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Krefeld war Stützpunkt der Royal Navy Flotille und Treff des Hochadels

Krefeld war Stützpunkt der Royal Navy : Als die Royals im Rheinhafen feierten

Ab 1950 war die Royal Navy-Rheinflotille in Krefeld verankert. Die Yacht „Prince Charles“ war Ort königlicher Empfänge. Prince Charles schälte unter Deck Kartoffeln.

Das Foto ist natürlich nicht geschossen worden – zumindest wurde es nicht veröffentlicht: Prinz Charles hockt unter Deck der nach ihm benannten Yacht und schält Kartoffeln. Es muss dem kleinen britischen Thronfolger bei Schiffskoch Heinz Brockhaus gut gefallen haben, er soll sich auch für den frischgebackenen Kuchen des Smutje aus Bockum begeistert haben. So viel ist überliefert.

Brockhaus, 1918 in Krefeld geboren, gehörte zum Inventar  der Yacht, die  ab 1950 als Teil der Royal Navy-Rheinflottille im Krefelder Hafen beheimatet war. Die Szene mit dem kleinen Prinzen muss sich Anfang der 1950er Jahre abgespielt haben. Aber auch später hat der 1948 geborene Thronfolger Zeit auf der Yacht verbracht. Mit der Verlegung an den Rhein nutzte die britische Königsfamilie das Boot, nicht nur für Reisen, sondern auch für Empfänge und Feiern. Hier kam dem Schiffskoch Heinz Brockhaus die besondere Rolle zu, mit kleinem Budget in der Kombüse große Festmähler zu kreieren.

Lord Louis Mountbatten 1956 im Krefelder Hafen .
Lord Louis Mountbatten 1956 im Krefelder Hafen . Foto: Stadt Krefeld

Wer im Rheinhafen an und von Bord ging, blieb den Blicken der Öffentlichkeit verborgen. Auch im Zeitungsarchiv des Stadtarchivs finden sich nur wenige Hinweise: von Lord Louis Mountbatten nebst Gattin und von Feldmarschall Montgomery wird berichtet.1954 ist ein Besuch  von Prinzessin Margaret, der Schwester der Queen, belegt.  Mehrfach wurden Prinz Philip, aber auch weitere Mitglieder der Königlichen Familie auf der „Prince Charles“  gesehen, zum Beispiel die Herzogin von Kent und adlige Mitglieder der Mountbattens sowie gekrönte Häupter, Politiker, Wirtschaftsgrößen – lediglich Queen Elizabeth II. soll nie an Bord gewesen sein.

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Es hält sich  in Krefeld aber die Legende, die Queen – seinerzeit noch Kronprinzessin – habe ihren Verlobten Philipp Mountbatten in der Villa Pattberg besucht, der dort an der Uerdinger Straße als Offizier nach dem Zweiten Weltkrieg stationiert war. Ein Gemälde der Prinzessin im Treppenhaus der Villa nährt diese Legende. Der Buckingham Palast hat sie nicht bestätigt.

Die „Prince Charles“ zwischen anderen Booten der britischen Rheinflotte
Die „Prince Charles“ zwischen anderen Booten der britischen Rheinflotte Foto: Stadt Krefeld

Die Yacht hat nicht nur eine glanzvolle Geschichte. Die Anekdote mit dem Kartoffeln schälenden Prinz Charles hat Brockhaus erst viele Jahre später erzählt. Verschwiegenheit war seine Pflicht. Denn bevor die britischen Besatzer die Yacht annektierten und sie den Namen „Prinz Charles“ erhielt, lief sie unter dem Namen „Carin II“ und gehörte Hermann Göring, der sich zum Ende des Kriegsverbrecherprozesses in Nürnberg 1946 selbst tötete.

 Als Schiffskoch und Steward war Heinz Brockhaus auch  während des Zweiten Weltkriegs an Bord und kochte schon für Hitler, Göring, Mussolini, Ribbentrop und hohe Militärs.

Brockhaus war gelernter Koch und Konditor.  Anfang der 1950er Jahre lebte er an der Buschstraße. Über die Partys auf der „Prince Charles“ hat er erst in den 1970er Jahren erzählt. Es muss an Bord feuchtfröhlich zugegangen sein. Auf dem Schiff seien „tausende Flaschen Sekt und Gin geleert“ worden, die „allesamt im Rhein versenkt wurden“.

Wie die „Carin II“ in Norddeutschland – wohl in Kiel – im Mai 1945 genau in den Besitz der britischen Armee gelangte, ist nicht bekannt. In der direkten Nachkriegszeit nutzten Offiziere die Yacht für Touren, unter anderem ließ sich Feldmarschall Bernard Montgomery auf der „Carin II“ durch den Kieler Hafen schippern. Die Briten annektierten das Schiff Ende 1945/ Anfang 1946 und  benannten es zunächst in „H.M.S. Royal Albert“ um.

1950 wechselte die Yacht vom Salz- ins Süßwasser: nach Krefeld am Rhein, und erhielt den Namen „M.Y. Prince Charles“. Als Repräsentationsschiff der Royal Navy Rhine Flotilla und der britischen Königsfamilie befuhr die „Prinz Charles“ die europäischen Flüsse sowie die Nordsee. Angeblich diente die Yacht auch dazu, die deutschen Verwandten des britischen Königshauses ohne großes Aufsehen zu besuchen; die Mountbatten stammen aus dem Haus Battenberg (Hessen), die Windsor aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha. Neben den gesellschaftlichen, offiziellen Anlässen wurde das Schiff auch bei Manövern und Übungen eingesetzt.

Die Touren der „Prince Charles“ endeten 1960 und damit endete auch das Interesse der Briten an deren Besitz. Die Schiffe der Rheinflottille, die im Krefelder Hafen lagen, übernahm die Bundesmarine und überführte sie nach Wilhelmshaven. Auf das Gelände zogen die Flusspioniere der Bundeswehr, „Fluppis“ genannt. Görings Witwe erstritt die Rückgabe der Yacht, weil sie privates Eigentum gewesen sei. 1960 verkaufte sie sie an einen Unternehmer in Bonn. Anfang der 1970er-Jahre kaufte sie ein Hamburger Journalist. Im Spielfilm „Schtonk!“ wird von der Chronik der Göring-Yacht erzählt. Aber das ist eine andere Geschichte. Der heutige Besitzer ist unbekannt.