Krefeld: was macht ehemaliger Pinguine-Kapitän Herberts Vasiljevs

Was macht eigentlich Herberts Vasiljevs : Ex-Pinguine-Kapitän Herberts Vasiljevs?

Herberts Vasiljevs zählt fraglos zu den besten und prägendsten Spielern in der Geschichte der Krefeld Pinguine. Insgesamt 13 DEL-Spielzeiten in Schwarz-Gelb und eine in Nürnberg absolvierte er, wurde in KrefeldTorschützenkönig und war lange Jahre Kapitän. Heute ist er im Nachwuchseishockey aktiv. Die Pinguine nehmen weiter einen wichtigen Platz bei ihm ein.

Als im Sommer 1994 der damalige KEV-Vorsitzende Uli Urban verkündete, dass ein gerade mal 18 Jahre alter Lette namens Herberts Vasiljevs aus Dortmund verpflichtet worden sei, da sorgte die Nachricht bei Fans der Schwarz-Gelben eher für uninteressiertes Schulterzucken denn für Begeisterung. Schon ein Jahr später, als in den Wirren des Beinahe-Konkurses der junge Stürmer nach Nordamerika ging, war das Bedauern groß. Immerhin hatte der Youngster eine starke Debütsaison mit vier Toren und neun Punkten hingelegt.

Während sich das Krefelder Eishockey erholte, stieg Vasiljevs in Nordamerika in die Riege der besten Spieler der Welt auf und brachte es sogar auf 51 Spiele in der NHL, der besten Liga der Welt. Nach Stationen in Russland und Nürnberg kehrte er im Sommer 2005 nach Krefeld zurück. Hier trumpfte er groß auf und war zwölf Jahre lang fast immer Teil einer der besten Reihen der Liga. Ob mit Charlie Stevens, Daniel Pietta oder Jan Alinc als Center, stets war Vasiljevs der Kern, der aus guten überragende Reihen machte. Auch wenn ihm diese Rolle in den letzten Zügen seiner Karriere Daniel Pietta etwas abnahm, gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Boris Blank begeisterte der Deutsch-Lette die Fans und führte das Team zweimal in drei Jahren ins Halbfinale der DEL.

2007 wurde er Torschützenkönig und verlängerte dennoch seinen Vertrag in Krefeld sogar langfristig. Er hält den DEL-Rekord für acht Scorerpunkte in einem Spiel (im Dezember 2006 gegen Frankfurt) und beendete 2017 nach 684 Spielen, 227 Toren und 551 Punkten seine Karriere. Er ist damit einer der wichtigsten Spieler in der Historie der Schwarz-Gelben. Der Torjäger, der ein Jahrzehnt lang das Team als Kapitän anführte, steckte auch zwei schwere Verletzungen weg. Immer kämpfte er sich wieder heran und war noch in seiner vorletzten Saison, der Spielzeit 2015/16 der zweitbeste Punktejäger der Pingune mit 40 Zählern. Vor ihm lag allein Pietta, der als uneingeschränkte Identifkationsfigur in seine Fußstapfen tritt.

Noch heute ist der sympathische und den Fans gegenüber stets offene 43-Jährige dem Krefelder Eishockey eng verbunden. „Natürlich sind die Pinguine immer noch in meinem Herzen. Ich habe hier so lange gespielt, und da ist der Verein natürlich etwas ganz besonderes für mich. Und er wird es auch mit Sicherheit immer bleiben“, sagt der Ex-Profi, der auch immer noch guten Kontakt mit den ehemaligen Teamkameraden Pietta und Martin Schymainski pflegt. „Auch mit Matthias Roos habe ich immer wieder Kontakt. Krefeld ist weiterhin meine Heimat“, sagt Vasiljevs. Letztere Aussage stimmt auch abseits des Eishockeys.

Während seiner langen Karriere baute er ein Haus in Verberg, in dem er auch heute noch wohnt. „Da hat sich seit meiner Karriere nichts verändert“, erzählt der ehemalige lettische Nationalstürmer grinsend. Dem Verband seines Geburtslandes ist er weiterhin verbunden. Das gilt jedoch auch für den DEB, den Deutschen Eishockeybund. „Hauptberuflich arbeite ich derzeit für den DEB. Ich bin für die sieben DEL-Teams im Norden und Westen verantwortlich und besuche die Nachwuchsabteilungen. Ich überprüfe, ob die Regeln für Eiszeit, Anzahl der Spieler und Trainer und so weiter eingehalten werden. Außerdem gebe ich Tipps für richtige Trainingsmethodiken und bestimmte Übungen“, erzählt er. Damit ist er nicht nur für Krefeld, sondern für ganz Deutschland ein ganz wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Jugendarbeit und die Zukunft des deutschen Eishockeys.

In den verschiedenen Länderspielpause fliegt er ins Baltikum, um dort das U-19-Nationalteam Lettlands als Co-Trainer zu betreuen. „Das mache ich schon seit meinem Karriereende, und es macht mir großen Spaß“, sagt Vasiljevs, der auch medial weiterhin in Erscheinung tritt. Für das Format Telekom Eishockey, wo alle DEL-Spiele live im Internet und manche im TV übertragen werden, arbeitet er als Experte und analysiert die Spiele verschiedener DEL-Teams. Hin und wieder auch die der Pinguine.

In dieser Rolle macht er sich unter den Fans, die natürlich gern positive Dinge über ihr Team hören, nicht nur Freunde. Vasiljevs, der schon als Spieler und Kapitän stets ein kritischer Geist war, der Probleme offen ansprach, legt bei Fehlern der Schwarz-Gelben den Finger deutlich in die Wunde. Das gefällt nicht jedem Fan, ist aber fachlich stets fundiert. Es ist seine Art, die Liebe für die Pinguine auszudrücken: der Versuch, durch konstruktive Kritik und das Auge eines Trainers dazu beizutragen, dass das Team besser wird.

„Ich würde mir wünschen, dass die Pinguine bald wieder in den Playoffs stehen und diese Stimmung aufkommt, wie sie damals immer zu spüren war. Krefeld verdient das und die vergangenen Jahre ohne Play-offs tun weh, auch mir“, sagt der ehemalige Toptorjäger, der auf und neben dem Eis mit ganzem Herzen das Krefelder Eishockey lebte und lebt. Doch bei aller Liebe zu den Schwarz-Gelben: Objektivität und Integrität als Eishockeyexperte gehen im Zweifel vor.

Nach seinem letzten Spiel gegen Wolfsburg wurde der langjährige Kapitän verabschiedet. Geehrt wurde er mit einem eigenen Trikot mit der Anzahl seiner Spiele. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
Herberts Vasiljevs. Foto: schoofs
Herberts Vasiljevs wird nach einem Spiel von den Fans gefeiert. Ein Bild, das oft zu sehen war. Foto: Fishing4
In dieser Pose sah man ihn oft. Hier bejubelt Vasiljevs seinen Treffer in der Champions-League gegen das schwedische Topteam Skelleftea. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Seiner Identifikation mit Stadt und Pinguinen tut das allerdings keinesfalls Abbruch. Und wer weiß: Vielleicht kehrt er ja auch irgendwann in verantwortungsvoller Position neben dem Eis zurück zu den Pinguinen. Fans des DEL-Teams wünschen sich bereits immer wieder, dass er - neben anderen alten Helden - verstärkt eingebunden wird. Erste Schritte als Trainer beispielsweise macht er bereits. Und schon unmittelbar nach seinem Rücktritt als Spieler sagte er: „Irgendwann mal als Trainer zurück zu kommen wäre sicher ein Traum. Wer weiß, im Eishockey kann viel passieren.“ Beim ersten Abgang dauerte es immerhin neun Jahre, bis er wieder in Krefelder Diensten stand, demnach wäre noch viel Zeit.

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