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Krefeld Vera Leutloff zeigt Räume ohne Licht und Schatten

Krefelder Galerien : Die Farbwelten der Vera Leutloff

Die Künstlerin schafft Räume ohne Perspektive, ohne Licht und Schatten — allein durch Farbe. Vera Leutloffs faszinierende Arbeiten sind bis Anfang Dezember in der Villa Goecke zu sehen.

In der Villa Goecke im vornehmen Tiergartenviertel sind ihre Arbeiten noch bis Anfang Dezember zu sehen: Vera Leutloff stellt zum vierten Mal an diesem Ort aus. Wieder haben ihre Bilder sich fortentwickelt und formen Farbverwandtschaften und Formbrücken.

Limonaia zum Beispiel: Die vier Gemälde mit diesem Titel besitzen das leuchtende Gelb von sonnengereiften Limonen, ergänzt um akzentuierendes Violett oder Braun. „Ich denke mir immer Farbwelten aus“, sagt die Künstlerin. Und sie erfindet auch Sprachbilder: „Meine Titel sind lautmalerisch und besitzen einen Bezug zu der Atmosphäre.“ Allerdings, das sagt Leutloff auch ganz deutlich: „Die Titel sind nicht narrativ.“

Alle vier Arbeiten aus der Serie „Limonaia“ sind quadratisch. Sie bewegen sich zwischen der Kantenlänge von einem Meter bis zu 160x160 Zentimeter. Die Unterschiede zwischen diesen Vieren liegt im Verlauf der Farben. Bei „Horizont“ hat Vera Leutloff die Farblinien quer, bei „Moment“ vertikal angeordnet. Die beiden anderen zeigen Kreise. Sie sind übereinander geschichtet und entfalten – so wie alle anderen Bilder auch – eine räumliche Wirkung. Das Besondere daran: Die Räumlichkeit entsteht ohne Licht oder Schatten. „Es gibt keine Perspektive“, sagt Leutloff, „der Raum wird nicht durch Illusionismus, sondern durch Farben erzeugt.“ Denn: „Ich kenne die Farben und ordne sie zu.“

Bei Leutloff ist das malerische Element der Ansatz; sie pflegt die Liebe zu Strukturen und Details und nennt das „konzeptionelle Malerei“. Die Segmente in ihren Bildern baut sie von unten nach oben auf. Und dann steht der Betrachter davor und versucht, die Schichtung aufzudröseln. Denn gerade bei den Bildern mit kreisförmigen Aufträgen geht der Blick wie bei einem Räderwerk immer tiefer und sucht nach der Auflösung in der Oberfläche. Da aber die Kreise und ihre Einzelteile sich optisch verschieben, wirkt nicht immer jedes Element exakt kreisförmig.

Beeindruckend für die Gäste der Vernissage ist besonders die gleichmäßige Pinselführung bei den Ölfarben der Leutloff. Eine Besucherin war begeistert, weil sie einen profanen Vergleich ziehen konnte: „Ich streiche gerade Holz an – schon bei geraden Linien ist Gleichmaß schwierig“, sagte sie. Um wie viel mehr bei durchkomponierten Bildern.

Ähnlich strukturiert sind die waagerechten oder senkrechten Bilderfamilien: „Meine Kunst ist völlig abstrakt“, sagt Vera Leutloff. „Mirage“ verbindet türkise Töne mit Weinrot und Dunkelgrau. In ihnen ist die Bewegung eher fließend.

Spannend sind Leutloffs Werke mit dem Titel „Thicket“. Das englische Wort für Dickicht beschreibt Leinwände, auf denen Balken und Streben gegeneinander stürzen und sich mit den variierenden Breiten der Stäbe voneinander absetzen. Auch hier entsteht Tiefe – allein durch den überlegten Auftrag der Farbe. Denn jedes Element, egal ob senkrecht, waagerecht oder kreisförmig, entwickelt durch Kontraste wieder eine eigene Tiefenwirkung. Und: Jedes Hinsehen entfaltet Neues.

Übrigens: Das zweitteuerste Werk der Ausstellung war schon nach 20 Minuten verkauft. Sein Preis: 10.000 Euro.