Krefeld: Volkstrauertag: Mahnende Worte von Oberbürgermeister Frank Meyer

Erinnerung an Polen-Angriff : Volkstrauertag: Mahnende Worte von Oberbürgermeister Meyer

Der OB erinnerte in seiner Ansprache auf dem Krefelder Hauptfriedhof an den deutschen Überfall auf Polen vor 80 Jahren, der den Zweiten Weltkrieg auslöste.

(RP) Zum Volkstrauertag hat Oberbürgermeister Frank Meyer an den Angriff auf Polen vor 80 Jahren erinnert. Am 1. September 1939 hatten deutsche Streitkräfte das Nachbarland überfallen und dadurch den Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Den Tatsachen zum Trotz hatte Reichskanzler Adolf Hitler behauptet, dem Angriff sei eine polnische Aggression vorausgegangen. „Mit Hitlers Äußerungen an jenem 1. September hatten die Täter ihre Rolle verschleiert und sich vorsorglich reingewaschen, die Opfer hingegen wurden durch die Propaganda zu Tätern abgestempelt – eine grausame Umkehr der wirklichen Verhältnisse. Man sieht daran, wer in diesem furchtbaren Krieg, der ganz Europa ins Verderben gestürzt hat, vom ersten Tag an die wichtigste Komplizin Hitlers war: Es war die Lüge – gegenüber seinem eigenen Volk und gegenüber der Weltöffentlichkeit“, sagte Meyer in seiner Ansprache in der Trauerkapelle des Hauptfriedhofs.

Der Oberbürgermeister erinnerte daran, dass auch der Volkstrauertag im Lauf der Geschichte zum Werkzeug von Lüge und Propaganda wurde. Im Jahr 1922 wurde er ursprünglich als Tag des Gedenkens, der Versöhnung und Verständigung ins Leben gerufen: Reichstagspräsident Paul Löbe rief damals in seiner Rede eindringlich zur „Abkehr vom Hass“ auf. Doch in den folgenden Jahren trat immer stärker die heroische Verklärung des Ersten Weltkriegs in den Vordergrund: Die Nazis funktionierten den Volkstrauertag im Jahr 1934 endgültig zum Heldengedenktag um. Das galt jedoch nur für „arische“ Helden: Die vielen jüdischen Soldaten, die im Krieg für Deutschland gekämpft hatten, wurden explizit vom Gedenken ausgenommen. „Gerade angesichts der wechselvollen Geschichte des Volkstrauertags ist es heute unsere gemeinsame Aufgabe, diesen Gedenktag vor jeder Lüge und Verklärung zu schützen – und damit unseren Blick auf die eigene Geschichte klar und unverstellt zu halten. Unsere Trauer muss ein aufrichtiges Gefühl bleiben, ein Gefühl, das sich auf alle Opfer von Krieg und Gewalt bezieht – auf Soldaten jeder Nationalität, auf zivile Opfer, auf Vertriebene, auf jene, die in den Lagern ermordet wurden“, erklärte Frank Meyer.

In Bezug auf moderne Möglichkeiten der digitalen Fabrikation und Verbreitung gefälschter Meldungen mahnte der Oberbürgermeister zur konsequenten und sachgetreuen Aufarbeitung der eigenen Geschichte: „In den heutigen Zeiten ist Propaganda hartnäckig und in hohem Maße infektiös. Deswegen ist es wichtig, sich bei Veranstaltungen wie dieser in die Augen zu blicken und klar zu sagen: So und nicht anders ist es gewesen, so und nicht anders wollen wir umgehen mit der Verantwortung und der Schuld. Die Geschichte zeigt, dass aus Lügen grauenvolle Dinge entstehen können: Deshalb müssen wir die Lüge als solche entlarven und den Lügnern zusammen die Stirn bieten.“