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Krefeld: Vergabeunterlagen für Veranstaltungshaus veröffentlicht

Krefelder Stadtplanung : Gesucht wird Ersatz für das Seidenweberhaus

Die Stadt hat die Vergabeunterlagen für den Bau einer Veranstaltungshalle veröffentlicht. Das Investoren-Rennen ist offen, lediglich der Hinweis auf ein „identitätsstiftendes Bauwerk“ kann als Wink für das Kesselhaus gedeutet werden.

Während im Wahlkampf bei CDU und FDP Zweifel daran laut geworden sind, ob Krefeld sich eine neue Veranstaltungshalle coronabedingt überhaupt wird leisten können, hat die Stadtverwaltung die Weichen für die Ausschreibung zur Planung der neuen Halle gestellt. Die Verwaltung hat nun den Startschuss für die Angebotsphase gegeben: Die Investoren können bis Anfang November ihre Ideen einreichen.

Nach bisheriger Beschlusslage soll die Halle bis Ende 2023, Anfang 2024 fertig sein, damit dann mit dem Abriss des Seidenweberhausese und dem Neubau eine Technischen Rathauses auf dem Theaterplatz begonnen werden kann. Oberbürgermeister Frank Meyer hatte diesen Fahrplan Anfang September im RP-Interview  bekräftigt; seine Herausforderin Kerstin Jensen (CDU) hatte im Wahlkampf mehrfach betont, Ende des Jahres erst einmal einen Kassensturz zum Haushalt zu machen, bevor man die Planung für Neubauten weiter vorantreibt.

In den umfangreichen Vergabeunterlagen werden die Anforderungen an Planung, Bau und Finanzierung bereits detailliert beschrieben. Auch der grundsätzliche Charakter des Vorhabens wird klar benannt: „Die neue Veranstaltungshalle bildet den zentralen Mittelpunkt für das kulturelle Angebot der Stadt Krefeld in den Bereichen Konzerte, Tagungen, Feiern und dergleichen. Diese öffentlichkeitswirksamen Nutzungen stellen an die Fähigkeit der Bieter in gestalterischer Hinsicht erhöhte Anforderungen, die bei der Bewertung der Angebote in erheblichem Maße berücksichtigt werden.“

Das Gebäude solle „als identitätsstiftendes Bauwerk auch über die Stadtgrenzen hinaus Wirkung zeigen“. Anhand der Unterlagen sind die Investoren aufgefordert, bis Anfang November 2020 ein erstes Angebot für die neue Veranstaltungshalle der Stadt Krefeld zu unterbreiten. „Jetzt wird es richtig konkret. In wenigen Monaten werden wir gemeinsam mit dem Rat eine lebendige Vorstellung davon entwickeln, wie dieser wichtige Ort für die Stadtgesellschaft künftig aussehen soll. Ich sehe in dieser neuen Halle auch ein Aufbruchssignal für Krefeld“, betont Oberbürgermeister Meyer. Mit dem Verfahrenwird nun ein Investor gesucht, der die Finanzierung und Planung sowie den Neubau oder die Sanierung eines Bestandsgebäudes auf eigenem Grundstück übernimmt. Außerdem muss er das Gebäude baulich und betrieblich über den Zeitraum von 25 Jahren unterhalten.

Die  City Projekt Krefeld Westpark GmbH will angeblich an der Westparkstraße eine Halle bauen. Foto: Grafik: Freigegeben durch City Projekt Krefeld Westpark GmbH

Herzstück der Halle wird der Veranstaltungssaal mit einer Kapazität von mehr als 1.000 Plätzen. Die Anforderungen an Akustik, Beleuchtung, Anschlüsse, Bestuhlung und Bühne werden im Detail formuliert. Beschrieben wird auch die Charakteristik und Ausstattung des kleinen Saals mit einer Kapazität von 350 Besuchern. Hinzu kommen sechs Konferenz-und vier Gruppenräume, Empfang, Garderobe, Kasse sowie voll ausgestattete Künstlergarderoben und viele verschiedene Funktionsräume für Technik, Sanitäreinrichtungen und Gastronomie. Die komplette Verwaltung der Halle muss ebenfalls im Gebäude Platz finden. Auch die Außenanlagen der neuen Veranstaltungshalle werden eingehend beschrieben. So soll der Investor dafür Sorge tragen, dass ausreichend Stellplätze und eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gegeben sind. In der Halle und auf den Außenanlagen gilt ein besonderes Augenmerk der Barrierefreiheit. Auch das Thema Energieeffizienz haben die Planer im Blick: „Energetisch ist ein Gebäudekomplex zu schaffen, der die zu erwartende Verschärfung des Energiemarktes beachtet und zukunftsweisende Techniken zum Einsatz bringt“, heißt es in der Leistungsbeschreibung.

Regenerative Energien seien „in einem ökonomisch und ökologisch sinnvollen Maß“ zu nutzen. Wenn die Angebote bis Anfang November vorliegen, geht es in die Auswertung und erste Verhandlungen mit den Investoren. „Anhand transparenter Kriterien an die Wirtschaftlichkeit sowie anhand städtebaulicher, architektonischer und technischer Anforderungen wird die Verwaltung einen Vergabevorschlag erarbeiten, der dann dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt wird“, sagt Rachid Jaghou, Leiter des Zentralen Gebäudemanagements. Werden alle Rahmenbedingungen erfüllt, kann die Bauphase Ende 2021 starten.

Bislang ist von zwei  Investoren bekannt, dass sie antreten: Da ist zum einen Wolf Reinhard Leendertz, der auf dem Gelände des Mies van der Rohe Business Parks an der Girmesgath das denkmalwerte Kesselhaus zur Veranstaltungshalle ausbauen möchte. Zum anderen hat Architekt Rainer Lucas von Plänen eines Investors berichtet,  an der Westparkstraße auf dem ehemaligen Kerrygold-Gelände unter anderem eine neue Veranstaltungshalle mit Hotel  zu errichten.  Beide Komplexe sind Teil umfassender Pläne, zu denen auch der Bau von zwei Eishallen, eines Eishockey-Leistungssportzentrums und von 7000 Quadratmeter Wohnraum gehören (wir berichteten).