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Krefeld Warum der Helm des Batavers aus Gelduba eine Sensation ist

Krefelder Historie : Neues vom Helm des Batavers

Vieles über das Volk der Bataver liegt im historischen Dunkel. Ein bisschen Licht bringen neue Forschungsergebnisse aus dem Museum Burg Linn. Der ausgegrabene Helm gehörte einem Bataver – eine Rarität.

Ihr Ruhm beginnt nach dem Selbstmord Neros  im Jahr 68, als die Unruhen überall im Römischen Reich Bürgerkriege auslösten. Am nördlichen Niederrhein wehrten sich die Bataver gegen die römische Herrschaft und kämpften tapfer ein Jahr lang, bis ihr Aufstand niedergeschlagen wurde. Der Bataveraufstand von Niedergermanien  ist nicht zuletzt dank der Schilderung des Dichters Tacitus überliefert. Doch das Volk der Bataver birgt noch manches Geheimnis. Stadtarchäologe Hans-Peter Schletter hat mit seinen Forschungen zu einem vor anderthalb Jahren auf dem Gelleper Gräberfeld gehobenen Helm ein bisschen mehr Licht ins historische Dunkel gebracht. Seine These, dass dieser Helm ein typischer Bataverhelm ist, kann er nun untermauern.

„Es ist das erste Mal, dass man Teile einer bestimmten Einheit zuordnen kann – ein schönes Etappenziel in der Erforschung der Kriegsgegenstände“, sagt Schletter. Die Bataver, erzählt er, waren ein kleines Volk von etwa 40.000 bis 45.000 Menschen. „Aber 5000 bis 5500 von ihnen waren Soldaten im römischen Heer.“ Eine Eliteeinheit, die auch die persönliche Leibwache des römischen Kaisers gestellt hat, „vermutlich schon zu Caesars  Zeit“, sagt der Archäologe. Und er erklärt, wieso ein Helm, der für das Laienauge nur rostig und verbogen aussieht, spektakulär ist: „Wir stellen uns die römischen Soldaten immer modern vor, uniform ausgestattet. Doch so stimmt das nicht.“ Für Soldaten war es wichtig, die eigene Tapferkeit zur Schau zu stellen und dabei nicht unbedingt zurückhaltend zu sein. Persönlicher Schmuck auf der Kampfausrüstung sollte Eindruck schinden. „Die Römer waren Weltmeister im Recycling und haben Waffen, Schilde und Helme oder Teile davon immer wieder verwendet. Einen vollständigen Helm zu finden, ist eine Besonderheit. Ein Helm ist das wichtigste Zeichen für einen Krieger.“

 Diese Brocken des bemalten Wandputzes stammen aus einem kleinen Tempelchen aus dem 2. Jahrhundert.
Diese Brocken des bemalten Wandputzes stammen aus einem kleinen Tempelchen aus dem 2. Jahrhundert. Foto: Stadt Krefeld

2018 ist der Helm ans Licht befördert worden. Inzwischen gibt es intensive Untersuchungen, Röntgenaufnahmen und intensive Vergleiche. Schletter konnte Schlüsse ziehen und belegen: In Krefeld gibt es einen vergleichbaren Helm, der 1988 gefunden wurde. Und entsprechende Modelle aus Mainz-Weisenau und auf niederländischem Gebiet sind alle in der Nähe von Kampfplätzen der Bataver gefunden worden. „Und es gibt viele Übereinstimmungen in der Gestaltung“, erklärt Schletter. So sei eine kreuzbandartige Verzierung aus Bronze auf den Helmen des 1. Jahrhunderts typisch. Die Darstellung von Tempelchen oder Tieren ebenfalls. Auf dem Krefelder Helm hat die Restaurierung Spuren der Bronzebänder und von Delfinen im Stirnbereich erkennbar gemacht.

 Hans-Peter Schletter (l.) und Eric Sponville werten die Funde aus den Grabungen aus.
Hans-Peter Schletter (l.) und Eric Sponville werten die Funde aus den Grabungen aus. Foto: Stadt Krefeld

Im 1. Jahrhundert waren zwischen Niedergermanien und Ostsee immer 50.000 römische Soldaten gleichzeitig stationiert. „Wenn wir von 25 Dienstjahren ausgehen, kommen wir auf eine Zahl von 200.000 Helmen. Gefunden wurden bislang 20“, so Schletter. Die meisten fand man in Flüssen. „Man muss davon ausgehen, dass es wohl Opfergaben bei einem Übergangsritual waren“, erklärt der Archäologe.  Oft hätten auch Soldaten nach ihrer Dienstzeit Teile ihrer Ausrüstung zurückgelassen. Doch das meiste sei eben dann von anderen Soldaten übernommen und individuell verändert  worden. 

 Diese von 20 Jahrhunderten angefressenen Teile sind Wangenklappen, die  zum Bataverhelm gehören.
Diese von 20 Jahrhunderten angefressenen Teile sind Wangenklappen, die  zum Bataverhelm gehören. Foto: Stadt Krefeld

Es ist nicht die einzige Sensation der Forscher, die bei der Aufar-
beitung der Grabungsstücke, die in die ständige Ausstellung wandern sollen, zu Tage kam. Eric Sponville, Doktorand am Museum, kümmert sich um die Auswertung des Vicus, der zivilen Siedlung nördlich des des Kastells. Dort war man bei der Grabung 2017 auf Reste eines Gebäudes gestoßen, auf die sich die Experten zunächst keinen Reim machen konnten. Die Außenmaße waren zwei mal 2,50 Meter. Anders als die anderen Gebäude, die aus Holz oder Fachwerk errichtet waren, war dieses gemauert und hatte einen Estrichboden. Der zerbröckelte Wandputz war mit roten Streifen bemalt. Schnell war widerlegt, dass es ein Keller hätte sein können: „Es war nur zehn bis 30 Zentimeter unter Laufniveau“, berichtet Sponville. Er hat intensiv nach Vergleichen gesucht – und wurde fündig: In Süddeutschland, in Österreich, in der Schweiz und in Großbritannien gab es kleine Häuschen, den heutigen Wegesrandkapellchen ähnlich, in denen den Göttern gehuldigt wurde. „Tempel und kleine Hausaltäre wären zu jener Zeit üblich. Solche kleinen Tempelchen findet man oft im Grenzbereich von Parzellen. Vermutlich haben sie mehrere Familien  gemeinsam genutzt.“ Wer das war, der solche Stätten errichtete und für wen, ist nicht bekannt. „Es werden keine armen Leute gewesen sein.“ Es sei ein Bau von hoher Qalität gewesen, die auf die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts verweise.

 Hier ist die rote Bemalung des Putzes zu erkennen. Wie der Bau ausgesehen haben könnte, zeigt der Monitor.
Hier ist die rote Bemalung des Putzes zu erkennen. Wie der Bau ausgesehen haben könnte, zeigt der Monitor. Foto: Stadt Krefeld

Und noch hat Gelduba nicht alle Geheimnisse preisgegeben. Seit 1934 wird auf dem 15 Hektar großen Areal gegraben; in der jüngsten Grabungsperiode waren 3,7 Hektar im Fokus der Wissenschaftler. „Es ist noch viel Aufarbeitung notwendig“, sagt Grabungsleiter Schletter. Arbeit, die das Museum aus eigener Kraft allein nicht stemmen kann. Deshalb sei man glücklich über Kooperationen mit den Universitäten von Köln und Basel, deren Studenten sich in Abschluss- und Doktorarbeiten mit Gelduba-Themen befassen, betont Museumsleiterin Jennifer Morscheiser. Denn: „Im Museum können wir nur ausstellen und vermitteln, was erforscht ist.“