Krefeld: Was macht eigentlich das Silkvalley? Wie Startups entstehen

Gründer in Krefeld : Was macht eigentlich das Silkvalley? Wie Startups entstehen

Vom Co-Working bis zum Business Model Canvas: Digitale Startups haben verblüffende Arbeitsstrategien. Der Verein Silkvalley unterstützt junge Gründer.

Digitale Unternehmensideen brauchen zur Geburt nicht mal die berühmte Garage, in der der Weltkonzern Apple seinen Anfang nahm, sondern nur einen Laptop und einen klugen Kopf. Solchen klugen Köpfen ein Umfeld zu bieten, sie zu beraten, ihnen bei der Unternehmensgründung auf den Weg zu helfen, ist das Ziel des Vereins  Silkvalley. Das Angebot wird angenommen: „Zu uns kommen Leute, die haben noch nix außer einer Idee“, sagt Silkvalley-Sprecher Lars Woltermann. Das niederschwelligste Angebot ist eine Art Stammtisch für Ideenbesitzer: In den Räumen von Take-TV, das weltweit mit großem Erfolg digitale Spiele-Wettkämpfe im Internet überträgt, besteht regelmäßig die Möglichkeit zum „Co-Working“. Gemeint ist der Austausch mit anderen über eine Idee. „Es geht für jeden darum, einfach mal ein Feedback auf seine Idee zu bekommen“, so Woltermann.

Das Ganze funktioniert  fast lockerer als ein Stammtisch, der ja immerhin von regelmäßigen Treffen der immer gleichen Leute lebt. Beim Co-Working haben Leute  die Chance, einfach mal hinzugehen und sich mit anderen auszutauschen. Der Wunsch dazu ist dabei größer als die Sorge, eine Idee zu früh an den Falschen zu verraten.

Neben technischen spielen früh  betriebswirtschaftliche Überlegungen eine Rolle: „Man braucht nicht unbedingt einen Business-Plan; man arbeitet bei Start-ups gern mit dem Model Canvas“, erläutert Woltermann. Und so erklärt eine einschlägige Internetseite („up to eleven“; ut11.net) das Modell: „Mit dem Business Model Canvas  kannst du deine Startup-Idee einfach visualisieren und testen, ob dein Geschäftsmodell wasserdicht ist.“ Entwickelt worden sei die Methode von Alexander Osterwalder im Jahr 2004; sie habe einen regelrechten Siegeszug um die Welt angetreten, heißt es weiter. Auch hier geht es darum, schnell die Anfangsphase zu prüfen.

Hat eine Idee die erste Phase der quasi rasch skizzierten Prüfung von Idee und Geschäft überstanden, geht es vom Co-Working ins Bootcamp, wo beides genauer ausgearbeitet wird. Für dieses Bootcamp bietet das Silkvalley seine Unterstützung an. „Ein Gründungsteam umfasst meist mindestens zwei Leute oder zwei Kompetenzen“, erläutert Woltermann, „einen für den digitalen und einen für den betriebswirtschaftlichen Hintergrund“. Danach folgen konkretere Schritte: die Suche nach Räumen, Inventar, eventuell Personal wie Programmierer. Typisch für digitale Start-ups: Man geht mit einem Prototypen in den Markt, der noch nicht ganz ausgereift ist. Ein Grund: das Entwicklungstempo ist sehr hoch; eine Idee, die heute halbfertig ist, kann morgen schon veraltet sein.

Der entscheidende Vorteil aller digitalen Gründer: „Der Kostenapparat ist nicht sehr hoch“, sagt Woltermann; und in Krefeld gilt das doppelt, da Mieten bei weitem nicht so hoch sind wie in Düsseldorf oder Köln. Das Land NRW unterstützt Gründer auch mit Stipendien: So können Teams bis zu drei Mann mit 1000 Euro pro Mann pro Monat unterstützt werden. Gerade für Spieleentwickler gibt es  bei neuen Produkten Anfangsphasen mit wenig Umsatz: In einer ersten, noch kostenfreien Phase gilt es, möglichst viele Menschen für ihr neues Spiel zu begeistern; erfahrungsgemäß sind es dann um die fünf Prozent, die irgendwann bereit sind, Geld auszugeben, um tiefer in die Spielwelt einzusteigen. Mit ihren wird dann der nötige Umsatz gemacht – und diese Kunden werden in der Branche  „Wale“ genannt, quasi die dicken Fische.

Silkvalley ist, um die Gründerszene in Krefeld weiter zu fördern, eine Kooperation mit dem Krefelder Marketing Club eingegangen. Junge Gründer können demnach ihre Idee vor dem Forum Marketing Clubs vortragen und   die Kontakte und das Know How, das der Club darstellt, nutzen. Michael Neppeßen, der neue geschäftsführende Vorstand des Marketing Clubs: „Unser Anliegen ist es, die Vorteile von Krefeld als Standort für Start-ups zu betonen. Krefeld hat hier Stärken, die von der ideellen Unterstützung durch Silkvalley bis zu preiswertem Büroraum reicht. Das muss sich nur herumsprechen. Und auch der Marketing Club möchte hier einen Beitrag leisten und die Start-Up-Kultur in Krefeld fördern.“