Veranstaltung in der Villa Merländer Der Mann, der mit Postkarten gegen Hitler kämpfte

Krefeld · Was haben die Deutschen vom Holocaust wissen können? Das ist Forschungsthema von Bernward Dörner. Er stellt einen Mann vor, der allein gegen Hitler als „Mörder von fünf Millionen“ gekämpft hat.

 Die Villa Merländer war das Wohnhaus des jüdischen Kaufmanns Richard Merländer und ist  Sitz der NS-Dokumentationsstelle

Die Villa Merländer war das Wohnhaus des jüdischen Kaufmanns Richard Merländer und ist Sitz der NS-Dokumentationsstelle

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Benno Neuburger wird am 18. September 1942 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet. Der Volksgerichtshof hatte den 71-Jährigen wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt. Er hatte Postkarten geschrieben. Die Karten, die er anonym und ohne Adressen in die Briefkästen geworfen hat, waren höchst brisant. Denn darauf hat Neuburger die Nazis und das Hitlerregime angegriffen.

Der Historiker Professor Bernward Dörner vom Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin kommt am Mittwoch, 24. April, in die Villa Merländer, um Neuburger und seine Form des Widerstands vorzustellen. „Allein gegen den Mörder von fünf Millionen. Der Widerstand des Münchner Juden Benno Neuburger“ ist Titel seines Vortrags, den er ab 19.30 Uhr in der Villa, Friedrich-Ebert-Straße 42, hält.

Dörner, 1956 in Krefeld geboren, ist außerplanmäßiger Professor für Neuere Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind die deutsche Justiz- und Polizeigeschichte sowie die Erforschung des Holocaust.

Ihn interessieren die Fragen: Wie haben die Deutschen reagiert, als man ihre jüdischen Nachbarn deportierte? Was konnte man über den Holocaust zur Tatzeit wissen? Benno Neuburger hat mit seinen anonymen Postkarten die NS-Ausrottungspolitik angeklagt. „Sein Widerstand und seine Verfolgung geben Aufschluss über Handlungsoptionen während des Genozids“, so Dörner. Neuburger lebte mit seiner Familie in bürgerlichen Verhältnissen. Bis 1933 ging es ihnen gut. Dann nahmen die Schikanen gegen die Juden zu, Neuburger wurde verhaftet und nach Dachau gebracht, aber nach zwei Wochen entlassen. Die Zustände haben ihn geprägt. Schon vor der Deportation hatte er seine Postkartenaktion begonnen, nun wurden die Texte schärfer.

Anmeldung zum Vortrag unter ns-doku@krefeld.de - Eintritt ist frei.

(ped)
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