Krefeld: Versorgung mit Medikamenten gefährdet - Apotheken schlagen Alarm

Apotheker in Krefeld schlagen Alarm : „Versorgung mit Medikamenten gefährdet“

Einerseits wird eine stockende Versorgung selbst bei teilweise gängigen Medikamenten zu einem immer größeren Problem. Andererseits bereiten die Rabattverträge zwischen Pharmaherstellern und Krankenkassen Schwierigkeiten.

Krefelds Apotheker schlagen beim Blick in ihre Medikamenten-Depots Alarm: „Die Versorgungssituation der Bürger ist gefährdet“, bringt es Silke Völker, Inhaberin der Engel-Apotheke in der Innenstadt, offen auf den Punkt. Einerseits wird eine stockende Versorgung selbst bei teilweise gängigen Medikamenten für Apotheken und Patienten zu einem immer größeren Problem. Andererseits bereiten die Rabattverträge zwischen Pharmaherstellern und Krankenkassen Schwierigkeiten. „Die Kassen erhalten von Pharmafirmen Preisnachlässe für garantierte Mindestabnahmen“, erklärt Karl Bedau, seit 31 Jahren Inhaber der Löwen-Apotheke in Hüls. „Doch damit sind Apotheken darauf beschränkt, je nach Kasse des Patienten nur ein Medikament bestimmter Arzneifirmen abzugeben. Wenn es zu Problemen bei einem Hersteller kommt, stehen kaum Alternativen zur Verfügung.“ Einen Vorschlag unterbreiteten die Apotheker jetzt Kerstin Radomski, Bundestagsabgeordnete und Vorstandsmitglied der CDU Niederrhein, sowie Marcus Optendrenk, NRW-Landtagsabgeordneter und Stellvertretender Vorsitzender des CDU Bezirksverbands Niederrhein: Die Rabattverträge müssten sicherheitshalber auf eine breitere Basis mit mehreren Pharmaherstellern gestellt werden. Beide Politiker sagten Unterstützung zu, Radomski betonte, dass an entsprechenden Änderungen in Berlin gearbeitet werde.

Laut Apothekerverband hat sich die Zahl der nicht verfügbaren Rabattarzneien fast verdoppelt: von 4,7 Millionen Packungen 2017 auf 9,3 Millionen im vergangenen Jahr. „Das heißt, dass jedes 50. dieser Mittel von Lieferengpässen betroffen ist, also mehr als zwei Wochen nicht verfügbar ist oder deutlich stärker nachgefragt als angeboten wird“, ergänzt Klaus Mellis, Inhaber der Mauritius-Apoheke und Vorsitzender des Digitalisierungsausschusses der Apothekerkammer Nordrhein.

Gründe für Lieferengpässe gibt es viele. So herrscht im globalen Gesundheitswesen Kostendruck. „Früher stellten die Pharmakonzerne die Wirkstoffe in Deutschland her“, so Mellis. „Dann wurde in Osteuropa produziert, heute kommen die Medikamente aus Fernost, etwa Antibiotika in China und Indien. Dort konzentriert sich die Produktion auf wenige Betriebe.“ Die Konsequenz: Steht diese zeitweilig still oder kommt es wegen Verunreinigungen zu Arznei-Rückrufen, klemmt es in der Lieferkette. Apotheker und Patient haben das Nachsehen.

Apotheker Karl Bedau, Inhaber der Löwen-Apotheke Hüls, Silke Völker, Inhaberin der Engel-Apotheke, Klaus Mellis, Inhaber der Mauritius-Apoheke, sowie die CDU-Politiker Kerstin Radomski und Dr. Marcus Optendrenk (v.l.). Foto: Joachim Nießen/Joachim Niessen

„Die Apotheker fordern politische Lösungen wie mehr Anreize für eine mögliche Rückführung der Wirkstoffproduktion nach Europa“, erwartet Bedau. Auch sei bei den Rabattverträgen eine Nachbesserung dringend erforderlich. Zwar lassen sich viele knappe Arzneien theoretisch durch andere Medikamente ersetzen, doch das bleibe nicht ohne Folgen. „Das sind nicht die Mittel, auf die die Patienten eingestellt sind und nicht zwingend die, die sie am besten vertragen“, beschreibt Silke Völker die Situation. Hormone in Schilddrüsenmedikamenten etwa würden in Mini-Dosierungen verabreicht. Patienten müssten dann von ihrem Arzt anders eingestellt werden. Auch bei Apothekern kosten Lieferengpässe Zeit: „Hilft eine größere Packung oder eine doppelt so starke Tablette, die der Patient teilen muss? Muss der Arzt am Ende das Rezept ändern?“, so Mellis.

Dazu kommt das Problem, dass nicht jede Krankenkasse Alternativ-Medikamente erstattet. Die Folge: Bedau diskutiert monatlich mit den Kassen über bis zu 20 an Patienten herausgegebene Medikamente, für die er Geld einfordert. Der Apotheker weiß nie, ob er seine Außenstände erstattet bekommt. Mellis spricht von rund 23.000 Euro, über deren Zahlung er noch mit den Kassen verhandelt: „Das sorgt für Unmut, die Zeit würde ich lieber den Patienten zur Verfügung stellen.“