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Krefeld: Werner Küppers lebt im Omnibus und wirbt für Demokratie

Krefelder lebt im Omnibus : Demokratiekämpfer auf Heimatbesuch

Seit gut 30 Jahren fährt Werner Küppers mit dem Omnibus für direkte Demokratie durch die Welt. Er wuchs in Krefeld auf und kehrte nun für einige Tage zurück. Sein Traum ist ein Ausweitung von Volksentscheiden und Bürgerinitiativen.

Verwundert schauen sich Passanten auf Dionysiusplatz um und begutachten den Bus, der seit Sonntagabend am Hinterausgang des Schwanenmarktes parkt. „Für welche Partei seid ihr jetzt hier?“, fragt einer. Geduldig klären ihn Werner Küppers und seine Helferin auf, dass es nicht um Parteien, nicht um die Kommunalwahl geht – sondern um direkte Demokratie. „Wir wollen dafür werben, dass die Bürger ihre Stimme nicht nur irgendwelchen Repräsentanten geben und sie dann vier oder fünf Jahre weitgehend ohne Kontrolle machen lassen, sondern dass sie in Übereinstimmung mit Paragraph 20 Grundgesetz ein Stück weit die Demokratie wieder in eigene Hände nehmen“, erläutert er.

Solche Fragen seien üblich und für ihn Tagesgeschäft, erzählt der Aktivist dann. Seit den 80er Jahren tourt er mit seinem Bus durch ganz Deutschland, Europa und teilweise die Welt. Und sowohl er, als auch das Projekt, haben Wurzeln in Krefeld. Es ist in vieler Hinsicht eine Heimkehr. Denn der Omnibus für direkte Demokratie stammt, ebenso wie Küppers, aus der Gegend. Die Initiative geht nämlich auf Gedanken und Betreiben von Joseph Beuys zurück, einem der bekanntesten Söhne der Stadt. „Er hat schon in den frühen 70ern die ‚soziale Plastik’ als das größte aller Kunstwerke bezeichnet“, erzählt Küppers, der im selben Krankenhaus zur Welt kam, wie der große Künstler.

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„Ich habe an mindestens acht verschiedenen Adressen in Krefeld gewohnt. Ich bin gespannt, wann alte Freunde oder Liebschaften hier vorbei schauen, wenn ich schon mal wieder in der Stadt bin“, sagt er lachend. Denn heute lebt er in dem Bus. „Es ist hier ein ganz offenes Leben. Wir sitzen mit den Menschen an denselben Tischen, an denen wir auch essen. Wir wollen dafür werben, dass die Menschen sich als aktiver Teil der Politik begreifen und wahrnehmen“, sagt er.

Volksbegehren seien ein sehr unmittelbarer und vor allem friedlicher Weg, direkt etwas zu verändern. Der Name deutet es an, denn das Wort Omnibus beschreibt nur in zweiter Linie das Gefährt. „Omnibus ist Latein und bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie ‚für alle’ oder ‚mit allen’ und ‚durch alle’“, erläutert Küppers.

Doch würde direkte Demokratie funktionieren? Was ist mit dem Brexit, und gäbe es nicht schnell wieder eine Todesstrafe für Kinderschänder oder Dinge in dieser Art? „Nein!“, sagt Küppers deutlich. „Es gibt hohe Hürden. Das Prinzip ist in Deutschland dreistufig. Erst braucht es eine Volksinitiative, also Unterschriften. Dann wird das Vorhaben juristisch geprüft. Hier würde zum Beispiel ein Todesstrafe oder Zwangssterilisation von Kinderschändern scheitern, weil es gegen Grundgesetz und Menschenrechte verstößt. Und der Brexit war keine Volksabstimmung, sondern ein Referendum. Das ist etwas völlig anderes. Auch ist die Information bei einer Volksabstimmung ganz anders“, erläutert er.

Viel habe sich in den vergangenen Jahren getan. „Das Bienenbegehren in Bayern im vergangenen Jahr war ein Meilenstein. Plötzlich sind fast 1,8 Millionen Menschen mit Ausweis im Rathaus aufgetaucht und haben für die Volksinitiative unterschrieben. Söder hatte so große Angst vor einem Volksentscheid, dass er die Initiative fast ohne Änderungen übernommen hat. Die Politik fürchtet direkte Demokratie wie der Teufel das Weihwasser“, sagt Küppers. Das gelte auch für die Kommunalwahl. „In Baden-Württemberg, Bayern und Hessen ist die Wahl viel freier. Dort kann jeder Bürger mit so vielen Stimmen, wie der Rat Sitze hat, die Kandidaten frei wählen oder alle Stimmen einer Liste geben. Hier gibt es nur die Liste. Es gibt noch viel zu tun“, sagt er. Dafür wird er auch weiter durch Deutschland touren. Und hoffen, beim Stopp in der alten Heimat ein paar alte Freunde zu sehen.