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Krefeld: Von der Farbe aus Pflanzen zu bunten Stoffen

Vernissage aus Krefeld im Livestream : Von der Farbe aus Pflanzen zu bunten Stoffen

Unter dem Titel „Purpurschnecke und Färberwaid“ hat die engagierte Kuratorin Ulrike Denter im Krefelder Haus der Seidenkultur eine kleine Ausstellung konzipiert. Die Eröffnung ist am Sonntag, 23. August.

Mit färbenden Stoffen aus der Natur und aus dem Chemielabor befasst sich ab Sonntag, 23. August, das Haus der Seidenkultur (HdS). Unter dem Titel „Purpurschnecke und Färberwaid“ hat die engagierte Kuratorin Ulrike Denter eine kleine Ausstellung konzipiert. Der überwiegende Teil der Exponate stammt aus dem Privatbesitz des inzwischen verstorbenen Textilingenieurs Gerhard Schlichtmann. Vor mehr als einem Jahr hatte er festgelegt, dass seine Stücke zum Thema an das Haus in der Luisenstraße gehen sollten. „Er wünschte sich eine Ausstellung“, erinnert sich Ulrike Denter an das Gespräch mit ihm.

Nun sind die Farben und Stoffe, Model und Muscheln in Vitrinen in zwei Räumen zu sehen. „Ich habe die Exponate in eine logische Ordnung gebracht“, sagt Ulrike Denter. Und so beginnt der Weg mit den Purpurschneckenhäusern und den Cochenilleläusen als Vertreter der tierischen Farbstoffe. „Purpur wird aus Drüsen der Schnecken gewonnen“, weiss Ulrike Denter. Die rotfärbenden Läuse kann man durch ein Lupe genau betrachten, außerdem zeigt ein Foto von den kanarischen Inseln, wie sie heute noch auf Kakteen gedeihen. Das Rot ist oft Bestandteil von Lippenstiften.

Kuratorin Ulrike Denter hat die Ausstellung konzipiert. Viele Exponate stammen aus dem Privatbesitz. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Eine weitere Gruppe von Exponaten behandelt das Indigo und andere pflanzliche Färbemittel. Gerhard Schlichtmann hat nicht nur einen beeindruckenden Indigo-Kasten aus dem 18. Jahrhundert hinterlassen, sondern auch allerhand andere Farben zusammengestellt. Safranfäden und Kurkuma (für Gelb) aus der Gewürzabteilung liegen hier neben dem Färberkrapp oder Rotholz (Rot). Die sehr blassen Blätter des ‚Orseille‘ entfalten rote Färbekraft.

Farbbeispiele auf Baumwolle und Leinenstoffen sind ab Sonntag in der Ausstellung  zu sehen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Wie die Farbe aus den Pflanzen auf die Stoffe gelangt, ist im zweiten Raum zu sehen. Die promovierte Chemikerin Denter zeigt hier Arbeitsprozesse zur Gewinnung von Farben und die je unterschiedlichen Ergebnisse. Zum Blaudruck, dem Färben mit Waid, sind hier Beispiele auf Baumwolle und Leinenstoffen zu sehen, außerdem eine Reihe von Modeln, denen man den dunkelblauen Farbauftrag noch ansieht.

Zu allen Exponaten und zum Färben hat Ulrike Denter auch Einzelheiten notiert, die auf den informativen Tafeln nachzulesen sind. Daneben hängen anschauliche Fotografien und Kupferstiche. Die Kupfer mit botanischen Darstellungen gehörten in die Sammlung Schlichtmann und wurden nun von seiner Patentochter aus dem Erbe zur Verfügung gestellt. Auch Fotos erklären: An einer „Indigoterie“ in Bengalen wird deutlich, wie aufwendig und kräftezehrend es war, den Farbstoff aus dem Blattgrün der  Indigosträucher zu gewinnen. Hierbei spielen Gärung, Reduktion und Oxydation eine Rolle.

Highlight ist ein koptisches Stück aus dem 7. oder 8. Jahrhundert: „Es wurde wahrscheinlich mit Krapp gefärbt“, sagt Denter, die Dr. Annette Schieck vom Deutschen Textilmuseum um eine Expertise gebeten hat. „Eigentlich sollte unsere Ausstellung parallel zu der im Deutschen Textilmuseum laufen“, sagt Denter. Aber die Corona-Pandemie hat zur Verschiebung geführt. Erstmals gibt es an der Luisenstraße keine große Eröffnungsfeier. Das HdS überträgt die Reden zur Vernissage im Livestream und hat seine Internetpräsentation mit musikalischen Beiträgen voriger Eröffnungen angereichert.