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Krefeld: Vermögensaufbau in Zeiten des Zinstiefs

Reihe Modernes Banking in Krefeld : Vermögensaufbau in Zeiten des Zinstiefs

Modernes Banking trifft regionale Nähe: Wertpapiere und Geldanlage

Die Deutschen wenden sich dem Wertpapier zu. Mit Zocken hat das nichts zu tun, wie die Zahlen belegen.

Die Sache mit dem Aston Martin war ungewöhnlich. Daniel Gartz, Vermögensbetreuer bei der Volksbank Viersen, berichtet von einem Mann, der sich gezielt für Aktien dieses Autobauers interessierte, dessen Name durch die James-Bond-Filme berühmt ist. Auch wenn diese Aktie nicht gerade die erste ist, die Analysten für Geldanlagen einfällt, so war der Vorgang für Gartz doch aufschlussreich: „Der Mann hat sich interessiert, er hat sich mit der Thematik auseinandergesetzt.“ Das eben ist es: Die Deutschen interessieren sich zunehmend für Wertpapiere, weil sie für ihr Geld keine klassischen Zinsen mehr bekommen.

Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hat 2019 eine Umfrage veröffentlicht, wonach die Zahl der Aktionäre in den vergangenen vier Jahren auf 10,3 Millionen gestiegen ist. Damit gab es 250.000 Aktienbesitzer mehr als noch im Vorjahr und sogar fast 1,9 Millionen mehr als 2014. „Das Interesse steigt, seitdem man sogar mit Negativzinsen rechnen muss“, sagt Gartz. Wie ist das genau, wenn man sich dem Thema annähert?

In solchen  Situationen schlägt die Stunde der guten alten analogen Beratung von Angesicht zu Angesicht. „Das Gespräch ist kaum zu ersetzen“, sagt Wolfgang Holthausen, Bereichsleiter Privatkunden und Vermögensmanagement bei der Volksbank Krefeld. Er und seine Kollegen berichten übereinstimmend, dass es bei solchen  Gesprächen anfangs noch nicht konkret um Wertpapiere, Börse, Fonds und Aktien geht, sondern erst einmal um den Menschen und sein  Leben. „Es geht um Pläne, die Lebenssituation, um Einstellungen, die jemand hat, und Lebensrisiken, die er absichern möchte“, berichtet Holthausen. Er nennt ein eingängiges Beispiel: Wenn jemand sicherheitshalber liquide Mittel vorhält, um Risiken wie einen Totalschaden am Auto abzusichern, dann  ist es hilfreich, einfach mal durchzurechnen, um welche Summen es geht.  „Das kann zu dem Ergebnis führen, dass manche Leute viel größere Summen veranschlagen, als sie eigentlich für die Dinge, die sie absichern wollen, benötigen.“  Das Zauberwort lautet dann: Umstrukturierung des eigenen Vermögens. Über wie viel Bargeld will ich verfügen, was kann ich mittel- und langfristig anlegen? Um solche Fragen geht es.

„Minimalziel einer Geldanlage ist es in Zeiten des Zinstiefs, wenigstens kein Geld zu verlieren“, erläutert Alexander Höges, Vermögensbetreuer bei der Volksbank Kempen-Grefrath. „Wenn Sie heute 10.000 Euro besitzen und nichts unternehmen, haben Sie in zehn Jahren zwar nominell immer noch 10.000 Euro, aber das Geld ist inflationsbedingt nur noch 8000 Euro wert.“ Die Welt der Wertpapiere sei hochflexibel und könne auf viele Anlegerpersönlichkeiten und Lebenspläne  abgestimmt werden, erläutert Höges. „Wir beschäftigen uns ja nicht mit Hochrisikopapieren“, betont er, „man kann das Risiko breit streuen, man kann kurz-, mittel- und langfristig anlegen, man kann in Fonds oder in bestimmten Aktien anlegen oder alles mischen“, erläutert er.

Beliebt sind Investmentfonds;  man kauft Anteile eines Fonds, das Geld wird  von Fondsmanagern unter gesetzlichen Vorgaben in Wertpapiere oder Immobilien investiert; das Risiko ist breit gestreut – bei guten Renditeaussichten. Erfunden wurde das Prinzip übrigens  1774 von dem niederländischen Kaufmann Abraham van Ketwich; die Idee war epochal und hat sich bis heute bewährt.

Auch junge Leute vom Azubi aufwärts könnten bereits mit dem „Fondssparen“ beginnen, betont André Heiner, Bereichsleiter Vertriebsmanagement bei der Volksbank Krefeld, wobei der Begriff Sparen nicht ganz stimmt.  „Es ist wie beim Sparen; man zahlt monatlich etwas ein, man fängt mit kleinen Beträgen an und kann sie im Laufe des Berufsweges steigern“, erläutert Heiner. Was wie klassisches Sparen aussieht, ist aber Investition in einen Fonds.

Die Renditeaussichten am Aktienmarkt sind dabei sehr positiv. Wer zum Ende des Jahres 2009 in DAX-Werte investierte und diese Aktien Ende 2019 wieder verkaufte, erzielte in diesem Zeitraum eine jährliche Rendite von im Schnitt etwa 8,3 Prozent. Dies zeigt das DAX-Renditedreieck, das die Renditeentwicklung der im Deutschen Aktienindex notierten Aktien darstellt. Wertschwankungen, das zeigen die Zahlen seit Jahrzehnten, werden in der Regel auf mittlere und lange Sicht ausgeglichen.

Warum sind die Deutschen dennoch lange zurückhaltend gegenüber Wertpapieren gewesen? „Weil das Sparbuch in Zeiten ordentlicher Zinsen eine reelle Möglichkeit war, sein Geld aufzubewahren“, antwortet Vermögensbetreuer Gartz. „Außerdem steckt vielen der Telekom-Schock in den Knochen.“ Zur Erinnerung: Seit 1996 haben viele Deutsche Telekom-Aktien gekauft, die seinerzeit von dem beliebten Schauspieler Manfred Krug in einer überaus erfolgreichen Kampagne beworben wurden. Der Kurs stieg und stieg, bis der Absturz kam. „Das hat sich über Generationen ins kollektive Gedächtnis eingebrannt“, berichtet Gartz, „es hindert manche Leute bis heute, sich nüchtern mit Wertpapier-Anlagen zu beschäftigen.“

Dabei gilt mit Blick auf den Telekom-Crash vor allem einen Fehler nicht zu machen: Alles auf eine Karte zu setzen. Eben das nicht zu tun, ist Standard in der Welt der Wertpapiere.