 Die EM-Glückspilze – wie diese Krefelder an Tickets gekommen sind

Krefeld · Tickets für die anstehende Heim-EM in Deutschland zu ergattern ist für viele Fußball-Fans ein Traum. Fünf Krefelder erzählen vom Glück und Pech bei ihrem Versuch, an Tickets heranzukommen. Wie man jetzt noch welche ergattern kann.

 EM-Glückspilze: Vater Jörg und Sohn Lasse aus Hüls haben Tickets für das Spiel Polen gegen Frankreich am 25. Juni in Dortmund ergattert – Frankreich ist für Lasse die wohl beste Mannschaft des Turniers.

EM-Glückspilze: Vater Jörg und Sohn Lasse aus Hüls haben Tickets für das Spiel Polen gegen Frankreich am 25. Juni in Dortmund ergattert – Frankreich ist für Lasse die wohl beste Mannschaft des Turniers.

Foto: samla.de/Andreas Drabben

Am Freitag beginnt mit der Partie Deutschland gegen Schottland die Fußballeuropameisterschaft. Deren 51 Spiele, die bei der diesjährigen, insgesamt 17. Austragung anstehen, werden in zehn deutschen Städten ausgetragen – darunter vier in Nordrhein-Westfalen. Die Heim-EM bietet nun die Chance, Spiele auch live vor Ort mitzuerleben. Aber wie kommt man an Tickets? Zahlreiche Fußball-Fans haben sich in den drei Verkaufsphasen der UEFA um eines der 2,7 Millionen Tickets bemüht. Wir haben mit sechs Krefeldern gesprochen, die versucht haben, an die heiß begehrten Tickets heranzukommen. Einige waren erfolgreich, andere nicht – und bei manch einem kam es zu unerwarteten Wendungen.

Der Hülser Jörg und sein Sohn Lasse (15) gehören jetzt schon zu den EM-Gewinnern. Die beiden Fußball-Fans konnten zwei Tickets für das Spiel Polen gegen Frankreich ergattern, das am 25. Juni im Signal Iduna Park in Dortmund ausgetragen wird.

„Ich freue mich sehr auf das Spiel und werde die wohl beste Mannschaft des Turniers, Frankreich, live im Stadion sehen“, sagt Lasse. Sein Vater Jörg hat die Tickets online über die UEFA-App für jeweils rund 100 Euro gekauft. Die App ist neben der Website „UEFA.com“ die einzige offizielle Anlaufstelle, um an Tickets heranzukommen.

 Manuela und Dietmar Schreiber freuen sich: Nach lauter Absagen haben sie doch noch Tickets für die Partien Slowakei gegen Ukraine und Frankreich gegen Polen ergattert.

Manuela und Dietmar Schreiber freuen sich: Nach lauter Absagen haben sie doch noch Tickets für die Partien Slowakei gegen Ukraine und Frankreich gegen Polen ergattert.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

So funktioniert der Ticketkauf per App

Wie funktioniert der Ticketkauf per App genau? Nachdem man einen Account erstellt hat, geht man ins Ticketportal, gibt einige persönliche Daten an und wählt das Land aus, dessen Nationalmannschaft man gerne im Stadion bei einem Spiel sehen möchte. Daraufhin werden unterschiedliche Ticketpreise für die jeweiligen Spiele vorgeschlagen. Falls alle Tickets der ausgewählten Nationalmannschaft bereits verkauft sind, lässt sich auch eine andere Nationalmannschaft auswählen. Am Ende erhält man sein Ticket mit einem entsprechenden QR-Code, der später am Stadioneingang eingescannt wird, online auf dem Handy oder ausgedruckt auf Papier.

Auf der offiziellen UEFA-Seite sind allerdings bereits alle Tickets für die Gruppenphase verkauft, da diese schon im vergangenen Herbst herausgegeben wurden. Diejenigen, die bisher keine Tickets ergattern konnten, dürfen allerdings noch hoffen. Für die K.O.-Phase beginnt der Ticketverkauf am 23. Juni. Die Preise bewegen sich je nach Sitzmöglichkeit und Spiel zwischen 50 und 2.000 Euro pro Ticket. Wer Tickets haben möchte, muss schnell sein.

„Wir sind sehr dankbar, überhaupt Tickets für ein so interessantes und gutes Spiel bekommen zu haben, auch wenn es vielleicht nicht das Nummer-eins-Wunschspiel von uns war“, sagt Lasse.

Doch wer nun glaubt, dass man im Freundes- und Bekanntenkreis reihenweise Menschen trifft, die voller Vorfreude sind, in Kürze ein Spiel live im Stadion verfolgen zu können, der irrt. So zum Beispiel Thomas Weeger (47), den man getrost als Fußballjunkie bezeichnen kann. Ein- bis zweimal im Jahr fährt der bekennende KFC- und FC-Schalke-04-Fan mit seinen Fußballkumpels für ein verlängertes Wochenende auf die britische Insel, um innerhalb weniger Tage möglichst viele Spiele der Premier und der ersten englischen Liga zu sehen. „Seit vielen Jahren habe ich bei der UEFA ein Konto, über das ich Karten bestellen kann. In allen drei Verkaufsphasen habe ich mich besonders für Spiele in der Region interessiert“, erzählt der Justizbeamte. „Nichts als Absagen habe ich bekommen“, sagt er und freut sich statt dessen auf eine Woche Fußballschauen mit seinen Kumpels in einem Wochenendhaus im Sauerland.

Gleichermaßen erging es Manuela Schreiber (58), die seit vielen Jahren mit ihrem Mann Dietmar (61) zudem noch Mitglied im Fanclub der Deutschen Fußballnationalmannschaft ist. „Auch wir haben sowohl über die UEFA als auch über den deutschen Fußballbund versucht, an Karten zukommen. Leider ohne Erfolg“, erzählen beide mit trauriger Stimme und erinnern sich an die Weltmeisterschaft 2006, als sie zumindest Karten für eine Partie ergattern konnten. In diese Trauer platzte dann vergangenen Mittwoch eine E-Mail der UEFA mit folgendem Inhalt: „Tickets verfügbar! Wir freuen uns, dir mitteilen zu können, dass Tickets, die von anderen Fans nicht bezahlt wurden, wieder im Verkauf sind und du befindest dich in der Rangfolge der Verlosung als Nächstes.“ Dietmar Schreiber traute seinen Augen nicht, rief erst einmal seine Frau an. „Bist Du sicher, dass das kein Fake ist?“, fragte sie ungläubig. War es nicht und so werden die beiden jetzt die Partien Slowakei gegen Ukraine am 21. Juni in Düsseldorf und am 25. Juni, so wie Lasse und sein Vater, in Dortmund Frankreich gegen Polen live im Stadion mitverfolgen können. Und der Preis von 150 € für die insgesamt vier Karten ist ja auch keinesfalls überteuert. Bleibt die Frage, wem man bei einem Spiel ohne deutsche Beteiligung die Daumen drückt. „Wir sind dann immer für den Underdog“, sagen die beiden unisono. „Bei Frankreich vs Polen wäre das Polen, bei Slowakei vs Ukraine, schwierig. Da müssen wir uns noch entscheiden.“

Leer ging in diesem Jahr hingegen Heinrich Löhr (65) aus. Vor acht Jahren, als die Europameisterschaft in Frankreich stattfand, konnte der auf einen Rollstuhl angewiesene noch Karten für sage und schreibe zehn Partien – darunter sogar das Eröffnungsspiel und das Finale – über sein Konto bei der UEFA erwerben. Bei diesem Konto ist die Notwendigkeit, dass er auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hinterlegt. Und das zu Preisen, die absolut zivil waren. „80 € für die Finalkarte inklusive einer Karte für die Begleitperson bezeichne ich fast schon als ein Schnäppchen. Da ist der Bundesliga Fußball teurer“, sagt er. „Wahrscheinlich habe ich mit den Karten für die zehn Partien vor acht Jahren mein Glück überstrapaziert.“ Auf eine Mail, wie sie die Familie Schreiber erreichte, wartet er vergebens – aber die Hoffnung stirbt ja bekanntermaßen zu Letzt.

Lasse und sein Vater erwarten ein gutes Turnier der deutschen Nationalmannschaft und denken, dass sie es mindestens bis ins Viertelfinale, wenn nicht sogar bis ins Finale schaffen. Vielleicht ist es sogar durch die Unterstützung vieler zuversichtlicher Fans im eigenen Land möglich, eine so große Euphorie aufzubauen, dass die Nationalmannschaft endlich wieder ein gutes Turnier spielt, was ihnen seit dem WM-Titel 2014 nicht mehr gelungen ist.